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Havelland Mit Löwe, Clown und Artisten
Lokales Havelland Mit Löwe, Clown und Artisten
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07:45 25.07.2014
Popart bei Hans Ticha: Seine Löwendressur schuf er 1979. Quelle: Repro MAZ
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Gransee/Hohen Neuendorf

Die Ausstellung ist zirkusbunt und bleibt doch ganz im Profil der Galerie von Marc Berger, die sich der Druckgrafik verschrieben hat.

Von Michael Augustinski bis Horst Zickelbein reicht die Spannbreite der Künstler, die Blätter entstanden zwischen 1899 und 2002. Gesammelt wurden sie von Roland R. Berger aus Hohen Neuendorf und Dietmar Winkler aus Berlin. Der Grafiker und der Zirkusmann kennen sich seit Jahrzehnten; in den achtziger Jahren machten sie ein besonderes Buch zusammen, sie sammelten Kunstwerke, die sich mit der Zirkuswelt beschäf tigen.

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Der Sammler und sein Archiv

Dietmar Winkler hat früher beim Staatszirkus der DDR in der Pressestelle gearbeitet, seit 50 Jahren sammelt er alles rund um den Zirkus. Er bewahrt Dokumente zur Geschichte von Artistik, Zirkus, Varieté und Schaustellerwesen auf.

Die Sammlung umfasst etwa 700<TH>Bücher, 2000 Zeitschriften aus zwanzig Ländern, 12 000 Fotos und 10 000 Zirkusprogrammhefte von Adolfi in Schweden bis Zorba in Norwegen. Vertreten sind rund 50 Länder. Eine Sondersammlung umfasst Programmhefte der Varietés Wintergarten, Scala und Plaza Berlin, Lindenhof Zwickau, Friedrichstadtpalast Berlin.
Mit seiner Frau Gisela arbeitet Dietmar Winkler seit Jahren zusammen. Beide wurden mit dem Saltarino-Preis der Gesellschaft der Circusfreunde für das publizistische Wirken für die Zirkuskunst ausgezeichnet.

Dietmar Winkler schrieb mehrere Bücher zum Zirkus und fungierte als Herausgeber, zum Teil mit seiner Frau: in der Edition Schwarzdruck Gransee „Über Zirkuskunst“ , „Die Blumenfelds. Schicksale einer jüdischen Zirkusfamilie“ und „Zirkus in der DDR. Im Spagat zwischen Nische und Weltgeltung“.
Mehr unter www.circusarchiv.de

Nun haben sie für ihre Ausstellung grafische Blätter aus ihren privaten Sammlungen ausgewählt. „Das Thema hat mich nie losgelassen“, sagt Roland R. Berger, der sich immer in seinen Arbeiten wieder selbst mit der Figur des Clowns beschäftigt hat. Der aber auch Freude daran hat, die Sicht anderer Künstler bei diesem The- ma zu sehen. „Dabei gab es manche Überraschung“, hat er selbst erlebt. „Wer weiß schon, dass der große Pantomime Marcel Marceau selbst gezeichnet hat.“ In der Ausstellung ist eine Lithografie des 2007 verstorbenen Künstlers zu sehen: Ein engelgleicher, zarter Artist beherrscht zwei Löwen.

Raubtiere haben es so manchem Künstler angetan. Hans Ticha ist so einer. Seine „Löwendressur“ von 1979 steht ganz für den typischen Tichastil. Uniformierte Zuschauer werden zur entindividualisierten Masse, der Mensch mit seinem auf ein Minimum geschrumpften Kopf scheint mehr Funktionserfüller als Akteur zu sein, das Raubtier erscheint übermächtig und hat im Gegensatz zu den Menschen Gesichtszüge erhalten. Mit seinen Arbeiten hat Ticha oft die sinn entleerte Gleichförmigkeit des Alltags angeprangert, wer mag kann bei „Löwendressur“ auch über Sinn des Zirkus nachdenken.

Wem das trotz aller Farbigkeit zu düster ist, der kann an anderen Bildern seine Freude haben. Luftig die Szene bei Henri Toulouse-Lautrec, erotisch bei Picasso, expressiv bei Wolfgang Einmahl, heiter bei Alfred Finsterer.

Auch die Freunde der Drucktechniken werden genussvoll durch diese Ausstellung gehen. Klassische Holz- und Linolschnitte hängen neben Farb- und Kaltnadelradierungen, Kreidelithografie und Farbaquatinta. „Ganz ungewöhnlich ist die Technik bei der Berlinerin Mau Toni Florence, es ist eine Rauchflächenmonotypie, der dem surrealistisch anmutenden Motiv etwas Warmes, Verwischtes gibt“, sagt Marc Berger. Seine Lieblingsarbeit in der Ausstellung ist eine Minimalistische: die Lithografie von Gustav Seitz, der seinen „Zauberer“ aus wenigen Strichen wie eine Marionette zauberte. „Zwischen den Künsten und Künstlern entdeckt man vielfältige Spannungsbögen, Einflüsse und Verwandschaften“, sagt Roland R. Berger, „Die Sorgen und Brüche der Gesellschaft werden von Künstlern seismografisch in Bildern des gar nicht so lustigen Lebenszirkus verwandelt.“

Gespräch: Die Ausstellung läuft bis zum 28. September, für den 13. September wird zu einem Gespräch mit den beiden Grafiksammlern eingeladen. Die Galerie in der Mauerstraße 4a ist mittwochs, donnerstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Marlies Schnaibel

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