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Nauen Als Bomben das Dorf Berge erschütterten
Lokales Havelland Nauen Als Bomben das Dorf Berge erschütterten
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18:54 24.05.2019
Bei der Andacht auf dem Berger Friedhof erinnerte Thomas Tutzschke an die Opfer des Bombenangriffs.
Bei der Andacht auf dem Berger Friedhof erinnerte Thomas Tutzschke an die Opfer des Bombenangriffs. Quelle: Pressestelle
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Berge

Es ist Freitag in Berge: Auf dem kleinen Spielplatz neben der Kirche spielt ein Kind mit seinem Großvater. Die Menschen gehen ihren Beschäftigungen nach, die Arbeiter auf dem Gerüst sanieren den Kirchturm. Um 11 Uhr jedoch schalten sie ihre Baugeräte aus. Das Dorf hält inne.

Gedenken an die Opfer

Am Gedenkstein für die Opfer beider Weltkriege vor der Dorfkirche „Peter und Paul“ zündet Christa Ebertus vom Gemeindekirchenrat 16 Kerzen an. Etliche Einwohner versammeln sich vor dem Gedenkstein auf dem Kirchenfriedhof. Nauens Bürgermeister Manuel Meger und Ortvorsteher Peter Kaim legen Blumen ab. Auch sie sind der Einladung des Kirchengemeinderats zur Andacht gefolgt.

„Der Zweite Weltkrieg tobte in unserem Land und es fielen Bomben auf unseren Ort. Es war ein Tag wie heute - mitten im Frühling. Auch wenn Krieg war: Man ging seinen Beschäftigungen nach, so wie heute. Gartenarbeit, Besuch in der Stadt Nauen, die Kinder spielten. Dann, um 11.08 Uhr, fielen die Bomben. Häuser wurden zerstört, 16 Menschen aus dem Leben gerissen“, sagt Superintendent Thomas Tutzschke.

60 bis 80 Bomben fielen vom Himmel

Wegen der Bauarbeiten am Kirchturm kann die Glocke nicht läuten, dafür erklingt die Trompete – für jeden Verstorbenen ein Ton. Tutzschke zitiert aus dem Protokollbuch des Gemeindekirchenrates Berge aus dem Jahr 1944: „Am 4. März 1944 begannen die regelmäßigen Großangriffe der Amerikaner auf Berlin. Bei dem zunächst letzten Großangriff auf Berlin machte der letzte Verband mit etwa 60 bis 80 Bomben am 24. Mai um 11.08 Uhr einen Angriff auf Berge im Teppichabwurf.“

Damals sei nicht klar gewesen, ob es weitere Angriffe geben würde. „Heute sind wir dankbar, dass wir 75 Jahre in Frieden leben durften. Es ist leider nicht auf der ganzen Welt so“, kritisiert der Superintendent.

Eine Zeitzeugin erinnert sich

„Es war schlimm“, erinnert sich die damals fünfjährige Christa Klawitter aus Berge. Sie ist die einzige Zeitzeugin, die an der Andacht im Freien teilnimmt. „Als die Sirene ging, sind wir alle in den Luftschutzbunker am Weinberg gerannt und waren danach froh, dass wir mit dem Leben davon gekommen sind“, erzählt sie bewegt. Andere Dorfbewohner hätten bei dem Angriff Schutz in ihren Kellern gesucht. Drei Häuser wurden durch die Bomben vollständig zerstört.

„Wir müssen alles dafür tun, dass so etwas nie wieder geschieht. Suchen wir den Frieden und jagen ihm nach“, appelliert Superintendent Tutzschke.

Von MAZ