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Milower Land Anrainertreff auf dem Truppenübungsplatz
Lokales Havelland Milower Land Anrainertreff auf dem Truppenübungsplatz
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18:01 20.06.2018
Die Teilnehmer des Anrainertreffens am Dienstagabend mit der militärischen Führung auf dem Biwakplatz Großwudicke.
Die Teilnehmer des Anrainertreffens am Dienstagabend mit der militärischen Führung auf dem Biwakplatz Großwudicke. Quelle: Markus Kniebeler
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Steckelsdorf

Eines muss man der Bundeswehr lassen – organisieren kann sie. Als am Dienstagabend Vertreter der westhavelländischen Anrainerkommunen des Truppenübungsplatzes Klietz zu einer Art Nachbarschaftstreffen gekommen waren, da griff ein Rädchen ins andere. Empfang auf dem Biwakplatz in Großwudicke, zwei Vorträge über den Platz, Bustransfer erst zur Schießbahn 13 und dann zur Übersetzstelle an der Havel in Göttlin. Von dort Fahrt zu einem abschließenden Imbiss auf der legendären Kanzlerhöhe und dann zurück zum Ausgangspunkt der rund vierstündigen Tour.

Informationen über den Platzbetrieb

Ziel der Tour sei es, den rund 30 Teilnehmern – darunter Bürgermeister, Ortsvorsteher, Mitarbeiter der Kreisverwaltung – die Arbeit auf dem Truppenübungsplatz näher zu bringen, hatte Oberstleutnant Michael Vormwald in seiner Begrüßungsrede erklärt. Der Leiter der Truppenübungsplatzkommandantur Ost, der auch der Klietzer Platz unterstellt ist, sagte, dass es wichtig sei, die Nachbarn des Platzes über Sinn und Funktion desselben zu informieren. „Wir sind für Außenstehende eine Blackbox“, fasste Vormwald die Situation in ein plastisches Bild. „Eine Blackbox, aus der bisweilen auch noch Lärm und Staub herauskommt.“

Oberstleutnant Michael Vormwald, Chef der Truppenübungsplatzkommandantur Ost, führte die Besucher über das Gelände. Quelle: Markus Kniebeler

Warum das so ist – warum das so sein muss – erklärten Michael Vormwald und Dirk Hoffmann, Kommandeur des Klietzer Übungsplatzes, in anschaulichen Worten.

Dabei gingen sie auf die Besonderheiten des über 9000 Hektar großen Übungsgeländes ein. Die Lage zwischen den Flüssen Elbe und Havel sei einzigartig, so Vormwald. Sie erlaube es den Soldaten, die Überquerung eines Gewässers in den unterschiedlichsten Varianten zu üben. Außerdem verfüge der Platz mit der Schießbahn 13 über eine der längsten Schießbahnen in Deutschland. Sie biete Panzerbesatzungen die seltene Möglichkeit, den scharfen Schuss zu trainieren.

Heikles Thema angesprochen

Damit war jenes Thema angeschnitten, das in den Anrainerkommunen am umstrittensten ist – die Lärmbelästigung. Die beiden Offiziere erklärten, dass auf einem Übungsgelände mit Schießbahnen und Sprengplatz Lärm nicht zu vermeiden sei. Allerdings gebe es, was die Lärmimmission angeht, rechtliche Vorgaben, an die sich die Truppe zu halten habe.

Unter anderem werde vor jedem Schießen ein Simulationsmodell erstellt, das die Lärmbelästigung unter den zu erwartenden Wetterverhältnissen berechne, so Hoffmann. Wenn die Berechnung ergebe, dass die Grenzwerte überschritten werden – etwa weil der Wind zu stark wehe – dann verschiebe man das Schießen oder sage es ab. Hoffmann gab zu, dass es bisweilen dennoch zu geringfügigen Überschreitungen kommen könne. Aber auch das sei in Ausnahmefällen vom Gesetzgeber erlaubt.

Ist die Lärmbelastung gestiegen?

Corrado Gursch, Ortsvorsteher von Steckelsdorf, wollte wissen, ob die Lärmbelastung in der letzten Zeit zugenommen habe. Diesen Eindruck hätten jedenfalls viele Steckelsdorfer gewonnen. Dirk Hoffmann konnte diese Vermutung nicht bestätigen. Im Gegenteil. Wegen der Aufnahme von Flüchtlingen auf dem Kasernengelände sei der Übungsbetrieb in den Jahren 2015 bis 2017 reduziert worden. Möglicherweise werde die jetzige Rückkehr zum Normalbetrieb wegen der Ruhe in den Vorjahren als Belastung empfunden.

Bei aller Kritik an einzelnen Lärm- und Schmutzbelastungen – generell stellte niemand der Anrainer die Notwendigkeit des Platzes in Frage. „Der Truppenübungsplatz ist da. Und er ist wichtig. Nicht nur als Trainingsgelände für die Bundeswehr. Sondern auch als Arbeitgeber für etliche Menschen, die in den Nachbargemeinden leben“, sagte Felix Menzel, Bürgermeister der Gemeinde Milower Land. Und dass es vor der Wende auf dem Gelände noch viel lauter zuging, stritt auch niemand ab.

Von Markus Kniebeler