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Havelland Minister zwischen Kaffeekapseln
Lokales Havelland Minister zwischen Kaffeekapseln
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16:58 28.02.2018
Kapsel an Kapsel rollen übers Förderband. Finanzminister Christian Görke beim Rundgang durch die neue Produktionshalle der Milcafea GmbH. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Als Brandenburgs Finanzminister Christian Görke vor etwas mehr als zwei Jahren das Rathenower Unternehmen Milcafea besuchte, da berichtete ihm Betriebsleiterin Martina Scheider von den Plänen, in die Produktion von Kaffeekapseln einzusteigen. Was damals noch Zukunftsmusik war, ist mittlerweile Realität. Davon überzeugte Christian Görke sich am Montagnachmittag. Von Martina Scheider und Holger Bebensee, Sprecher der Geschäftsführung der Cafea GmbH Hamburg, zu der das Rathenower Unternehmen gehört, ließ er sich durch die funkelnagelneue Produktionshalle führen.

Und tatsächlich waren auf den Bändern der vollautomatisierten Anlage Unmengen der schwarzen Kapseln zu beobachten, die – in 16er Kartons verpackt – zum Cafea-Zentrallager nach Hamburg geschickt werden, um von dort den Weltmarkt zu erobern.

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Ganz so weit ist es allerdings noch nicht. Zwar produziert die Anlage bereits, aber nach Auskunft von Martina Scheider sind Techniker derzeit noch damit beschäftigt, den Produktionsprozess zu optimieren. Im kommenden Jahr sollen fünf Millionen Faltschachteln mit je 16 Kapseln das Rathenower Werk verlassen. Doch damit ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. In den kommenden Jahren strebe man eine Verdopplung der Produktion an, so Holger Bebensee. Zu den zehn neuen Arbeitsplätzen, die an der neuen Anlage entstanden sind, würden sich weitere zehn gesellen.

5,5 Millionen Euro wurden bislang in die Anlage investiert, weitere vier Millionen sollen in die Kapazitätserweiterung fließen. 1,4 Millionen der Gesamtsumme werden aus Landes- und Bundestöpfen gefördert. „Uns geht es darum, bestehende, gut funktionierende Betriebe zu stärken und zu stabilisieren“, sagte Görke nach dem Betriebsrundgang. Denn gerade solche mittelständischen Betriebe seien es, die das wirtschaftliche Rückgrat des Landes bildeten.

Interessiert ließ der Minister sich durch die neue Halle führen. Dabei erfuhr er, dass es bei der Kapselproduktion darum geht, ein Maximum an Frische und Aroma zu bewahren. Zu diesem Zweck werden die Kaffeebohnen, die in 250-Kilo-Säcken angeliefert werden, erst an Ort und Stelle gemahlen und dann sofort verpackt – unter Schutzgasatmosphäre. So soll verhindert werden, dass es während der Produktion zu Oxidationsprozessen kommt, die das Aroma beeinträchtigen. „Konsumenten von Kaffeekapseln legen großen Wert auf ein intensives Geschmackserlebnis“, so die Betriebsleiterin. Diesen Markt wolle man sich mit der neuen Produktionslinie erschließen.

Finanzminister Christian Görke, Milcafea-Betriebsleiterin Martina Scheider und Holger Bebensee, Sprecher der Cafea-Geschäftsführung. Quelle: Markus Kniebeler

Hauptgeschäft des Rathenower Betriebes wird aber die Herstellung löslicher Kaffeegetränke bleiben. Dieser so genannte Instantkaffee wird seit der Gründung des Rathenower Werks im Jahr 1993 je nach Auftragslage im Drei-und Vierschichtsystem produziert, um in die ganze Welt verkauft zu werden. 25 Millionen Euro seien seit der Gründung des Betriebes in den alten Molkereistandort investiert worden, sagte Görke. Fünf Millionen Euro davon hätten Land und Bund beigesteuert. Das zeige, dass man von Anfang an von dem Unternehmenskonzept überzeugt gewesen sei. Und der Erfolg der Rathenower Firma, die sich seit über zwei Jahrzehnten in dem hart umkämpften Markt der Kaffeeproduktion behaupte, beweise, dass das Fördergeld vernünftig investiert worden sei.

Die neue Produktionshalle auf dem Milcafea-Firmengelände in der Kopernikus-/Cafeastraße ist rund 1200 Quadratmeter groß. Christian Görke überzeugte sich bei seinem Besuch davon, dass noch ausreichend Platz für eine Erweiterung der Produktionskapazität vorhanden ist. „Das nennt man vorausschauende Planung“, lobte er die Unternehmensführung.

Unternehmen mit Tradition

Das Rathenower Unternehmen Milcafea wurde im August 1993 auf dem Gelände der ehemaligen Molkerei gegründet.

Bis zum Jahr 2013 lautete der Firmennamen Deutsche Milcafé. Mit der Umbenennung wurde die Zugehörigkeit zur Cafea-Firmengruppe deutlich gemacht, die ihren Hauptsitz in Hamburg hat und deren Ursprünge bis ins Jahr 1896 zurückreichen.

Produziert werden lösliche Kaffeegetränke — etwa Cappuccino, Eiskaffee oder Wiener Melange — die in die ganze Welt exportiert werden. Und, neuerdings, Kaffeekapseln.

Die Firma beschäftigt derzeit 150 Mitarbeiter. Gearbeitet wird, je nach Auftragslage, im Drei- oder Vierschichtsystem.

Von Markus Kniebeler