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Nauen Gegen die Trockenheit: Mit Gießkanne in den Wald
Lokales Havelland Nauen Gegen die Trockenheit: Mit Gießkanne in den Wald
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19:54 15.08.2019
Nauens Bürgermeister Manuel Meger (3.v.l.) mit den Direktkandidaten, die mithalfen, die jungen Pflanzen zu gießen (v.r.): Marcus Welzel (CDU), Johannes Funke (SPD), Dominik Kaufner (AfD), Petra Budke (B’90/Grüne), Volkmar Richter (FDP) und Christian Ehrecke (BVB/Freie Wähler). Quelle: Andreas Kaatz
Nauen

Dem Nauener Stadtwald geht es gar nicht gut. Die anhaltende Trockenheit macht den Bäumen schwer zu schaffen. Das war unübersehbar, als Stadtförster Thomas Meyer am Mittwochabend zum Waldaktionstag rund 60 Gäste durch den Forst führte. Viele mit Gießkannen „bewaffnet“.

Zu den Teilnehmern gehörten neben Stadtverordneten und interessierten Bürgern unter anderem auch Direktkandidaten für die Landtagswahl. Mit dabei: Petra Budke (B’90/Grüne), Christian Ehrecke (BVB/Freie Wähler), Johannes Funke (SPD), Marcus Welzel (CDU), Dominik Kaufner (AfD) und Volkmar Richter (FDP).

Hoffen auf Unterstützung

Thomas Meyer erhofft sich Unterstützung von der Landespolitik. Denn alleine ist es nicht mehr zu schaffen, den Wald für die Zukunft fit zumachen. Dabei ist der Stadtforst vom Grunde her gut bestückt. Es gibt dort immerhin zehn Baumarten. Davon würden andere Förster nur träumen, heißt es. „Doch auch hier sind die Einschläge schon festzustellen“, sagte der Forstfachmann.

So fiel eine sichtlich angegriffene Buche am Wegesrand auf, die extrem viele Bucheckern produziert hat, um den Fortbestand ihrer Art zu sichern. Denn lange wird sie es nicht mehr machen. An einigen Stellen sind zudem große Freiflächen zu sehen, wo bis vor kurzem beispielsweise noch Fichtenbestände waren oder auch Pappeln standen.

Mit Xavier fing alles an

Alles fing 2017 an. Sturm Xavier wütete Anfang Oktober auch im Stadtwald, legte jahrzehntealte Bäume wahllos um. Rund 8000 Festmeter – das doppelte von dem, was im Jahr üblicherweise verkauft wird. Die starken Regenfälle hatten damals den Boden zuvor stark aufgeweicht, die belaubten Kronen boten eine gute Angriffsfläche. Dann kam 2018 die erste große Hitzeperiode, der 2019 die zweite folgte. Der Wald hatte keine Möglichkeit, sich zwischendurch zu erholen. Es blieb gnadenlos trocken.

Gute Bedingungen für den Borkenkäfer. Der machte sich über die geschwächten Fichten und Lärchen her, die ihm nichts entgegen zu setzen hatten und haben. Sie sind zu schwach, Harz zu produzieren, um den Käfer abzuwehren. Der hat somit leichtes Spiel. Meyer nennt die dramatische Situation „Waldsterben 2.0“. „Alle Baumarten haben mit der Trockenheit zu kämpfen.“ Auch fast 100 Jahre alte Eichen, die noch mal so lange brauchen, um gefällt werden zu können. „Schon jetzt ist aber abzusehen, dass einige es nicht schaffen werden.“

Demnächst kaum noch Erträge

An die Stadtverordneten gewandt sagte Meyer: „Bis jetzt hatte der Stadtwald ein sattes Plus erwirtschaftet, aber das ist für die nächste Zeit vorbei.“ Denn zwar hat er notgedrungen viel Holz auf Lager, doch das bekommt er nicht verkauft – zumindest nicht zu guten Preisen.

„Auf dem Markt ist ein riesiger Berg Holz, das kann die Industrie gar nicht so schnell verarbeiten.“ Er erhält nur ein Drittel von dem, was noch vor anderthalb Jahren gezahlt wurde. Denn Nauen ist nicht der einzige Katastrophenfall dieser Art. Aber auch die hohen Kosten für Aufforstungen belasten das Budget.

Das Geld ist knapp

Doch die Flächen müssen schnellstmöglich aufgeforstet werden. Sonst droht Verbuschung, wie es der Fachmann nennt. Das Geld hingegen ist knapp. Erst in 25 bis 30 Jahren werfen solche Flächen einen ersten Ertrag ab, zuvor hat der Forstmann auf der Fläche mindestens acht Jahre lang nur Kosten.

Meyer braucht finanzielle Unterstützung – vom Bund, vom Land. Das Geld, was derzeit in Aussicht steht, ist nicht mehr als das, was zu normalen Zeiten kommt. Doch die Zeiten sind nicht normal. Es braucht Baumarten wie Esskastanie oder Küstentanne, die hier nicht heimisch sind, aber mit Trockenperioden deutlich besser zurecht kommen. Diese Arten sind jedoch in den Richtlinien nicht enthalten, beklagt Meyer. „Die Förderpolitik ist noch nicht auf den Klimawandel eingestellt.“ Meyer pflanzt sie trotzdem.

Junge Pflanzen gegossen

Geht es nach ihm, dann könnte es ab sofort bis Dezember regnen. Beim Waldaktionstag sind die Teilnehmer aber schon einmal eingesprungen. Sie schöpften unermüdlich mit ihren Gießkannen Wasser aus einem Container, den die Nauener Feuerwehr befüllt hat.

Dann gossen sie junge Bäume auf einer 1,6 Hektar großen Fläche, auf der vorher Fichten standen. Jetzt wachsen dort Küstentanne, Douglasie, Esskastanie, Bergahorn und Kiefer. Mit dem Wasser aus den Gießkannen haben sie erst einmal wieder genug für zwei bis vier Wochen.

Für die Zukunft des Stadtwaldes

Fleißig dabei waren auch die Landtagskandidaten. Sie beteuerten zudem in einer Fragerunde, dass ihnen der Wald im Allgemeinen sehr wichtig ist. Das hörte auch der Nauener Stadtverordnetenvorsitzende Ralph Bluhm gerne. Er hofft, dass sie nach ihrer möglichen Wahl auch an den Förster denken, damit der Stadtwald in Zeiten des Klimawandels eine Zukunft hat.

Von Andreas Kaatz

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