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Nauen Geistig fit halten beim Memory-Spiel
Lokales Havelland Nauen Geistig fit halten beim Memory-Spiel
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19:23 14.09.2018
Weltweit sind etwa 35 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen. Quelle: Patrick Pleul/Dpa-Zentralbild
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Nauen

Je älter die Menschen heutzutage werden, umso häufiger tritt das Krankheitsbild Demenz auf. Eine Herausforderung für den Betroffenen selbst, aber auch für die Angehörigen, die mit der Wesensveränderung ihrer Liebsten klar kommen müssen. Mit zahlreichen Veranstaltungen rund um den Welt-Alzheimertag am 21. September will die Stadt Nauen in diesem Jahr erneut auf die Krankheit aufmerksam machen, sie ins öffentliche Bewusstsein rücken. Und das auch auf ungewöhnliche Weise: Mit einem großen Memory-Spieltag am 18. September im Familien- und Generationenzentrum (FGZ). Das Motto der Aktionswoche lautet: „Geistig fit bleiben“.

„Wir wollen das Thema auf diese Weise spielerisch angehen, wollen es aus der Krankenecke herausholen“, sagt Stadtmitarbeiterin Yvonne Prochnow, die die Idee dazu hatte. „Demenz hat was mit Erinnern zu tun, und wir alle sind auch mal vergesslich.“ Sie hofft nun, dass zu diesem Turnier für alle Altersklassen ab 13 Uhr viele Interessenten kommen und gemeinsam Spaß haben. „Ich habe jedenfalls ganz viele Memory-Spiele besorgt. Also kommen Sie und spielen Sie mit“, lädt sie alle Kinder und Erwachsenen ein.

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Volksliedersingen und Line-Dance

Schon vorher besteht an diesem Tag ab 10 Uhr Gelegenheit, am Volksliedersingen teilzunehmen sowie ab 11 Uhr am Schnupperkurs Line-Dance. Alles Möglichkeiten, um geistig fit zu bleiben und somit das Motto der Aktionswoche mit Leben zu erfüllen.

Für Martina Lüttjohann ist die Demenzwoche eine gute Gelegenheit, „mehr Menschen ohne direkten Bezug zur Demenz für dieses Thema zu interessieren“. Die Demenzberaterin hat naturgemäß tagtäglich damit zu tun, berät insbesondere Angehörige. Diese kommen aus unterschiedlichen Gründen zur Beratungsstelle.

Programm zur Aktionswoche

Die Aktionswoche unter dem Motto „Geistig fit bleiben“ anlässlich des Welt-Alzheimertages findet vom 17. bis 21. September statt.

Am Montag beginnt um 10 Uhr eine Lesung mit Schulkindern mit Bibliothekarin Ines Kubenz in der Bibliothek im Familien- und Generationenzentrum (FGZ), Ketziner Straße 1.

Am Dienstag findet von 13 bis 16 Uhr der Memory-Spieltag im FGZ statt. Um 10 Uhr fängt das Volksliedersingen an, um 11 Uhr beginnt der Schnupperkurs im Line-Dance.

Am Mittwoch ist der gemeinsame Mittagstisch im Stadtbad, Karl-Thon-Straße, geplant. Anmeldung erbeten unter der Nummer 03321/40 82 44.

Am Donnerstag um 10 Uhr gibt es einen therapeutischen Tierbesuch im ASB-Seniorenzentrum, Dammstraße 41b. Anmeldung unter 03321/ 74 89 20. Um 13 Uhr beginnt ein Vortrag über den Behindertenausweis – Merkzeichen und Co. im FGZ. Ab 15 Uhr wird im Richarthof, Gartenstraße 27, der Kinofilm „Man lernt nie aus“ mit Robert de Niro gezeigt. Außerdem gibt es Kaffee und Kuchen.

Am Freitag findet eine Busfahrt zur Festveranstaltung der Alzheimer-Gesellschaft in Potsdam statt.

