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Milower Land Felix Menzel will als Milower Bürgermeister weitermachen
Lokales Havelland Milower Land Felix Menzel will als Milower Bürgermeister weitermachen
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17:57 21.08.2019
Gisela Kahl (l.) und Hildegard Winterfeldt bei einem Treffen mit Felix Menzel auf dem Friedhof in Großwudicke. Quelle: Christin Schmidt
Milow

Am 1. September sind nicht nur Landtagswahlen. Das Milower Land wählt an diesem Tag auch seinen Bürgermeister. Derzeit hat Felix Menzel (SPD) das Amt inne. 2011 trat er als jüngster Bürgermeister Brandenburgs an, nun möchte er wiedergewählt werden. Warum, das verrät er im MAZ-Interview.

Was waren die größten Herausforderungen der letzten acht Jahre?

Felix Menzel:In Erinnerung bleiben mir vor allem drei Dinge: Mein Einstieg in die Verwaltung – ich war der jüngste Kollege und zugleich Chef. Sich in diese Rolle einzufinden, war eine echte Herausforderung. Genau wie das Hochwasser 2013, das hat mich vor allem seelisch gefordert. Wenig Schlaf, unglaublicher Stress, eine absolute Sondersituation. Zur gleichen Zeit brachte meine Frau unseren Sohn zur Welt. Auch der Kampf gegen Windkraft im Wald war anstrengend und langwierig. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal eine Demonstration anmelde. Letztendlich haben wir geklagt und gewonnen. Langweilig war es also nicht.

Inwiefern hat sich Ihr Leben in dieser Zeit verändert?

Als ich gewählt wurde, war ich 26, zur Amtseinführung 27 Jahre. Ich bin als Junggeselle mit Freundin gestartet und bin nun verheiratet und Vater von zwei Kindern. Wir sind in unser eigenes Haus eingezogen. Man wächst mit seinen Aufgaben.

Zwei kleine Kinder und dazu dieses Amt. Ist nicht allein Bürgermeister zu sein ein 24-Stunden-Job?

Das ist so. Entweder man macht diesen Job ganz oder gar nicht. Dafür braucht es viel Verständnis von der Familie und Organisationstalent.

Ist es für Sie dennoch ein Traumjob?

Für mich ist es genau das Richtige.

Es gibt doch sicher auch Momente, in denen man nicht damit glücklich ist?

Auch das gibt es, aber selten. Als Gemeinde sind wir das kleinste Glied in der Verwaltungsfamilie und können nicht alles allein lösen. Der Bau eines Radweges an Landesstraßen, das Aufstellen eines Verkehsschildes, die Internet- oder Funkversorgung liegen zum Beispiel nicht in unserem Zuständigkeitsbereich.

Dann heißt es schnell: Die Gemeinde kümmert sich nicht. Das tun wir aber. Allerdings können wir den Radweg nicht bauen und auch keine Funktürme. Wir können oft nur bitten und fordern.

Sie wünschen sich also mehr Verständnis der für Kommunalpolitik?

Das meine ich damit nicht. Viele Menschen sprechen mich direkt zu konkreten Problemen an oder schreiben mir. Das finde ich gut. Für die Kommunalpolitik interessieren sie sich aber oft nur, wenn sie betroffen sind. Das kann ich in dieser schnelllebigen Zeit verstehen.

Wir als Verwaltung müssen zeigen, dass wir uns kümmern und dass es voran geht. Die Menschen müssen wissen, wo es hingeht. Ich kann ihnen sagen, was kommt – natürlich nur nach bestem Wissen und Gewissen.

Manchmal mussten Sie die Bürger auch enttäuschen.

Das stimmt. Der Funkturm in Zollchow steht seit Jahren, die Ortsdurchfahrten sind saniert, und mit Glasfaser sind wir durch den Landkreis seit Ende 2018 flächendeckend versorgt – Spaß beiseite – auf all das, warten wir leider noch.

Ich kann als Bürgermeister nur die Infos weitergeben. Wir leisten unsere Zuarbeit und freuen uns über solche Ankündigungen. Umso größer ist natürlich die Enttäuschung, wenn sich etwas verzögert, auch wenn die Gründe nachvollziehbar sind.

Erst Ortsvorsteher dann Bürgermeister

Felix Menzel wurde 1984 geboren und wuchs in Groß- und später in Kleinwudicke auf.

2001 begann er eine Ausbildung zum Verwaltungsbeamten beim Landkreis Havelland.

Von 2005 bis 2011 arbeitete er in einer Sozialverwaltung in Rathenow.

2008 trat Menzel als einer der jüngsten Kandidaten im Westhavelland bei den Kommunalwahlen an.

Er holte sich einen Sitz in der Gemeindevertretung Milower Land und wurde Ortsvorsteher in Großwudicke.

Seit dem 17. Dezember 2011 steht er als hauptamtlicher Bürgermeister im Dienst der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Milower Land.

Was hat sich trotz der Rückschläge in ihrer Amtszeit entwickelt?

