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Milower Land So gelingt Dorfgemeinschaft
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06:52 23.05.2019
Hans-Joachim Ziemdorf zeigt Wolfgang Gräfe die Urkunde seines Urgroßvaters Herrmann Berg für 30 Jahre Gemeindearbeit. Quelle: Christin Schmidt
Zollchow

 Was bewegt einen Menschen dazu, sich in der Freizeit ehrenamtlich mit Beschlussvorlagen, Bebauungsplänen, Gutachten und dergleichen herumzuschlagen? Sich immer wieder die Sorgen der Bürger anzuhören und unzählige Abende in Sitzungen zu verbringen, statt mit der Familie den Feierabend zu genießen?

Einer der es wissen muss, ist Wolfgang Gräfe. Seit fast 30 Jahren mischt er in der Kommunalpolitik mit. Die Zollchower wählten den gebürtigen Mecklenburger 1990 in die Gemeindevertretung, seit 1993 ist er Vorsitzender des Amtsausschusses Milow, seit 2002 Gemeinde Milower Land.

Zudem ist Gräfe seit 1994 ehrenamtlicher Ortsvorsteher in Zollchow und das alles neben seinem Dienst als Lehrer in der Schule in Großwudicke.

Wolfgang Gräfe wollte etwas bewegen

Nach der Wende schlug ihm der damalige Pfarrer vor, sich zur Wahl aufzustellen. Das tat Gräfe, weil er etwas bewegen wollte. Und gemeinsam mit seinen Mitstreitern ist ihm da auch gelungen.

Zollchow wurde als erste Gemeinde ans Trinkwassernetz angeschlossen, die Haushalte bekamen Telefonanschlüsse, die Bürger freuten sich über neue Gehwege und die Straßenbeleuchtung“, so Gräfe.

Mit einem Lächeln denkt er daran zurück, wie die Zollchower gemeinsam ihren „Zolaplatz“ samt Haus errichteten.

Engagement ohne Parteibuch

Weil die Kirche ihn zur Politik brachte und die Christdemokraten damals die stärkste Partei waren, arbeitet er seither in der CDU-Fraktion mit. In die Partei trat er aber nie ein und hat das auch nicht vor.

„Natürlich könnte ich auch in der SPD-Fraktion sitzen, aber das ist nicht entscheidend. Es geht darum mitzuarbeiten und etwas zu erreichen“, betont Gräfe.

Bei all dem Optimismus gab es auch Zeiten, in denen er zumindest den Vorsitz der Gemeindevertretung abgeben wollte. Sehr gut kann er sich daran erinnern, dass Sitzungen bis Mitternacht dauerten und es dennoch nicht voranging.

Der Bürgermeister überzeugt ihn

Das sei zum Glück vorbei. Deshalb kandidiert der 66-Jährige wieder für den Ortsbeirat und die Gemeindevertretung. Den Vorsitz des Gremiums wollte er eigentlich abgeben. „Es ist Zeit, dass Jüngere das machen“, dachte sich Gräfe.

Felix Menzel, Bürgermeister der Gemeinde Milower Land, überzeugte ihn, die Wahl anzunehmen, sollte sie auf ihn fallen. Gräfes Erfahrung und seine besonnene Art werden gebraucht, so der SPD-Mann.

Und noch einen Grund gibt es, der Gräfe dazu bewegt, weiterzumachen. Der Zollchower Hans-Joachim Ziemdorf brachte zur letzten Ortsbeiratssitzung eine Urkunde seines Urgroßvaters Hermann Berg mit.

Historisches Dokument weckt den Ehrgeiz

Das historische Dokument von 1931 würdigt Berg für 30 Jahre Engagement als Gemeindevorsteher. „Das musst du auch schaffen“, hatte Ziemdorf seinen Ortsvorsteher ermutigt und damit Gräfes Ehrgeiz geweckt.

Ziemdorf ist sich sicher, dass der gute Zusammenhalt in seinem Heimatdorf zum größten Teil Wolfgang Gräfe zu verdanken ist. „Er versteht es, auf die Menschen zu zugehen“, sagt der 76-Jährige.

Das gilt ebenso für Neuankömmlinge. Gräfe stellt sich jedem vor, führt die Menschen herum und lädt sie ein. So hat er es auch bei dem Paar aus Wien gemacht, das kürzlich nach Zollchow zog und beim Arbeitseinsatz Anfang Mai mithalf.

Man muss die Menschen begeistern

Dorfgemeinschaft kommt nicht von allein. Im Gegenteil, man muss etwas dafür tun“, weiß Gräfe. Was genau er tut und wie es ihm immer wieder aufs Neue gelingt, 60 bis 70 Zollchower zu motivieren im Dorf mit anzupacken und an Sitzungen des Ortsbeirats teilzunehmen, das wollte schon so mancher Lokalpolitiker wissen.

Gräfe meint, dass es ihm als Pauker liegt, Menschen zu motivieren. Das tut er auch nach 29 Jahren noch mit Herzblut. „Die Menschen begeistern, sie mitnehmen, auch wenn das manchmal anstrengend ist“, das ist Gräfes Devise, die er weiterhin umsetzen will.

Sollten Zweifel aufkommen, genügt ein Blick auf die Urkunde, die bald im Gemeindezentrum hängt und die seinen Ehrgeiz weckt.

Von Christin Schmidt

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