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Nauen Claudia Seeligmann kehrt zu den Wurzeln zurück
Lokales Havelland Nauen Claudia Seeligmann kehrt zu den Wurzeln zurück
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20:40 21.12.2018
Hat gerne als Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft gearbeitet: Claudia Seeligmann. Jetzt will sie noch einmal etwas Neues machen.
Hat gerne als Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft gearbeitet: Claudia Seeligmann. Jetzt will sie noch einmal etwas Neues machen. Quelle: Andreas Kaatz
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Nauen

Zu sehen, wie sich die frischgebackenen Kfz-Mechatroniker über die Gesellenbriefe freuen – das ist eine Sache, die Claudia Seeligmann vermissen wird. Denn die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Havelland gibt ihren Posten zum Jahresende auf.

„Ich habe einfach noch mal eine neue Herausforderung gesucht“, sagt sie. Künftig wird die 60-Jährige bei der Ländlichen Erwachsenenbildung in Friesack Jugendprojekte begleiten. Da geht es beispielsweise um Berufsorientierung und Berufseinstiegsbegleitungen.

Eine spannende Zeit

Alles Dinge, die nicht ganz neu sind für sie. Ursprünglich hatte sie Schlosser gelernt und ein Studium zum Ingenieur-Pädagogen gemacht. Später bildete sie beim Jugendaufbauwerk (JAW) benachteiligte Jugendliche, die einen schwierigen Werdegang hinter sich hatten, zum Maler und Lackierer aus. „Eine spannende Zeit. Ich kam gut klar mit den Jungs. Manche, die ich heute zufällig treffe, sagen: Frau Seeligmann, wenn ich Sie nicht gehabt hatte, dann hätte ich es nicht geschafft.“

So etwas motiviert. Kein Wunder, dass die Nauenerin auch während ihrer Zeit als Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Spaß daran hatte, Jugendlichen den Weg zum Beruf zu ebnen. Denn Nachwuchs im Handwerk zu finden, wird immer schwerer. So werden seit 2008 in Kooperation mit dem Landkreis die Berufswahlpässe an den Schulen verteilt und seit 2011 auf der Ausbildungsbörse im MAFZ Lehrlinge fürs Handwerk geworben.

Anfangs für fürs Osthavelland zuständig

Seit 1. Oktober 2007 ist Claudia Seeligmann Geschäftsführerin, anfangs nur fürs Osthavelland. Der damalige Amtsinhaber Manfred Poklitar sprach sie an. „Er hatte mich gefragt, ob ich seine Nachfolgerin werden will“, erinnert sie sich. Da war sie 15 Jahre im JAW. Zeit, um auch mal wieder was Neues zu machen, dachte sie sich.

Nach ihrer Wahl musste sie aber schnell feststellen, dass die Finanzierung der Organisation sich recht schwierig gestaltete. Die Kreishandwerkerschaft lebt unter anderem von Mitgliedsbeiträgen, von Leistungen, die für die Handwerkskammer Potsdam erbracht werden, und von Einnahmen aus Prüfungsgebühren.

Zahl der Azubis ging zurück

„Erschwerend kam hinzu, dass die Zahl der Azubis ständig zurückgegangen ist.“ Die Folge: Die Handwerkskammer entzog den Havelländern die Zuständigkeit für immer mehr Prüfungsausschüsse – etwa für die Maler, Tischler, Elektroniker oder Metallbauer. Seit 2011 wurden im Havelland nur noch die Bäckereifachverkäufer und Kfz-Mechatroniker geprüft, vier Jahre später blieben letztere übrig.

Zudem gab es eine besondere Herausforderung: Die Fusion der Kreishandwerkerschaften im Ost- und im Westhavelland. „Es war eine anstrengende Sache. Wir wussten nicht, was auf uns zukommt“, sagt sie. So musste in Rathenow alles aufgelöst und doch eine Anlaufstelle erhalten werden. „Sonst wäre ein Großteil der Mitglieder verloren gegangen.“

Fusion ist unvollständig

Doch bis heute ist die Fusion unvollständig. „Von den vier Innungen, die es in beiden Bereichen gab, ist nur eine fusioniert“, sagt sie, nämlich das Bauhandwerk. Und sie bedauert auch, dass die Handwerkermesse im MAFZ in Paaren zuletzt immer weniger Besucher angezogen hatte. 2010 fand sie das letzte Mal statt.

Was Claudia Seeligmann künftig fehlen wird, das sind auch die Veranstaltungen mit den Innungsmitgliedern und der Kontakt zu den Handwerksbetrieben. Viele Freundschaften sind über die Zeit entstanden. Hinzu kommt die Arbeit in den Prüfungsausschüssen. „Zeiten, die ich nicht missen möchte. Ich habe gerne hier gearbeitet.“

Arbeit mit Jugendlichen macht Spaß

Doch Claudia Seeligmann freut sich schon auf den neuen Abschnitt. „Für mich geht es zurück zu den Wurzeln. Da kann ich junge Leute beim Start ins Leben unterstützen. Die Arbeit mit Jugendlichen hat mir immer viel Spaß gemacht“, sagt sie.

Von Andreas Kaatz