In fast allen Bereichen können wir Fortschritte vorweisen. Im Bau sind diese am ehesten zu greifen. Zudem haben wir die Verwaltung neu strukturiert. Unglaublich viel investierten wir in die Feuerwehren, Schulen und Kitas, auch in Ausstattung und Technik. Zudem hat sich echter Teamgeist in Verwaltung und Gemeindevertretung entwickelt.

Und was haben Sie in den letzten acht Jahren dazu gelernt?

In jedem Fall, dass man hartnäckig sein muss. Als Verwaltungschef muss man ständig dran bleiben, immer wieder nachhaken und darf nie stehen bleiben. Wenn es um wichtige Dinge geht, ist der Bürgermeister auch oft Verwaltungsmitarbeiter und schreibt Fördermittelanträge selbst. Da habe ich meine Qualitäten und unterstütze meine Kollegen und unsere Vereine gern.

Was ist das Geheimnis guter Lokalpolitik?

Auch wenn die Probleme der Menschen noch so klein erscheinen, man muss sie ernst nehmen und stets ein Ohr dafür haben. Man muss einen vernünftigen Umgang miteinander wahren, egal ob mit den Kollegen in der Verwaltung, den Bürgern oder den Abgeordneten.

Man muss Mensch bleiben, offen miteinander sprechen und man darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Wir – damit meine ich mich ebenso wie die Gemeindevertreter und die Ortsbeiräte – sind angetreten, um das Bestmögliche für die Gemeinde und die Menschen herauszuholen.

Da macht es wenig Sinn, gute Vorschläge und Anträge abzulehnen, weil sie nicht aus der eigenen Partei kommen. Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, einem solchen Denken nicht zu folgen. Ich möchte ja auch nicht, dass mich die Menschen nur wählen, weil ich Sozialdemokrat bin, sondern weil ich, ich bin und sie sich mit meinen Zielen identifizieren können.

Wie sind Sie in die Kommunalpolitik gekommen?

Mich ärgerte die Schließung des Jugendclubs Anfang der 2000er in Großwudicke. Deshalb bin ich in den Ortsbeirat und die Gemeindevertretung gegangen. Ich wollte nicht nur meckern, sondern mich einbringen. Seither hat sich viel verändert.

Wir wurden Modellgemeinde für Jugendarbeit, haben das Konzept fortgeschrieben und inzwischen sind die Jugendlcubs eher Jugend- und Freizeitzentren und in die Schulen integriert.

Heute sind diese zwar gut ausgestattet, aber weil Förderungen nicht verlängert wurden, derzeit nur zeitweise geöffnet. Damals wie heute werden wir Lösungen finden.

Wäre für Sie ein Wechsel in die Landes- oder Bundespolitik reizvoll?

Man muss Freude an dem haben, was man macht. Ich mag meine Gemeinde, die Menschen und die Herausforderung.

Sie haben also auch langfristig keine Ambitionen in die große Politik einzusteigen?

Das weiß ich nicht. Ich kann heute keine Tür zu schlagen, die vielleicht in acht Jahren offen steht. Ich möchte auf jeden Fall mindestens eine zweite Amtszeit Bürgermeister sein. Ich habe einen Riesenspaß bei der Arbeit. Es sind oftmals Aufgaben, die man praktisch lösen kann und ich bin ein Typ, der Probleme anpacken möchte.

Welche wollen Sie künftig anpacken?

Viele. Dazu gehören Dinge, die wir noch nicht umsetzen konnten, wie der Radweg zwischen Milow und Neudessau, weil die Reparatur teurer wäre, als der Neubau. Ich will mit den Feuerwehren vorankommen, also weitere Investitionen in Gerätehäuser, Anbauten und Fahrzeuge sowie in soziale Infrastruktur.

An erster Stelle steht hier die Krippe in Milow im kommenden Jahr. Dabei geht es auch um barrierefreie Straßen und Wege. Zudem müssen wir Bauland ausweisen, wir brauchen aber auch mehr Altenheime. Dazu kommen Sachen, die mich übergeordnet interessieren, wie die Windkraftplanung.

Hier müssen die kleinen Kommunen miteinbezogen werden und sie müssen etwas zu sagen haben – deshalb strebe ich an, Regionalrat zu werden. Zudem wünsche ich mir, dass die Gemeinde lückenlos mit Breitband und Funk erschlossen ist – es gibt Bürger, die verfügen nur über eine 1000er Leitung und das im Jahr 2019! Wir haben also viel vor und für größere Träumereien bleibt trotz guter Haushaltslage kein Spielraum.

Wie steht es mit der angekündigten Schuldenfreiheit?

Die wollen wir erreichen, das ist aber gar nicht so phänomenal. Ja, wir haben unsere Finanzen geordnet, Ausgaben minimiert, umgeschuldet und sondergetilgt – so wie man es privat auch macht. Die eigentliche Sensation ist aber, dass wir 2011 eine Viertel Million Euro verbaut haben und in diesem Jahr 1.250.000 Euro verbauen. Dieses Investitionsvolumen ist das Besondere. Es passiert etwas und ich hoffe, dass man das sieht.

Von Christin Schmidt

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