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Havelland Das Klötzchen mit der Schwalbe
Lokales Havelland Das Klötzchen mit der Schwalbe
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07:26 20.06.2014
Seit 26 Jahren leistet die Schwalbe bei Ehepaar Margot und Herbert Klotz aus Wachow treue Dienste.
Seit 26 Jahren leistet die Schwalbe bei Ehepaar Margot und Herbert Klotz aus Wachow treue Dienste. Quelle: Jens Wegener
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Wachow

Noch zwei Stufen, dann haben Margot und Herbert Klotz die oberste Stufe der Skala der Hochzeitsnamen erreicht – die Kronjuwelenhochzeit nach 75 Ehejahren. Aber das ist für die Wachower nicht wichtig. „Wir sind glücklich verheiratet seit 67,5 Jahren und noch einigermaßen fit. Alles andere wird man sehen“, sagt Margot und blickt zu ihrem Herbert. „Der hört etwas schwer, ist aber sonst top in Form“, weiß sein Sohn Bernd und liefert die Beweise gleich hinterher: „Herbert war noch nie in seinem langen Leben im Krankenhaus, außer wenn er seine Frau besucht hat. Und er gräbt noch heute den riesigen Garten um.“

Vor wenigen Tagen wurde in Wachow, im Kreise der Familie Klotz gefeiert. Ein Fest, das nicht viele Ehepaare erleben – die steinerne Hochzeit. Die 85-jährige Margot erzählt von ihrer Sandkastenliebe. „Herbert und ich sind im gleichen Haus in Gutenpaaren geboren und groß geworden.“ Beide besuchten die gleiche Dorfschule, auch wenn Herbert zwei Jahre älter und in einer anderen Klasse war.
Bis es zwischen den beiden funkte, dauerte es allerdings etwas. Der Krieg kam dazwischen. Margot arbeitete in Klein Kreutz in einem Kolonialwarenladen, Herbert wurde mit 17 Jahren als Soldat in Frankreich verwundet und war dann in Brandenburg an der Havel im Arbeitsdienst. „Wenn er mich im Laden besuchen kam, sagte meine Chefin immer: ’Draußen wartet dein Klötzchen’“, erinnert sich Margot.

Am 14. Dezember 1946 gaben sich die beiden in Roskow das Ja-Wort. Dabei war der vier Kilometer lange Weg von Gutenpaaren nach Roskow zum Standesamt ein beschwerlicher, denn es herrschten 29 Grad minus. Alle Hochzeitsgäste mussten auf einem offenen Pferdewagen transportiert werden. „Weil es so kalt war, hatten wir für unterwegs eine Flasche Wodka mitgenommen. Aber trinken konnten wir den nicht, weil sich Eis in der Flasche gebildet hatte“, sagt der 87-jährige Herbert Klotz.

Bei der Zeremonie ging trotzdem alles gut, auch bei der anschließenden kirchlichen Trauung in Gutenpaaren. „Nur dass uns der bestellte Fotograf versetzt hat und wir kein Hochzeitsbild haben, ärgert mich noch heute“, sagt Margot. Um diese Panne von einst etwas abzumildern, organisierte die Familie zur goldenen Hochzeit der beiden wieder eine Kutschfahrt, diesmal mit Fotograf.

Hochzeitsname

Bestimmten Jahrestagen wurde schon im 19. Jahrhundert besondere Bedeutung zugemessen, namentlich sind das die Silberhochzeit (25 Jahre), die goldene Hochzeit (50 Jahre) und die diamantene Hochzeit (60 Jahre).
Neben den jährlichen Jahrestagen sind einige Bezeichnungen für gebrochene Feiertage entstanden, die sich vom 25-jährlichen Rhythmus ableiten. So entstanden durch fortlaufende Halbierung zum Beispiel 12,5 Jahre und 37,5 Jahre, die als Halbierung von 75 Jahren verstanden werden können.
Einige Hochzeitsnamen: Hochzeit – grüne Hochzeit, 10. Hochzeitstag – Rosenhochzeit, 25. Hochzeitstag – Silberhochzeit, 30. Hochzeitstag – Perlenhochzeit, 50. Hochzeitstag – goldene Hochzeit, 60. Hochzeitstag – diamantene Hochzeit, 65. Hochzeitstag – eiserne Hochzeit, 67,5. Hochzeitstag – steinerne Hochzeit, 70. Hochzeitstag – Gnadenhochzeit und 75. Hochzeitstag – Kronjuwelenhochzeit.

Bis zur Rente haben Margot und Herbert Klotz ihr ganzes Leben in der Landwirtschaft gearbeitet. Sie hatten viele eigene Tiere, zwei eigene Kinder und später vier Enkel. Alles war wichtiger als große Reisen. Einmal, noch zu DDR-Zweiten, sind sie nach Ungarn geflogen. „Das war eine Prämie von der LPG für Herbert“, erzählt seine Frau.

In Tremmen hatten die Klotzes Mitte der 50er-Jahre gemeinsam mit fünf anderen Familien das größte Bauernhaus des Dorfes bezogen. Dazu bekamen sie ein etwa 1000 Quadratmeter großes Gartenland.

Dort wurde alles angebaut, was man essen konnte – Kartoffeln, Rüben, Erbsen. Bis heute, 1999 ist das Ehepaar nach Wachow umgezogen, ist dieser Garten für Herbert ein fast tägliches Ausflugsziel. Die fünf Kilometer dorthin fährt der rüstige Rentner auf seiner geliebten grünen Schwalbe. „Die hat mich in 26 Jahren noch nie im Stich gelassen“, schwört Herbert. Ersatzteile gebe es noch zu kaufen und das Gemisch aus Benzin und Öl stelle er sich selbst zusammen. Bis vor vier Jahren saß seine Frau immer mal hinten drauf, heute kann sie das nicht mehr. „Im Garten findet mein Vater eine Beschäftigung. Wenn er dort nicht umgraben, pflanzen oder ernten kann, ist er nicht zufrieden. Im Winter hat er deshalb immer Hummeln im Hintern“, sagt sein Sohn Bernd.

Von Jens Wegener

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