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Milower Land 450 Fans beim 12. Hörbar Blues Open Air
Lokales Havelland Milower Land 450 Fans beim 12. Hörbar Blues Open Air
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16:17 19.08.2018
Pete Gavin & Shanghai Blues Gang traten als zweite Band auf. Gavin spielt eine National Steel-Guitar, Baujahr 1935.
Pete Gavin & Shanghai Blues Gang traten als zweite Band auf. Gavin spielt eine National Steel-Guitar, Baujahr 1935. Quelle: Uwe Hoffmann
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Milow

Blues ist eine spezielle Musikrichtung, die nicht überall live zu hören ist. Ihre treuen Fans reisen für ein Konzert auch von weiterher an. Zum zwölften Hörbar Blues Open Air, das der Milower Karsten Fröhlich am Freitagabend zum sechsten Mal an der Badestelle des Ortes veranstaltete, kamen die meisten Bluesfans aus Potsdam-Mittelmark, Brandenburg/Havel, dem benachbarten Sachsen-Anhalt sowie aus dem Westhavelland. Am Ende waren es über 450 Männer und Frauen, die sich am Havelufer versammelt hatten, um ihre Musik zu genießen.

Tolles Wetter, tolle Stimmung, tolle Musik. Am Milower Havelufer haben am Freitag drei hochkarätige Bands die Blues-Fans glücklich gemacht. Bis nach Mitternacht ging bei dem beliebten Festival die Post ab.

Eine große Tradition hat der Blues naturgemäß in den USA. In Österreich dagegen sieht es mau aus. „In unserem Land gibt es kaum eine Blues-Szene”, sagt Bluesharp-Spieler David Karlinger von The Dead Beatz aus Voralberg . Er und Sänger und Bassist Bernie Miller musizieren bereist seit ihrem 15. Lebensjahr zusammen.

Von Rockabilly zum Blues

„In Österreich hat beispielsweise Rockabilly eine tolle und große Fangemeinde. Auch wir haben jahrelang Rockabilly gespielt, wenn auch schon mit blusigen Elementen”, so Karlinger weiter. „Als vor 15 Jahren unser Gitarrist ausstieg, fing ich stärker an, die Bluesharp einzusetzen. So spielen wir seit zehn Jahren Blues, seit fünf Jahren zu zweit – wenn auch nicht so traditionell und auch mit mehr Drive.”

The Dead Beatz traten zum 12. Hörbar Blues Open Air als letzte der drei Bands nach 23 Uhr auf. Bernie Miller und David Karlinger „malträtierten” den Kontrabass und – mit den Fäusten – die Schlagzeug-Becken aufs Beste. Das Duo tritt in verschiedenen Ländern auf, spielte auch schon oft in Berlin, aber in der Havelregion zum ersten Mal. „Die Location hier direkt an der Havel ist toll”, so David Karlinger.

David Karlinger von The Dead Beatz aus Österreich spielte Bluesharp. Quelle: Uwe Hoffmann

Zum Festival-Finale steigerten The Dead Beatz noch einmal merklich die Stimmung. So hatten die über 450 Fans ihren Spaß. Auch wenn es von einigen Zuschauern und Musikern ein paar Kritikpunkte zur Organisation gab. „Nach einem Bier habe ich fast 45 Minuten anstehen müssen”, so ein Westhavelländer. „Das geht ja gar nicht.” Denn die hochsommerlichen Temperaturen der letzten Wochen hielten auch am Wochenende an. So hatte Veranstalter Fröhlich, nach drei verregneten Festivals mit dem Wetter in diesem Jahr mehr Glück.

Eröffnungsact aus Baden-Württemberg

Das Festival eröffnet hatten um 19 Uhr Dynamite Daze aus Baden-Württemberg. „Im Raum Karlsruhe und Heidelberg, wo wir herkommen, ist Blues nicht so sehr angesagt. Zwischen Hamburg und der Schweiz gibt es so einige Ecken, wo man unseren Musikstil hört – zum Beispiel auch in Leipzig”, erzählt der Sänger der Band, der auch die Location lobte. „Wir sind schon gestern angereist und waren heute tagsüber schon drei Mal in der Havel baden.” Die Musik von Dynamite Daze ist recht traditionell und rockig.

Die Fans hatten sich stilgerecht in Schale geschmissen. Quelle: Uwe Hoffmann

Der gebürtige Londoner Pete Gavin zog vor über 30 Jahren nach Berlin. Seit über 20 Jahren spielt der Sänger und Gitarrist mit dem Berliner Bassisten „Pick Stevens” zusammen. Den erkrankten Schlagzeuger Thilo Brandt der „Shanghai Blues Gang” ersetzte zum Hörbar Blues Open Air Drummer Claas.

Meister auf der Steel-Guitar

Pete Gavin spielte eine „National Steel”-Guitar, Baujahr 1935, aus den USA. „Als es noch keine E-Gitarren gab, wurden Gitarren, vor allem in den USA, mit einem Stahl-Korpus gebaut”, erzählt der Blueser. „Mit der größeren Lautstärke konnte sich die Steel-Guitar so besser gegen die anderen Orchesterinstrumente durchsetzen.” Auf dem über 80 Jahre alten Instrument spielten Pete Gavin & The Shanghai Blues Gang viele Songs des Ende März veröffentlichten Albums „Berlin swamp music”. Die Fans gingen begeistert mit. Beim Blues geht an Milow kein Weg vorbei.

Von Uwe Hoffmann