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Nauen Giftköder gegen Katzenplage: Kater Franz überlebt in Nauen nur knapp
Lokales Havelland Nauen Giftköder gegen Katzenplage: Kater Franz überlebt in Nauen nur knapp
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01:05 19.05.2019
Kater Franz wurde in Nauen vom Tier- und Naturschutzbund Berlin-Brandenburg gerettet. Er wurde vergiftet. Nun ist er auf dem Weg der Besserung, aber er ist erblindet. Quelle: TNBB
Nauen

Kaum jemand findet sie so süß oder lustig, wie die Katzen auf Youtube. In Nauen will niemand die Katzen aus der Waldemarstraße knuddeln. Ganz im Gegenteil: Anwohner beschweren sich über eine Katzenplage. Weil sie sich mit dem Problem allein gelassen fühlen, hat jemand zu drastischen Methoden gegriffen und Giftköder ausgelegt. Kater Franz hat seine Mahlzeit nur knapp überlebt.

„Hier sind bis zu 40 Katzen unterwegs. Im Sommer kann man wegen des Gestanks nicht mehr im Garten Kaffee trinken“, klagt Anwohner André Timreck. Kot, Urin, sogar frisch geworfene Babykatzen hätte er schon in seinem Garten gefunden. „Die Katzen sind scheu. Einige sind verwahrlost, haben Würmer und viele sind nicht geimpft“, sagt er. Das ärgert auch andere Anwohner so.

Überall ist Kot und Urin

Die Rede ist von Katzen, die von einem anliegenden Grundstück kommen sollen. Dort füttert eine 92-jährige Frau zwei Mal täglich ihre eigenen, aber auch wilde Katzen. Das führe dazu, dass sich die Katzen dort sammelten und wild fortpflanzen würden, heißt es von mehreren Nachbarn. „Sie sind überall! Und überall ist Kot!“, regt sich eine Nachbarin auf. Die Familie war für die MAZ bis zur Veröffentlichung nicht erreichbar.

Weil weder die Frau mit den Katzen, noch ihr Sohn etwas gegen das Problem unternahmen, wandte sich Timreck an das Veterinäramt. Die Behörde sieht aber keinen Handlungsbedarf: „Der Tierhalter füttert etwa 15 Katzen. Sie wiesen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf“, heißt es aus dem Veterinäramt des Landkreises Havelland. Auch den Katzenwelpen ginge es gut.

„Die Katzen können ihr angeborenes Verhalten und ihr Bedürfnis nach eigenständiger und autonomer Lebensführung ausleben“, heißt es aus dem Veterinäramt. Es läge kein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor.

Kater Franz frisst Giftköder

„Wenn die Stadt Nauen nicht bald etwas unternimmt, dann muss man es halt selbst lösen“, kommentiert Timreck einen Facebook-Beitrag des Tier- und Naturschutzbunds Berlin-Brandenburg (TNBB). Eine konkrete Lösung gibt er in dem Kommentar nicht an.

Kurz zuvor hatte es Kater Franz schwer erwischt. Ein Youtubevideo zeigt, wie Gary Koch vom TNBB den verwahrlosten Kater von Timrecks Grundstück holt. Franz bewegt sich kaum, hat Husten und eine verletzte Pfote.

„Wir haben ihn behandelt, aber wussten nicht, was er hat“, sagt Gary Koch. Während Franz um sein Leben kämpfte, stellte der TNBB Fallen auf, um weitere Katzen einzufangen und sie zu kastrieren. Timreck hofft auf eine Lösung der Katzenplage. Koch sieht nicht den TNBB, sondern die Stadt in der Verantwortung das Problem zu lösen.

Konflikt eskaliert

Für Timreck passiert zu wenig. In einem Telefonat mit Gary Koch eskaliert die Situation. Laut Koch sollen Beleidigungen und ein Geständnis gefallen sein. „Er hat gesagt, dass er Giftköder ausgelegt hat“, sagt Koch. Timreck widerspricht dem auf Anfrage der MAZ: „Ich habe gesagt, das andere Menschen schon Giftköder ausgelegt hätten“, erklärt er. Ein Streit, der auch auf Facebook ausgetragen wurde.

Die Fakten

Was wir wissen: Koch hat die Katze auf eine Vergiftung testen lassen, bei dem das Beruhigungsmittel Ketamin und ein Rattengift festgestellt wurden. Der Laborbericht liegt der MAZ vor. Auch bei der Polizeidirektion West liegt eine Anzeige vor, die sich mit der Vergiftung einer Katze beschäftigt.

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Unklar ist, wer dahinter steckt. „Die Anzeige lässt viele Fragen offen. Für die gezogenen Schlussfolgerungen fehlt jegliche Beweislage“, sagt Ilona Pagel, Fachbereichsleiterin Ordnung und Sicherheit der Stadt Nauen. Es könne auch andere Gründe für diese Vergiftung geben.

Die Lösung: Kastration

André Timreck beteuert, er habe Respekt vor den Katzen. „Wir wünschen uns nur, dass das Veterinäramt die Familie überzeugt, die Katzen zu kastrieren“, sagt er. Zumindest hier stimmt Gary Koch mit Timreck überein: „Wir brauchen eine verpflichtende Kennzeichen- und Kastrationspflicht für frei laufende Katzen“, erklärt er. Verantwortlich fühlt sich dafür niemand.

Kater Franz wurde in Nauen vom Tier- und Naturschutzbund Berlin-Brandenburg gerettet. Er wurde vergiftet. Es geht ihm besser, aber ist erblindet. Quelle: TNBB

Kater Franz sei auf dem Weg der Besserung. Er habe keine epileptischen Anfälle mehr, sei dafür aber erblindet. Die komplette Entgiftung wird noch einige Wochen brauchen.

Von Jan Russezki

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