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Nauen Es ist offiziell: Der Wolf ist im Nauener Stadtwald
Lokales Havelland Nauen Es ist offiziell: Der Wolf ist im Nauener Stadtwald
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18:27 29.10.2019
Im Normalfall bleibt er unbemerkt. Nur selten bekommt Jagdpächter Bernd Schulz einen Wolf live zu sehen. Quelle: dpa
Nauen

Auf seinen Touren durch den Nauener Stadtwald ist Jagdpächter Bernd Schulz stets wachsam. Vor rund sechs Jahren fand er erste Hinweise auf den Wolf, heute erfasst ihn die Wildkamera in regelmäßigen Abständen. „Da kann man nicht mehr von Durchzug sprechen. Ich vermute etwa vier bis fünf Stück, die ständig da sind“, sagt Bernd Schulz. Darunter sei sowohl ein 70-Kilo-Rüde, als auch eine Fähe mit ihren Jungen.

Pfotenabdrücke, gerissenes Wild, Begegnungen am helllichten Tag: Der erfahrene Jäger ist sicher, dass der Wolf im Nauener Stadtwald heimisch ist. „Von ihrer Beute bleibt meist nicht viel übrig, Wölfe fressen sogar die Knochen mit. Ich kenne meinen Wildbestand – es hat sich viel verändert“, so Schulz.

Der Wolf jagt schon seit Jahren im Nauener Stadtwald. Regelmäßig wird er von der Wildkamera erfasst. Quelle: privat

Beliebte Brunftplätze seien verwaist, Rehkitze oder Frischlinge würden vom einen auf den anderen Tag verschwinden, auch alte Tiere gebe es kaum noch. „Der Wolfsbestand ist in Brandenburg mittlerweile gesichert und muss reguliert werden, wie alle anderen auch“, fordert der Jagdpächter.

Hunde ziehen immer den Kürzeren

Schäfer und Agrarbetriebe in der Umgebung hätten bereits Konsequenzen gezogen. „Sie gattern ihre Tiere nicht mehr angrenzend an das Revier des Wolfes ein, denn ein Zaun ist für den cleveren Jäger kein Hindernis und auch Hütehunde ziehen immer den Kürzeren“, sagt der Jagdpächter, der seit Jahren Kot- und DNA-Proben von Rissstellen an das Landeslabor schickt.

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Auf der offiziellen Karte des Landesamts für Umwelt, die das Wolfsvorkommen in Brandenburg auflistet, ist der Nauener Stadtwald jedoch lediglich als Beobachtungsraum ausgewiesen. „Nach so vielen Jahren habe ich langsam das Gefühl, dass es nicht gewünscht ist, den tatsächlichen Bestand zu erfassen“, sagt Schulz, der durchaus eine Gefahr darin sieht, dass das Gebiet nicht ausgewiesen ist.

„Sie checken mich ab“

„Viele Menschen gehen in die Pilze oder im Wald spazieren, ohne das Risiko zu kennen. Ohne darüber nachzudenken nehmen sie ihre Hunde mit und werden damit zum Angriffspunkt“, sagt der Jäger.

Die Wölfe hinterlassen im Nauener Stadtwald ihre Spuren. Quelle: privat

Viele Revierförster hätten bereits ihre Tiere an den Wolf verloren, ein Kollege aus Zehdenick habe seinen Hund retten können – er überlebte die Bissverletzungen. „Einen Wolf bemerkt man im Normalfall nicht, ich habe ihn bislang vielleicht zehnmal live gesehen. Sie laufen meist im Abstand von zehn Metern mit mir mit und checken mich ab“, sagt Bernd Schulz, der für den Fall einer Wolfsbegegnung einen wichtigen Tipp gibt:

„Man muss ihm zeigen, dass man ihn gesehen hat und wehrhaft wirken, zum Beispiel indem man ihn anschreit. Im Zweifel kann man auch einen Stein werfen“, so der Jäger. Kinder sollte man keinesfalls aus den Augen lassen. Der Wolf sei kein Kuscheltier und man müsse ihm mit dem nötigen Respekt begegnen, so Schulz.

„Bereits in der derzeit veröffentlichten Karte ist das Gebiet als Beobachtungsraum ,Barnewitzer Heide’ dargestellt. Mittlerweile haben wir für das Gebiet geprüfte Reproduktionsnachweise, sodass in der nächsten Ausgabe der Verbreitungskarte das Vorkommen als Rudel dargestellt wird“, heißt es nun aus dem Landesamt für Umwelt.

Der Wolf in Brandenburg

Der Wolf wurde in weiten Teilen West- und Mitteleuropas im 18. und 19. Jahrhundert ausgerottet.

In Brandenburg erfolgte die erste territoriale Ansiedlung eines Wolfspaares im Jahr 2007. Seitdem ist der Bestand kontinuierlich angewachsen.

Nach Auswertung des Wolfsjahres 2017/2018 waren im Land Brandenburg 26 Rudel und 12 Paare nachweisbar.

Mehr Infos unter www.lfu.brandenburg.de

Aktuell würden Behördenvertreter und Experten die neue Verbreitungskarte des Wolfs in Deutschland abstimmen. „Nach der Veröffentlichung der Deutschlandkarte wird unmittelbar die Aktualisierung der Brandenburgischen Verbreitungskarte Wolf erfolgen, voraussichtlich im November“, sagt ein Sprecher des Landesamtes.

Von Laura Sander

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