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Milower Land Ein Dorf arbeitet seine Geschichte auf
Lokales Havelland Milower Land Ein Dorf arbeitet seine Geschichte auf
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11:44 20.10.2018
Ulrich Bülhoff hat sich mit der Geschichte einer Großgrundbesitzerfamilie befasst und diese für die Ausstellung aufbereitet. Quelle: Christin Schmidt
Bahnitz

Kreative Geister lieben die ländliche Idylle des Havellands. Einige Orte der Region scheinen sogar eine besondere Anziehungskraft auf großstadtsatte Künstler zu haben. Daran haben sich die Alteingesessenen längst gewöhnt.

Wenngleich man sich manchmal gegenseitig liebevoll belächelt, im Großen und Ganzen ist es ein harmonisches Miteinander und die Kreativen sind inzwischen ein wichtiger Teil der Region. Das wird dieser Tage einmal mehr in Bahnitz deutlich.

Die Mitglieder des örtlichen Kunstvereins haben ein Projekt ins Leben gerufen, das das Dorf und seine Künstler zusammenbringt. Unter dem Motto „Landschaft im Wandel“ haben sich Künstler und gut 50 weitere Bahnitzer auf Spurensuche begeben.

Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie hat sich das Dorf und die Umgebung über die Jahrhunderte verändert und welche Spuren haben diese Veränderungen hinterlassen.

Ausstellung wird am 21. Oktober eröffnet

Die Künstlerin Sabrina Jung hat Bahnitzer an Orten fotografiert, die für sie bedeutsam sind. Quelle: Sabrina Jung

Antworten darauf fanden die Beteiligten in alten und aktuellen Karten, Fotos und Filmaufnahmen, Dokumenten und Geschichten, die die Dorfbewohner zusammengetragen und die Künstler aufbereitet haben.

Entstanden ist daraus die gleichnamige Ausstellung „Landschaft im Wandel“, die am Sonntag, dem 21. Oktober, um 14 Uhr in der Bahnitzer Kunsthalle eröffnet wird.

Eines gleich vorab: Das Ergebnis, das die unverwechselbare Handschrift des Kurators und Vereinsvorsitzenden Bodo Rau trägt, ist nicht nur für Bahnitzer oder Menschen aus dem Milower Land sehenswert.

Was die Künstler mit Hilfe der anderen Dorfbewohner zusammengetragen haben, ist zugleich informativ und berührend. Es zeigt die Entwicklung eines Ortes, der exemplarisch für andere Dörfer im Havelland steht. Vergangenes hat hier ebenso Raum wie Gegenwärtiges, Allgemeines ebenso wie Persönliches.

Drohnen-Fotos aus der Vogelperspektive

Da sind zum Beispiel die Arbeiten von Sabrina Jung, die persönliche Gespräche mit verschiedenen Dorfbewohnern zu biografischen Porträts verarbeitet hat. Die Menschen nahmen die Künstlerin mit an ihre Lieblingsorte und erzählten ihr die jeweiligen Geschichten dazu, die nun die Ausstellung bereichern werden.

Matthias Koch schickte seine Drohne über das Dorf und fotografierte die Landschaft aus der Vogelperspektive. Eine Bahnitzerin steuerte ein Album bei, dem sie den Titel „Das Havelland mit den Augen der Liebe gesehen“ gab.

Es ist eine wahre Fundgrube für das Projekt. Unter anderem hat sie die Dorferneuerung seit Anfang der 1990er-Jahre dokumentiert mit Vorher-Nachher-Bildern einzelner Häuser.

Auch den Umbau des Nadelwehrs und der Hafenanlage hat sie mit Fotos und Texten festgehalten. Die Arbeit der fleißigen Chronistin ist ebenfalls in der Kunsthalle zu sehen. Genau wie ein Film aus dem Jahr 1960, der einen Einblick in das Leben einer glücklichen Familien gewährt und die Arbeit auf dem Feld zeigt.

Bilder sollen für Dorfchronik archiviert werden

Zur Ausstellung wird es verschiedene Vorträge geben. Unter anderem spricht Christian Zander am Sonntag um 16 Uhr unter dem Titel „Chronik einer Bauernfamilie aus Nitzahn 1646 –1953“ über die bewegende Geschichte seiner Familie, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs alles verlor und die Heimat verlassen musste.

Der Künstler Ulrich Bülhoff hat sich mit diesem Schicksal intensiv auseinandergesetzt und das Ganze für die Ausstellung aufbereitet.

Diese ist bis zum 4. November zu sehen, der Prozess, der durch das Projekt in Gang gesetzt wurde, ist damit aber nicht beendet. Der Kunstverein hat sich unter anderem vorgenommen, die gesammelten Bilder für die Dorfchronik zu archivieren.

Neue Qualität des Miteinanders

„Dieses Projekt war für alle sehr bereichernd. Wenn ich jetzt durch das Dorf laufe, sehe ich viel mehr. Auch Dinge, die nicht mehr da sind – egal ob es Menschen sind oder Gebäude“, sagt die Projektkoordinatorin Claudia König.

Sie ist auch begeistert von der neuen Qualität des Miteinanders, die in den letzten Wochen entstanden ist. Die Menschen haben sich nicht nur mit der Geschichte ihres Dorfes beschäftigt, sie haben sich auch untereinander näher kennengelernt.

Von Christin Schmidt

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