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Nauen Ein Fuhrpark im Miniformat
Lokales Havelland Nauen Ein Fuhrpark im Miniformat
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15:51 27.08.2018
Das Dachboden wurde zur Schatzkiste: Hier hat Kurz Richter seine Sammlung untergebracht. Quelle: Astrid Wiebe
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Nauen

Blitzblank poliert und kein Kratzer im Lack. So stehen nicht weniger als 100 gut gepflegte Fahrzeugmodelle auf dem Dachboden und im Keller von Kurt Richter. Der 71-jährige Sammler hat sich auf alte DDR-Autos, Lastkraftwagen und Busse spezialisiert, die als Originale das Straßenbild Ostdeutschlands prägten und meistens längst ausgemustert sind. Egal ob Trabant, Wartburg, IFA oder Robur – zu den meisten seiner Fahrzeuge in Miniformat weiß Kurt Richter etwas zu erzählen, denn der Nauener hat sie noch im Einsatz erlebt.

Trabant-Erfahrungen

„Mit unserem schilffarbenen Trabi 601 sind meine Frau und ich regelmäßig ins Erzgebirge und in den Harz in Winterurlaub gefahren. Und meine Eltern hatten einen weißen 600-er Kombi mit roten Streifen, mit dem sie zum Zelten fuhren“, erzählt Kurt Richter und zeigt als Beweis ein paar stark verblasste Fotos von früher.

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Edle Miniaturen

Seine Passion für die edlen Miniaturen, die er zum Schutz vor Staub in Kunststoff-Vitrinen aufbewahrt, hat Kurt Richter erst 2003 entdeckt. Sogar die Original-Verpackungen hebt der leidenschaftliche Sammler auf. Denn das soll den Wert jedes einzelnen Exemplars steigern. „Zu DDR-Zeiten kam man an solche schicken Modelle gar nicht ran“, erklärt er.

Limitierte Serie

Interessiert hatten ihn anfangs historische Flugzeug- und Militärmodelle, bis der Schweizer Modellbau-Hersteller Atlas eine streng limitierte DDR-Automobilserie in Umlauf brachte. Der Sammler zögerte nicht lange und machte Platz in seinen Regalen und Vitrinen. „Das war doch meine Jugend“, sagt er und lacht. „Da mache ich mit.“

Alle Trabbi-Modelle

So kam im Laufe der Jahre eine beachtliche Zahl an Miniatur-Modellen zusammen, die fein säuberlich übereinander gestapelt auf dem ohnehin sehr engen Speicher und im Keller ihr Dasein fristen. „Ich hätte nie gedacht, dass es so viele verschiedene Fahrzeug-Modelle in Ostdeutschland gegeben hat“, sagt Kurt Richter und zeigt das beste Stück seiner Sammlung. Sämtliche Fahrzeugmodelle des legendären Trabants, der ab 1957 im VEB Sachsenring Zwickau gefertigt wurde, stehen gut geschützt in einem eigenen Vitrinenschrank.

Nachbildung in Zinkspritzguss

Da gibt es besondere Exemplare, wie die gute, alte „Rennpappe“ mit Würdig 301 Wohnwagen, der auch liebevoll „Kuschelkugel“ genannt wurde, oder den Trabbi Combi mit Dach-Zelt, der Kurt Richters Lieblingsmodell ist. „Den habe ich im Original auf so manchem Zeltplatz gesehen“, erinnert sich der Sammler. Nicht nur die Proportionen der Zinkspritzguss-Miniaturen lassen die Herzen echter Fans und Liebhaber höher schlagen, sondern auch die filigran ausgearbeiteten Details, wie Dachantennen, Außenspiegel, Stoßstangen oder Abstandshalter.

Daher betont Kurt Richter auch gern mit Nachdruck, dass es sich bei seinen Schätzen im Maßstab 1:43 nicht um Spielzeuge handelt, sondern vielmehr, wie es auf den Verpackungen heißt, um „verkleinerte Modelle für erwachsene Sammler“. Noch nicht einmal seine Enkeltöchter dürfen mit den kleinen Autos spielen. „Das sind Vitrinen-Modelle. Die sind viel zu schade dafür“, sagt er. „Ich selbst schaue mir die Exemplare auch nur an.“

Platzmangel unterm Dach

Mittlerweile ist der Platz auf dem Dachboden und im Keller allerdings ausgereizt und Kurt Richter hat sich schweren Herzens entschlossen, nicht noch mehr Modellautos zu kaufen oder zu ersteigern. „Ich habe aufgehört bei Ebay oder bei Tauschbörsen vorbeizuschauen. Sonst komme ich nur auf dumme Gedanken“, sagt er und grinst.

Ein einziges Mal hat der passionierte Sammler seine Miniaturen einem breiteren Publikum präsentiert – bei der Sonderausstellung „Nauener und ihre Hobbys“ im „Blauen Haus“.

Von Astrid Wiebe