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Havelland Mit dem Trabi nach Spandau
Lokales Havelland Mit dem Trabi nach Spandau
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13:53 10.07.2018
Nico Rothämel mit einem Stück der Berliner Mauer. Quelle: Anja Meyer
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Nauen

„Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass die irgendwann ’mal nicht mehr da ist’“, sagt er. Als die Mauer fiel, war Nico Rothämel elf Jahre alt – an die Wendezeit hat der heute in Nauen lebende Verkäufer lebhafte Erinnerungen.

Nico Rothämel ist im September 1989 in die fünfte Klasse gekommen. „Wir waren der letzte Jahrgang, der Russisch als erste Fremdsprache lernte“, erzählt er. Genauso gehörte er zum letzten Jahrgang, dem noch das rote Halsband als Thälmann-Pionier verliehen wurde. Eine Sehnsucht danach, einmal auf die andere Seite der Mauer zu schauen, verspürte Rothämel als Kind nicht. „Ich hatte eine glückliche Kindheit, mir fehlte eigentlich nichts“, sagt er.

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Was Nico Rothämel sich als Kind dennoch gewünscht hätte, war, seine Westverwandtschaft im niedersächsischen Lüneburg bei Hamburg besuchen zu können. Die beiden Tanten des Vaters kamen mit ihren Kindern an Geburtstagen zu Besuch ins Havelland. „Sie haben meinen Geschwistern und mir immer Überraschungseier, Bücher und Stofftiere mitgebracht“, erzählt Rothämel.

Rothämel hatte seine eigene Vorstellung von dem Leben der Verwandten im Westen. Die zeigten ihm Fotos und erzählten von ihrem Zuhause. „Mein Bild war auch nicht so unrealistisch“, sagt er. „Ich wusste, dass sie ein Haus mit Garten und ein Auto haben – dass sie aber auch nicht im Schlaraffenland wohnen“, sagt er.

Dass ein Besuch bei den Verwandten bald möglich wird, begriff Nico Rothämel noch nicht, als er am 9. November wie an jedem Abend mit der Familie vor dem Fernseher saß und die Nachrichten schaute. Die Rothämels sahen immer um 19 Uhr die ZDF-heute-Sendung im Westfernsehen und im Anschluss die „Aktuelle Kamera“ im Fernsehen der DDR.

Als Günter Schabowski die neuen Reiseregelungen vorlas, merkte Nico Rothämel an der Reaktion seiner Eltern, dass da etwas Großes passierte. „Ich verstand noch nicht, was genau das bedeutete, aber meine Eltern sahen sich fassungslos an“, erzählt er.

Weißer Fleck auf der Landkarte

Am Tag nach dem Mauerfall ging Nico Rothämel ganz normal weiter in die Schule. „Bei uns in der Klasse fehlte niemand“, sagt er. Nach Westberlin fuhr er dann erst am Sonntag, dem 12. November 1989, mit seinem Vater und dem jüngeren Bruder. Ein befreundeter Arbeitskollege nahm sie und seine eigenen Kinder im Trabi mit über den Grenzübergang Heerstraße. Nico Rothämels Eltern hatten schon seit Jahren den Antrag auf ein Auto gestellt, aber noch keines bekommen.

„Mit vier Kindern auf der Rückbank sind wir nach Spandau gefahren und da ein bisschen herumspaziert“, erzählt Nico Rothämel. „Das war ein unglaubliches Gefühl, wir konnten das gar nicht fassen“, erinnert er sich. Für ihn war Westberlin immer ein weißer Fleck auf der Landkarte, dabei war es nur 20 Minuten entfernt.

Im Nachhinein ist Nico Rothämel froh, dass er sich an die Zeit in der DDR erinnern kann. „Als Erinnerung habe ich ein Stück Mauer im Schrank liegen“, sagt er. Die stammt aber nicht aus dem Havelland, sondern aus Ostberlin.

Von Anja Meyer

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