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Nauen Als das Zeitzeichen aus Nauen kam
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10:11 30.11.2019
Der Muthesiusbau der Großfunkstelle Nauen um 1920. . Quelle: Helmut Augustiniak
Nauen

Auf die Frage, warum die Großfunkstelle Nauen ausgerechnet im Havelländischen Luch errichtet wurde, hatte Roland Stock sofort die Antwort parat: „Der feuchte Untergrund des Luchbodens ist sehr günstig für die Ausbreitung der Funkwellen. Dazu kam die Nähe zur Hauptstadt Berlin und die Tatsache, dass das 40 Hektar große Areal im Ankauf preiswert war“, sagte der Funkexperte und Buchautor. In den Richart-Hof in Nauen hatte der Verein Nauener Heimatfreunde Roland Stock zu einem Vortrag über die älteste sich noch in Betrieb befindliche Großfunkstelle der Welt eingeladen. Viele Funkenthusiasten und ehemalige Mitarbeiter des Funkamtes Nauen hörten sich an, was der Fachmann berichtete.

Für den Kaiser schnell erreichbar

Für den Standort, so Stock, habe auch gesprochen, dass „Kaiser Wilhelm II., bekannt als Technikfreak, die Strecke zwischen Berlin und Nauen bei seinen Besuchen schnell bewältigen konnte. Die großen Industriebetriebe und die wissenschaftlichen Einrichtungen hatten ihren Sitz in der Reichshauptstadt. Und die Mitarbeiter konnten mit den damals noch recht langsamen Verkehrsmitteln die Anlage über die vorhandenen schlechten Chausseen gut erreichen.“

Am 9. August 1906 begann der Probebetrieb der Funkanlage, damals unter Federführung von Telefunken-Ingenieur Rudolf Hirsch. Eine Woche später erfolgte der scharfe Start als Versuchsstation. Als Sendemast diente ein 100 Meter hoher Stahlmast, der eine Schirmantenne trug. Als Sender wurden Knallfunksender verwendet. Schon beim ersten Funkversuch reichten die Signale bis St. Petersburg. Ab 1909 wurden mit neu installierten Löschsendern Reichweiten bis 5000 Kilometer erzielt, hieß es.

Große Bedeutung im Ersten Weltkrieg

Das Deutsche Reich eroberte vorwiegend in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Asien und Afrika riesige Landstriche. Die Kommunikation mit den dort ansässigen deutschen Verwaltungsbehörden wurde mit dem Bau von Funksendern abgesichert. 1911 gelang erstmals eine Funkverbindung mit der Funkstation Kamina in der damaligen deutschen Kolonie Togo. Roland Stock führte einen Originalfilm aus dieser Zeit vor, der den Bau der Funkstation dokumentierte.

Die Nauener Funkstation gewann im Ersten Weltkrieg große Bedeutung. Die Unterseekabel waren von den gegnerischen Mächten unterbrochen worden. Von Nauen aus erreichte die Nachricht vom Kriegsausbruch die deutschen Kolonien, die dann die deutschen Handelsschiffe benachrichtigten.

„Von 1918 bis 1931 gehörte die Anlage zur Transradio AG, 1932 übernahm die Deutsche Reichspost. Das von Hermann Muthesius errichtete Hauptgebäude wurde 1920 errichtet und steht heute unter Denkmalsschutz“, erzählte Stock.

Befehle an U-Boote übermittelt

Im Zweiten Weltkrieg diente der Sender vorwiegend zur Übermittlung von Befehlen an U-Boote. 1945 demontierten sowjetische Soldaten die Station. Eine schwere Zeit erwartete die Beschäftigten des Bewachungspersonals der Deutschen Reichspost. Sie waren während der Hitlerzeit in die SS integriert worden. Das hatte 1945 die Folge, dass sie in sowjetische Internierungslager kamen. Wie viele dort überlebten ist unklar, so Stock. Einige wurden nach ihrer Entlassung bei der Post der DDR weiterbeschäftigt.

Bis 1955 arbeitete die Funkstation nicht. Sie wurde als Kartoffellager benutzt. 1956 entstand das Funkamt Nauen. Einige Rundfunkstationen sendeten von hier, auch das „Nauener Zeitzeichen“ wurden von hier in die Welt geschickt.

Gemalert in 80 Meter Höhe

Die ersten drehbaren Kurzwellenantennen wurden 1964 errichtet. Malermeister Wolfgang Döpke, der den Vortrag verfolgte, erinnerte sich, dass „ich als Mitarbeiter der PGH Maler Falkensee in schwindelnder Höhe von 80 Metern die Antennenteile streichen musste.“ Nach der Wende ging die Anlage an die Deutsche Bundespost. Seit 2008 gehört sie dem Unternehmen Media Broadcast.

Von Helmut Augustiniak

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