Die Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Demenz und deren Angehörige befindet sich im Familien- und Generationenzentrum Nauen, Ketziner Straße 1. Kontakt per Telefon: 03321/ 7 47 76 67 oder per Email: luettjohann@beratungsstelle-demenz-havelland.de

„Ein häufiger Anlass ist, dass sich beispielsweise die Frau, der Mann oder die Mutter verändert haben“, sagt Martina Lüttjohann. Da werden permanent Verabredungen vergessen und immer wieder kommt die gleiche Frage, obwohl die Antwort schon gegeben wurde. Oder es wird ständig die Brille verlegt und der Partner beschuldigt, sie weggenommen zu haben. Es kommt immer öfter zu Streit wegen Nichtigkeiten und dabei auch zu Wutausbrüchen.

Hilfe suchen in der Beratungsstelle

Die Angehörigen sind dann zunehmend verunsichert. Irgendwann ergibt sich für sie die bange Frage, ob vielleicht Demenz die Ursache für dieses veränderte Verhalten ist. Viele suchen deshalb Hilfe. Ob Demenz vorliegt, kann Martina Lüttjohann in einem Gespräch natürlich auch nicht beurteilen. „Ich kann aber Anlaufstellen, Adressen und Ansprechpartner nennen“, sagt sie.

Ein Großteil ihrer Beratungstätigkeit besteht zudem darin, den Angehörigen, die bereits traurige Gewissheit haben, Tipps zum Umgang mit dem Demenzkranken zu geben. „Ich kann Aufklärung leisten und darauf hinweisen, dass der Betreffende bestimmte Sachen nicht aus Bösartigkeit macht. Man muss schauen, warum er wütend wird und ob ich selber etwas tun kann, um zu vermeiden, dass er sich gestresst fühlt. Beispielsweise wenn er sein Portemonnaie sucht, sollte man darauf achten, dass er es wiederfindet“, nennt die Beraterin ein Beispiel.

Erkrankte sollten trotz Demenz am normalen Leben teilnehmen

Und man sollte dafür sorgen, dass der Kranke seine Würde bewahrt; dass er etwas Sinnvolles tut, bei dem er Bestätigung findet, auch wenn er es nicht immer richtig macht. „Es ist wichtig, dass Derjenige trotz Demenz am normalen Leben teilnimmt, in seiner normalen Umgebung wohnen bleibt und nicht rausfällt aus der Gesellschaft.“

Für Martina Lüttjohann sind zudem die regelmäßig stattfindenden Angehörigentreffen eine gute Gelegenheit, dass sich Angehörige untereinander austauschen und sich gegenseitig ihre Erfahrungen mitteilen können. Nicht zuletzt sieht die Beraterin ihre Aufgabe auch darin, den pflegenden Angehörigen Tipps zu geben, wie sie sich selbst mal eine Auszeit gönnen und mal zum Frisör oder zur Massage gehen können. Denn irgendwann ist auch beim hilfreichsten Menschen die Kraft erschöpft.

Mit einer Lesung geht es los

Die Beraterin lädt alle Interessenten ein, die Angebote der Aktionswoche wahrzunehmen. Los geht es am Montag in der Bibliothek mit einer Lesung für Schulkinder aus dem Buch „Als Oma seltsam wurde“. „Wer darüber hinaus Interesse hat, kann ebenfalls kommen und zuhören“, ermuntert sie zur Teilnahme.

Zudem appelliert Martina Lüttjohann an alle, sich das ganze Jahr über geistig fit zu halten – mit Bewegung, gesunder Ernährung, viel Schlaf und Kreuzworträtseln oder anderen Aktivitäten, die das Gedächtnis trainieren. Gerade auch dann, wenn besondere Risiken wie etwa Bluthochdruck, Diabetes oder Depression vorliegen.

Von Andreas Kaatz