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Milower Land Dieser Hobbygärtner erntet sogar Feigen
Lokales Havelland Milower Land Dieser Hobbygärtner erntet sogar Feigen
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15:30 25.08.2018
Gerhard Richert hat vor Jahren einen kleinen Feigenstrauch gerettet, daraus sind inzwischen fast 20 kleine Bäume geworden.
Gerhard Richert hat vor Jahren einen kleinen Feigenstrauch gerettet, daraus sind inzwischen fast 20 kleine Bäume geworden. Quelle: Christin Schmidt
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Zollchow

Nicht im Traum hätte Gerhard Richert daran gedacht, dass aus dem kleinen, mickrigen Feigenstrauch, den er vor mehr als acht Jahren in Pflege nahm, einmal ein kleines Feigenwäldchen wird.

„Ich hatte die Pflanze auf dem Hof des Künstlers Gerhard Göschel hier bei uns auf dem Galm entdeckt. Er hatte sie eigentlich schon für den Kompost aussortiert, weil sie bei ihm nicht gedeihen wollte“, erinnert sich Gerhard Richert, der im Nachbardorf Zollchow wohnt. Er gab der Pflanze noch eine Chance, nahm sie mit nach Hause und steckte sie erst einmal in einen Topf.

Den kleinen Feigenstrauch stellt er im Sommer draußen hin, im Winter nahm er die Pflanze mit ins Haus. Ob es an der Luftveränderung lag oder schlichtweg daran, dass der Zollchower einen grünen Daumen hat, lässt sich schwer sagen.

In jedem Fall wuchs die Feige und wurde so groß, dass Gerhard Richert 2014 beschloss, der Strauch kommt in den Garten und wird dort auch überwintern. „Das ständige Hin und Her war mir zu anstrengend und da mir jemand gesagt hatte, dass diese Pflanzen Frost abkönnen, habe ich es einfach versucht“, erzählt der Hobbygärtner.

In diesem Jahre sind besonders viele Früchte an den Feigenbäumen, die auf dem Hof von Gerhard Richert in Zollchow wachsen. Quelle: Christin Schmidt

Und er hatte Glück. Die Pflanze bekam immer mehr Wurzeln und kräftige Stämme. Allerdings ließ der Ertrag noch zu wünschen übrig. Also beschloss Gerhard Richert aus dem Bauch heraus, die Stämme zu trennen und einzeln in die Erde zu bringen.

Er machte offenbar wieder alles richtig, denn aus dem kleinen Feigenstrauch sind mittlerweile fast 20 kräftige Feigenbäumchen gewachsen. Einige hat er verschenkt, zehn stehen in seinem Garten und gedeihen prächtig.

„In diesem Jahr hängen so viele Früchte dran wie noch nie“, staunt Richert über sein Gärtnerglück. Bereits im Juni konnte er die ersten Feigen ernten und noch immer hängen die Äste voll. „Ich weiß auch nicht, ob das schon die Folgen des Klimawandels sind“, wundert sich Gerhard Richert halb im Scherz.

Er weiß, dass das ein ernstes Thema ist. Dennoch freut er sich erst einmal über den üppigen Ertrag, den ihm der heiße und trockene Sommer in diesem Jahr beschert. „Im letzten Jahr sah das ganz anders aus. Da wurden die Früchte vor lauter Regen gar nicht reif“, erinnert sich der 66-Jährige.

Die Melonen, die Gerhard Richert geerntet hat, sind zwar nicht so groß wie die Exemplare aus dem Supermarkt. Geschmacklich können sie mit der Konkurrenz aus dem Obstregal aber durchaus mithalten. Quelle: Christin Schmidt

Nicht nur die Feigen wachsen im Sommer 2018 in Zollchow prächtig. Auch Tomaten, Gurken, Salat und sogar Wassermelonen hat Gerhard Richert geerntet.

„Ich hatte mir schon öfter Melonenpflanzen gekauft, hatte aber bisher immer Pech. In diesem Jahr hat es geklappt“, freut sich der umtriebige Hobbygärtner. Seiner Tochter hat er die größten Exemplare gegeben.

Aber sind denn Melonen und Feigen, die im havelländischen Boden wachsen überhaupt süß? „Und ob! Sie sind vielleicht nicht so groß, wie die Früchte im Supermarkt, aber sie schmecken vorzüglich“, betont Richert.

Zum Beweis zückt er ein Messer, köpft eine Melone und reicht einen Löffel. Er hat nicht zu viel versprochen, geschmacklich kann die Frucht mit der Konkurrenz im Obstregal durchaus mithalten.

In Sachen Feigen ist Gerhard Richert inzwischen ein richtiger Experte. Er weiß zum Beispiel, dass die Pflanzen keine Bienen zum Bestäuben brauchen. Sogenannte Kulturfeigen sind nämlich selbstfruchtbar. Bis zu 15 Grad Minus vertragen sie sobald sie kräftig genug sind.

Die Exemplare, die auf Richters Hof wachsen, sind Nordland Bergfeigen. So steht es auf einem Zettel, den Richert damals von Gerhard Göschel bekam und den er bis heute aufgehoben hat. Der Künstler würde staunen, würde er sehen, was aus seiner kleinen Feige geworden ist.

Von Christin Schmidt