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Nauen Aus der alten Brauerei soll ein Schmuckstück werden
Lokales Havelland Nauen Aus der alten Brauerei soll ein Schmuckstück werden
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20:28 11.07.2019
Frank Wittfoth hat eine Menge vor mit dem Gelände der alten Brauerei. Künftig sollen dort Wohnungen entstehen. Quelle: Andreas Kaatz
Nauen

Es ist eine der letzten großen Herausforderungen bei der Sanierung der Nauener Altstadt: die alte Brauerei Kerkow in der Jüdenstraße. Angesichts des schlechten Zustandes der seit über 25 Jahren leer stehenden Gebäude gab es bisher kaum ernsthafte Interessenten.

Vor einiger Zeit schien es dann endlich loszugehen. Ein neuer Eigentümer machte sich an die Planung, dann aber war ihm offenbar das Risiko doch zu groß. Anfang des Jahres hat nun der Potsdamer Projektentwickler Frank Wittfoth das rund 3000 Quadratmeter große Gelände erworben. 

Langjährige Erfahrungen

Wittfoth kennt sich aus mit solchen Projekten, vorrangig in der Landeshauptstadt. „In Potsdam sanieren wir fast ausschließlich Denkmäler, haben auf diesem Gebiet 25 Jahre Erfahrung“, sagt er. So hatte ihn auch der miserable Zustand der Gebäude nicht abgeschreckt.

Die alte Brauerei in Nauen

Die Brauerei Kerkow ist die älteste Brauerei Nauens. Sie war im 18. Jahrhundert eröffnet worden.

1902 übernahm Max Kerkow das Unternehmen von seinem Vater Karl Kerkow.

1945 musste die Brauerei dann geschlossen werden. Die Konkurrenz aus Berlin – wie etwa die Schultheiss Brauerei – war zu groß.

Nach der Wende wurde ein Investor für das Gelände gesucht. Mitte der 90er-Jahre gab es erste Konzepte, wonach auf dem Gelände eine Ladenpassage entstehen könnte.

Für ihn war das Areal nicht ganz neu. Während einer Hofweihnacht vor ein paar Jahren sah er es zum ersten Mal. Dann erfuhr er vor Kurzem, dass das Gebäudeensemble zum Verkauf steht. Nachdem der Sanierungsträger Stadtkontor ihm Fördermittel zugesagt hatte, ging es an die recht langwierigen, aber letztlich erfolgreichen Kaufverhandlungen. Sein Ziel ist es jetzt, dort Wohnungen zu errichten.

Anspruchsvolles Vorhaben

„Es ist eine interessante Anlage und ein anspruchsvolles Vorhaben. Bei anderen Projekten war der Zustand der Gebäude auch nicht viel besser, aber hier haben wir einen hohen Fachwerkanteil. Das ist schon komplizierter. Viele Jahre ist nichts gemacht worden“, sagt Frank Wittfoth. Ein Großteil der Hölzer im Fachwerk muss ausgetauscht werden, „das kostet richtig Zeit“. Die Notwendigkeit dafür geht aus dem Holzschutzgutachten hervor.

Eine Studie, die zeigt, wie es künftig in der Jüdenstraße aussehen könnte. Geplant ist eine geschlossene Straßenfront, indem rechts und links des Fachwerkhauses Neubauten entstehen. Der rechte Bau könnte eine Durchfahrt erhalten. Quelle: Wittfoth Bau GmbH

Das Areal mit dem Industriedenkmal soll entsprechend den denkmalpflegerischen Vorgaben wieder hergestellt werden. Ein Beispiel: „Der markante Schornstein der Mälzerei muss zwingend erhalten bleiben“, sagt Wittfoth. Für ihn aber ohnehin ein Bedürfnis.

Denkmal erleben

Ihm ist wichtig, dass nach der Sanierung zu erkennen ist, dass es sich um ein Industriedenkmal handelt. „Die Menschen sollen das Denkmal erleben können, wenn sie dort hinein gehen“, sagt der Unternehmer. Und dies bleibe nicht nur den Bewohnern vorbehalten, auch für andere soll das Areal zugänglich sein.

Eventuell werden bei der Sanierung architektonische Lösungen mit einfließen, die eine Partnerfirma bei einer Mälzerei in Berlin-Pankow angewandt hatte. Des Weiteren sollen an den Gebäuden fehlende und zerstörte Klinker ergänzt und die vorhandenen, verwitterten Steine mit einem speziellen Verfahren gereinigt werden, so dass die Ursprungsfarbe wieder zum Vorschein kommt.

Auch Neubauten geplant

Und dort, wo sich jetzt Tore und damit große Öffnungen in den Wänden befinden, werden künftig entsprechend große Fenster die frühere Fassadenstruktur aufnehmen – so der Plan.

Blick in den Innenbereich: Diese Variante macht einen Vorschlag zur Gestaltung des westlichen Bereichs, wo auch wenige Parkplätze vorgesehen sind. Quelle: Wittfoth Bau GmbH

Aber es soll nicht nur saniert, sondern in einem gewissen Rahmen auch neu gebaut werden. So ist vorgesehen, die beiden Lücken an der Jüdenstraße – rechts und links des Fachwerkwohnhauses – zu bebauen, so dass eine geschlossene Straßenfront entsteht.

Ein Grundstück für Parkplätze gesucht

Rechter Hand des Fachwerkgebäudes – von der Straße aus gesehen – ist eine Durchfahrt geplant, so dass man mit Pkws auf das Gelände kommt. Darüber hinaus ist vorgesehen, entlang der Grundstücksgrenze zum ASB-Seniorenzentrum einen Neubau zu errichten. Dieser wird in seiner Form angelehnt an den Vorgängerbau, der dort stand und zwischenzeitlich wegen seines baufälligen Zustandes abgerissen worden ist.

Diesen marode Gebäude ist mittlerweile abgerissen worden. An dessen Stelle könnte ein Neubau entstehen. Quelle: Wittfoth Bau GmbH

Ein großes Problem hat Frank Wittfoth aber noch: Es fehlen Parkplätze. „Wir können auf dem Gelände selbst nur ein paar Stellplätze anordnen, sind dazu mit der Denkmalpflege im Gespräch.“ So hofft er darauf, dass er in einem Umkreis von bis zu 300 Metern ein Grundstück findet, auf dem die anderen künftigen Bewohner der Brauerei ihre Autos parken können.

Baugenehmigungen werden angepasst

Für die Sanierung der vorhandenen Gebäude liegen schon Baugenehmigungen vor. Diese sollen nun angepasst werden, wie Wittfoth sagt. Damit man sich die künftige Gestaltung des Areals besser vorstellen kann, hat er erste Zeichnungen anfertigen lassen, mit denen er in die Abstimmungsgespräche mit den Behörden geht. Diese Studien vermitteln schon mal einen Eindruck davon, wie die Bebauung erfolgen könnte.

„Wir hoffen, im letzten Quartal dieses Jahres die Baugenehmigung zu haben und würden dann Ende des Jahres mit den Bauarbeiten anfangen“, blickt Frank Wittfoth voraus. Bis zum Jahre 2021 soll das Vorhaben abgeschlossen sein.

Von Andreas Kaatz

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