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Milower Land Dorfgeschichte verschwindet, Neues entsteht
Lokales Havelland Milower Land Dorfgeschichte verschwindet, Neues entsteht
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12:43 20.03.2019
Seit der Wende war das ehemalige HO-Gebäude in Milow ein Schandfleck. Nun wird das Haus abgerissen. Quelle: Fotos: Christin Schmidt
Milow

Ein Schandfleck in Milow wird dem Erdboden gleicht gemacht. Seit einigen Tagen sind Mitarbeiter eines Vieritzer Bauunternehmens dabei, das Gebäude an der Friedensstraße / Ecke Bahnhofstraße Stück für Stück abzureißen.

Mit Arbeiten auf dem Hof und im Inneren des Hauses hatten sie vergangene Woche begonnen. Am Dienstag vielen die Dachziegel, in zwei Wochen soll von dem Haus nichts mehr zu sehen sein. Damit geht ein Stück Milower Geschichte zu Ende.

Seit der Wende verfiel das Eckhaus im historischen Ortskern zusehends. Der bisherige Eigentümer Gunthard Born versuchte das rund 7600 Quadratmeter große Anwesen zu verkaufen, fand aber lange Zeit keinen Käufer.

Untere Bauaufsichtsbehörde schritt mehrfach ein

Zuletzt hing das Dach des Hauses durch, vom Putz klebten nur noch Reste am Gemäuer, zahlreiche Fensterscheiben fehlten und der Schornstein stand schon bedenklich schief.

In den letzten Jahren musste sich die Untere Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Havelland mehrfach mit dem Objekt beschäftigen. 2012, 2014 und 2016 veranlasste die Behörde Sicherungsmaßnahmen im Rahmen der Gefahrenabwehr.

Auch für die Milower selbst, ist das Haus ein Ärgernis. „Ich werde sehr oft angesprochen, sogar von auswärtigen Besuchern, die wissen wollen, wann endlich dieser Schandfleck beseitigt oder in Stand gesetzt wird“, erzählt Milows Ortsvorsteher Winfried Ganzer.

Dieses Bild entstand um 1910, es zeigt das Haus an der Friedensstraße. Damals befand sich darin der Gasthof „Zum Deutschen Haus“. Quelle: Sammlung Winfried Ganzer

Mit dem Haus beschäftigte sich auch Felix Menzel (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Milower Land, in den letzten Jahren mehrfach.

„Für die Gemeinde ist es natürlich ärgerlich, wenn Häuser verwahrlosen. Schlimm wird es, wenn eine Gefahr für die Öffentlichkeit besteht, so wie in diesem Fall. Teile des Daches waren auf den Gehweg gefallen, später musste der Schornstein gesichert werden“, so Menzel.

Das Ärgernis ist zugleich ein Teil Dorfgeschichte. Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich in dem Gebäude die Gaststätte „Deutsches Haus“.

Nach dem Ersten Weltkrieg eröffnete Adolf Mewes darin ein Lebensmittelgeschäft. Später ging der Besitz an Hermann Born über, der das Geschäft bis zu seinem Tod im Zweiten Weltkrieg betrieb.

Die Erben waren sich nicht einig

Als die Familie Born in die BRD flüchtete, ging die Immobilie an die Gemeinde Milow. Bis zur Wende wurden hier über die Handelsorganisation (HO) Lebensmittel verkauft und neben an war eine Gemüseannahmestelle. Es war das Hauptlebensmittelgeschäft, neben anderen kleineren Läden im Ort.

Die Gemeinde nahm das Objekt nach der Wende in einem Entwicklungskonzept für den historischen Dorfkern auf. Es gab die Idee, aus dem alten HO einen Supermarkt zu machen.

Die Pläne scheiterten, weil sich die Erben nicht einigten. Zuletzt gehörte Gunthard Born die Immobilie. Er wurde in dem Haus geboren, lebt aber seit mehr als 50 Jahren in Offenburg.

Bauantrag liegt noch nicht vor

In den letzten Jahren hatten sich immer wieder Kaufinteressenten an Felix Menzel gewandt. Er vermittelte den Kontakt zum Eigentümer, dennoch dauerte es Jahre, bis ein Vertrag zu Stande kam.

„Ich freue mich, dass es nun einen Schandfleck weniger in unserer Gemeinde gibt. Wenngleich damit ein Stück Geschichte verloren geht, es entsteht auch etwas Neues“, so der Bürgermeister.

Wer der neue Eigentümer ist, darf der Bürgermeister nicht verraten um Rechte Dritte zu wahren. Er ist aber guter Hoffnung, dass es ein Gewinn für das Dorf wird. Sobald es Pläne gibt und ein Bauantrag vorliegt, werde auch die Öffentlichkeit informiert.

In diesem Haus an der Friedensstraße/Ecke Bahnhofstraße in Milow befand sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Gaststätte „Deutsches Haus“. Quelle: Christin Schmidt

Von Christin Schmidt

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