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Milower Land Aus Kanada zurück nach Hause: Milower Gasthof hat einen neuen Chef
Lokales Havelland Milower Land Aus Kanada zurück nach Hause: Milower Gasthof hat einen neuen Chef
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15:42 19.01.2020
Der 38-jährige Mathias Winterfeld übernimmt am Dienstag den Gasthof Milow. Quelle: Christin Schmidt
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Milow

Kochen ist Mathias Winterfelds große Leidenschaft. Nach einigen Jahren als Vertreter im Gastronomievertrieb kann er diese jetzt wieder nach Herzenslust ausleben. Am Dienstag übernimmt der 38-Jährige offiziell den Gasthof Milow.

Die Küche des Hauses ist ihm bereits vertraut, mehrfach hat er dort als Koch ausgeholfen. Klaus-Dieter Aretz, der den Gasthof zehn Jahre führte, kennt seinen Nachfolger gut, sonst hätte er das Geschäft, an dem viel Herzblut hängt, wohl kaum an Winterfeld übergeben.

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Der wiederum weiß, dass die Erwartungen hoch sind. Denn es gilt, dem guten Ruf des Lokals über die Grenzen des Havellandes hinaus gerecht zu werden. „Unser Terminkalender für 2020 ist schon jetzt ziemlich voll – Hochzeiten, Familien- und Firmenfeiern“, verrät Winterfeld.

Vom Tellerwäscher zum Chefkoch

Er ist hochmotiviert die Erwartungen zu erfüllen. Die nötigen Voraussetzungen dafür bringt der gebürtige Großwudicker mit. Schon mit 14 Jahren stieg er in die Gastronomie ein und verdiente sich in seinem Heimatdorf in der Gaststätte Waldfrieden als Tellerwäsche ein paar Mark dazu.

„Meine Chefin führte mich damals an den Beruf heran. Das Arbeiten mit echten Lebensmitteln – frisches Fleisch und Gemüse – hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Nach einem Praktikum in einem Restaurant wusste ich, das ist genau das, was ich machen möchte“, erinnert sich Winterfeld.

Für die Lehre verließ er die Heimat und lernte das Kochen von der Pike auf an der Nordsee. Anschließend zog es ihn in die Ferne. Viereinhalb Jahre lebte der Havelländer in der kanadischen Kleinstadt Happy Valley-Goosebay in der Provinz Neufundland und Labrador, wo er als Chefkoch arbeitete.

Ein Tattoo für die Liebe zum Kochen

Nach seiner Rückkehr übernahm er 2008 die Seeterrassen in Semlin bis er 2013 in den Vertrieb wechselte. „Die Sehnsucht nach dem Kochen war aber immer da und ich bin froh, dass ich meinen Beruf jetzt wieder in vollem Umfang ausüben kann. Das ist eine wunderbare Herausforderung“, erklärt der 38-jährige mit einem Lächeln.

Die Leidenschaft fürs Kochen hat er sich sogar auf seinen Arm tätowieren lassen „Born to be Chef“ – „Geboren, um Koch zu sein“, ist darauf zu lesen.

Winterfeld freut sich darauf, die Gäste zu verwöhnen. Zugleich betont er, dass sich mit dem Inhaberwechsel nicht allzu viel ändern soll. „Ich freue mich, dass das komplette Team bleibt und künftig mit mir gemeinsam die Gäste umsorgen möchte“, sagt Winterfeld.

Die Vorgänger helfen weiterhin mit

Er wird das Lokal auch weiterhin mieten. Erhalten bleibt zudem das Hotel Bading in Bützer, in dem ebenfalls Gäste übernachten können. Lediglich die Karte wird ein wenig angepasst, schließlich soll sie auch seine Handschrift tragen.

Neu ist zum Beispiel das Maiskokossüppchen mit Limettenabrieb und Gojibeeren aus dem Havelland. Altbewährtes und Klassiker wie die Gutshofplatte oder das Bauernfrühstück bleiben erhalten.

„Ich möchte das Konzept nicht verändern, denn was Klaus-Dieter Aretz und seine Frau hier gemacht haben, war hervorragend“, betont Winterfeld. Ein Jahr bleiben die beiden dem Team noch erhalten. Aretz arbeitet halbtags in der Küche mit. Seine Frau Katrin Puls-Aretz übernimmt die Restaurantleitung.

Mathias Winterfeld (M.) übernimmt den Gasthof Milow. Bürgermeister Felix Menzel (SPD, l.) und Ortsvorsteher Winfried Ganzer sind froh, dass das Unternehmen fortgeführt wird. Quelle: Christin Schmidt

Wichtig ist dem neuen Chef die Zusammenarbeit mit Händlern vor Ort. Paniermel beispielsweise will er nicht im Großhandel kaufen, sondern beim Milower Bäcker. Ein Fischer aus der Region liefert Fisch aus der Havel und auch die Zutaten für das Lieblingsgericht des Chefkochs – Wildschweinrücken mit Steckrübenstiften – werden nicht von weit hergeholt.

„Es ist ein Glücksfall, dass uns dieses Lokal, das sich längst als sehr gute Adresse in der Gastronomie etabliert hat, erhalten bleibt“, freut sich Felix Menzel (SPD), Bürgermeister im Milower Land. Auch Milows Ortsvorsteher Winfried Ganzer verspricht eine gute Zusammenarbeit mit dem Ortsbeirat.

Dessen Mitglieder dürften sich auch darüber freuen, dass Winterfeld für Nachwuchs sorgen will: „Junge Menschen, die sich für eine Ausbildung in der Gastronomie interessieren, können sich gern ab sofort bei uns bewerben. Wir bilden Gastronomiegehilfen, Restaurantfachkräfte und Köche aus“. Damit dürfte die Zukunft des Lokals auch langfristig gesichert sein.

Von Christin Schmidt