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Nauen Apfelzeit in Nauen
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14:33 16.10.2018
Peggy Berndt hat schon das Messer in der Hand – und kann passend zu 78 Apfelsorten einen Schnitz zum Probieren herausschneiden.
Peggy Berndt hat schon das Messer in der Hand – und kann passend zu 78 Apfelsorten einen Schnitz zum Probieren herausschneiden. Quelle: Carsten Scheibe
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Nauen

Im Supermarkt explodieren die Apfelpreise. Gut versorgt ist nun derjenige, der ein eigenes Bäumchen im Garten zu stehen hat und die noch nicht verspeisten Früchte einkellern kann. Doch eignet sich die eigene Apfelsorte überhaupt für die Lagerung im kühlen und feuchten Keller? Dafür müsste man freilich wissen, welche Apfelsorte da eigentlich auf der eigenen Scholle wächst.

Bestimmungsbücher dabei

Das ließ sich am Wochenende leicht herausfinden. Da veranstaltete die Baumschule Nauen bereits zum 13. Mal ihr gut besuchtes Apfelfest zum Ende der Saison. Es findet traditionell immer am zweiten Oktoberwochenende auf dem eigenen Betriebsgelände statt. Senior Immo Hobohm nimmt dann stets – ausgestattet mit Bestimmungsbüchern und Nachschlagewerken – an einem Tisch Platz und lässt sich die Äpfel zeigen, die die Bäumchenbesitzer zur Bestimmung mitgebracht haben.

4000 Apfelbaumsorten

Immo Hobohm, der das Areal der Baumschule nach der Wende von der 1. Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG Nauen) übernommen hat: "Es ist ganz wichtig zu wissen, welche Apfelsorte man im eigenen Garten anbaut. Manche Äpfel eignen sich besonders gut fürs Mosten, andere sind perfekt zum Essen. Andere lassen sich den ganzen Winter über lagern. Es gibt über 4.000 Apfelbaumsorten. Bei der Bestimmung achte ich auf verschiedene Merkmale, so etwa auf die Außenhaut, die Farbe des Fruchtfleisches, den Stil oder die Beschaffenheit des Kerngehäuses."

Verkosten vor dem Kauf

Viele Besucher des Apfelfestes nutzten auch gezielt die Gelegenheit, sich noch vor dem Winter mit einem neuen Baum zu versorgen. Eine tolle Idee: In einem Gewächshaus gab es einen langen Tisch, auf dem 78 verschiedene Apfelsorten zum Probieren ausgestellt waren. Ganz egal, ob Finkenwerder Prinzenapfel, Gelber Edelapfel oder Dülmener Gerbstrosenapfel: Jede Frucht schmeckt dann doch ganz anders. Dank des Probierangebots konnte jeder Besucher gezielt den Apfel finden, der am besten zum eigenen Geschmack passt. Auf Schildern konnte sogar abgelesen werden, in welchem Monat die Äpfel reif werden und wie lange sie sich bei optimalen Bedingungen lagern lassen. Das perfekte Bäumchen landete dann schnell im eigenen Kofferraum.

Rettung alter Sorten

Ein besonderes Angebot hatte die Baumschule für alle Besucher des Festes auch noch: Aus alt mach neu. So ist es mit der entsprechenden Expertise durchaus möglich, aus einem Zweig eines bereits vorhandenen Baums einen neuen Baum zu machen. Sören Hobohm, der die Baumschule zusammen mit seiner Frau Margarethe führt: "Wenn uns die Leute im Januar oder Februar einen einjährigen Zweig von ihrem Lieblingsobstbaum bringen, dann veredeln wir ihn auf einer ausgesuchten Baumunterlage. Bis zum September bleibt das neue Bäumchen bei uns. Sobald es anderthalb Meter groß ist, können die zukünftigen Besitzer es bei uns abholen."

Auf diese Weise lassen sich auch alte Obstbaumsorten vom Aussterben retten. Denn in der industriellen Verwertung spielen die meisten Sorten keine Rolle mehr, da sie zu wenig Ertrag haben oder zu kleine Früchte tragen.

Von Carsten Scheibe