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Havelland Nachholebedarf beim Tourismus
Lokales Havelland Nachholebedarf beim Tourismus
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06:15 06.12.2016
Landschaftspark Wagenitz: Der japanische Künstler Takayuki Daikoku  stellte dort im Buga-Jahr 2015 Installationen auf.
Landschaftspark Wagenitz: Der japanische Künstler Takayuki Daikoku stellte dort im Buga-Jahr 2015 Installationen auf. Quelle: Julian Stähle
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Friesack

Für die meisten Ausflügler und Urlauber ist Ribbeck der nördlichste Punkt im Osthavelland, der es lohnt, besucht zu werden. Dass es auch darüber hinaus schöne Ecken zur Erholung gibt, nehmen sie nicht wahr. Dabei hat der Bereich nördlich davon – im Amt Friesack – ebenfalls einiges zu bieten.

Die Region kommt aber eher als stille Schönheit daher, hat jedoch durchaus auch Spektakuläres im Angebot. Dazu gehört zweifellos der Kranichzug jedes Jahr im Herbst. Einige Wochen lang sind nicht nur Vogelfreunde davon beeindruckt. Auch Großtrappen sind ab und an zu finden. Zudem laden die Parks in Wagenitz und Friesack zur Erkundung ein, auch Senzke verfügt über eine solche Landschaftsanlage. Alle drei gehörten zur Schlossparktour während der Bundesgartenschau im vergangenen Jahr. Zudem gibt es Kirchen sowie den Havelland-Radweg. Auch der Sternenpark im Westhavelland ist nicht weit weg.

Mehr aus diesem Potenzial zu machen, dafür plädiert unter anderem der Mühlenberger Bürgermeister Matthias Rehder. Seine Gemeinde hatte unlängst erstmals ein Apfelfest organisiert, an der Kreisstraße zwischen Senzke und Haage – mitten auf einem abgeernteten Maisacker. „Da kam den Nachmittag über auch eine Reihe von Radfahrern vorbei, die irritiert auf dem Feld standen. Damit haben sie nicht gerechnet“, so Rehder.

Es müsse noch mehr touristische Aha-Effekte geben, aber nicht nur in Mühlenberge, meint er. Eine Tourismusberatung zum Gebiet des Tourismusverbandes Havelland unlängst habe gezeigt, dass der Amtsbereich Friesack viele Stärken aufweist, aber auch viele Schwächen. „Wenn die Leute auf die Internetseite des Fremdenverkehrsvereins Havelländisches Luch gehen und nach Unterkünften suchen, finden sie kaum etwas“, sagt er. Es gibt nur wenig Ferienwohnungen, und nur der Karinenhof in Brädikow agiere bisher unter dem Qualitätssiegel Bett & Bike.

Rehder ist aber der Ansicht, dass auch der Amtsbereich künftig stärker vom Tourismus-Boom profitieren könnte. Und dabei sollte seiner Ansicht nach der bestehende regionale Tourismusverein eine größere Rolle spielen als jetzt. Mehr Werbung ist dabei nur eine Seite. „Der Verein könnte den Menschen dabei helfen, etwas aufzubauen.“ Doch es gibt eine große Hürde: „Die wirtschaftliche Situation des Vereins ist kritisch, das Geld reicht nicht zum Leben und zum Sterben“, sagt er und appelliert an die Mitgliedsgemeinden, mehr Geld für dessen Arbeit bereitzustellen. „Wir müssen investieren in den Verein, sonst brauchen wir uns nicht zu beklagen, dass wir keinen Tourismus haben“, so der Bürgermeister.

25 Cent pro Einwohner und Jahr zahlen die Kommunen bisher an Mitgliedsbeitrag. So kommen jedes Mal rund 1600 Euro zusammen. Rehder schlägt nun vor, den Beitrag auf einen Euro pro Einwohner zu erhöhen. In der Summe wären dies dann etwa 6500 Euro, die unter anderem in Personal beziehungsweise geförderte Stellen gesteckt werden könnten. Wie er sagt, unterstütze die Gemeinde Mühlenberge den Fremdenverkehrsverein bereits jetzt mit einem Personalkostenzuschuss. Momentan hat dieser im historischen Fintelmannhaus in Senzke sein Domizil – unmittelbar am Havelland-Radweg gelegen. Für Rehder ein „angemessener Sitz“ – auch deshalb, weil das Gebäude dadurch regelmäßig geöffnet und Anlaufstelle für Touristen sei.

Jetzt sind die Gemeinden des Amtes Friesack am Zuge, müssen darüber beraten, ob sie dem Vorschlag folgen und mehr Geld für Tourismus sowie den Fremdenverkehrsverein bereit stellen wollen. Mühlenberge hat in seinen Haushaltsentwurf für nächste Jahr bereits eine Summe eingestellt, die einem Euro pro Einwohner entspricht. Bürgermeister Rehder jedenfalls ist überzeugt davon, damit auf dem richtigen Weg zu sein. „Wir machen es, weil der Tourismus uns das Wert ist. Er kann Arbeit und Gewerbe in den Ort bringen.“

Von Andreas Kaatz