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Nauen Die Auftragslage beim Handwerk ist gut
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19:39 11.02.2020
Robert Wüst (Mitte), Präsident der Handwerkskammer Potsdam, ließ sich von Tobias Günnel (r.) in Groß Behnitz die Arbeiten an einem Pkw erklären. Ein Zahnriemen wurde gewechselt. Quelle: Andreas Kaatz
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Nauen/Wustermark

Wie vielen anderen Handwerksbetrieben im Havelland geht es auch der Firma Metallbau Kreiß in Wustermark derzeit gut. Die Auftragslage stimmt. Das erfuhren Vorstandsmitglied Birgit Behr sowie Geschäftsführer Tilo Jänsch von der Handwerkskammer Potsdam bei ihrem Besuch am Dienstag.

„Im Moment kann sich gerade niemand beschweren“, sagte Inhaberin Sabrina Kreiß zufrieden. Zu tun gibt es auch bei ihr genug. Ein knappes halbes Jahr müssen die Kunden warten, wenn sie jetzt einen Auftrag auslösen.

Bewerbungen leider selten

Die 38-Jährige leitet den Betrieb seit mehr als zehn Jahren, hatte ihn 2009 von ihrem Vater übernommen. Und es macht ihr wie am ersten Tag immer noch Spaß. „Wir haben nur zu wenig Leute. Dass sich jemand bewirbt, ist selten“, bedauert Sabrina Kreiß, die auch gerne ausbilden würde. Doch es fehlt bisher an geeigneten Bewerbern. Momentan hat sie drei Mitarbeiter. „Aber es waren auch schon mal sechs.“

Zahlen zum Handwerk

Die Handwerkskammer Potsdam ist zuständig für die Landkreise Havelland, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark, Prignitz und Teltow-Fläming sowie für die kreisfreien Stände Potsdam und Brandenburg an der Havel.

Die Kammer ist Interessenvertretung von insgesamt rund 17 400 Mitgliedsbetrieben und ihren mehr als 70 500 Beschäftigten in mehr als 150 Gewerken.

Zu den Mitgliedsunternehmen gehören Handwerksbetriebe aller Branchen – vor allem aus dem Bau- und Ausbaugewerbe, Elektro und Metall, Holz, Bekleidung und Textil, Gesundheit, Reinigung und Nahrungsmittel.

Die Kreishandwerkerschaft Havelland umfasst mit Stand 31. Dezember 2019 insgesamt 2324 Betriebe. Davon gehören 1267 dem zulassungspflichtigen Handwerk an und 609 dem zulassungsfreien.

Den größten Anteil nehmen die Maurer und Betonbauer mit 165 ein, gefolgt von Elektrotechnik (146) und Kfz-Technik (137).

Hinzu kommen unter anderem Metallbauer (66) und Tischler (60).

„Wir machen die Betriebsbesuche jetzt seit vielen Jahren“, sagt Birgit Behr, die ehrenamtlich im Vorstand mitarbeitet. „Wir wollen an die Basis, um zu hören, wo es eventuell Probleme und Sorgen gibt.“ Das möchte man dann in den Vorstand mitnehmen. „Der Austausch mit den Betrieben ist für uns sehr wichtig“, ergänzte Tilo Jänsch.

Beratungen im Angebot

Dabei wird auch immer wieder auf die Serviceangebote der Handwerkskammer hingewiesen. Neben Rechts- und Betriebsberatungen gehören dazu die Unterstützung bei Existenzgründungen. Die hatte damals auch Sabrina Kreiß in Anspruch genommen, wie sie sagt.

Ein Kunde hat eine Paketbox bestellt. Birgit Behr (l.) und Tilo Jänsch ließen sich von Sabrina Kreiß erklären, was bei der Herstellung alles zu beachten ist. Quelle: Andreas Kaatz

Und was nicht so häufig vorkommt: Sie hat als Frau gleich zwei Meister in Männerdomänen gemacht. Als erstes lernte sie Kfz-Mechanikerin und ließ dann den Meisterlehrgang folgen. Daran schloss sich später der Metallbau-Meister an.

Jeder Tag ist anders

Der Betrieb auf dem alten LPG-Gelände besteht jetzt seit 30 Jahren. „Jeder Tag ist anders. Man kann kaum planen“, sagt die Inhaberin. Die Firma macht fast alles, hat unter anderem auch viele Kunden im GVZ Wustermark. „Da reparieren wir beispielsweise die Tore, wenn mal wieder ein Lkw dagegen gefahren ist. Aber auch, wenn der Bauer mit der kaputten Egge kommt, helfen wir“, sagt Sabrina Kreiß.

Birgit Behr und Tilo Jänsch sahen bei ihrem Besuch die jüngste Konjunkturumfrage bestätigt. 96,6 Prozent der Unternehmen waren mit ihrer Situation zufrieden. Das gilt vor allem fürs Bauhandwerk. So konnte auch Olaf Bubath von der Falkenseer Firma Die Zwei Bausanierungen GmbH nicht klagen, wie die beiden Vertreter der Handwerkskammer berichteten. Drei bis sechs Monate würde es dauern, bis die Firma mit elf Mitarbeitern wieder Zeit für einen neuen Auftrag hat. „Er konnte gerade zwei Mitarbeiter einstellen und bezeichnete dies als Lottogewinn“, sagte Jänsch.

Drei Teams waren unterwegs

Drei Teams der Handwerkskammer hatten Betriebe im Havelland besucht. Präsident Robert Wüst war als erstes in der Fleischerei der Agrargenossenschaft Gülpe sowie bei ISE in Rathenow. Als Letztes schaute er bei der Firma Boxenstopp in Groß Behnitz vorbei und informierte sich dort bei Tobias Günnel.

Der im August 2006 gegründete Kfz-Betrieb mit seinen sieben Mitarbeitern hat viel zu tun. Dafür sorgen allein schon rund 1500 Stammkunden. „Wir könnten locker noch zwei Mitarbeiter einstellen“, sagt er. Das Problem jedoch ist: Es fehlt an Platz. Die Werkstatt ist viel zu klein. Und auch wenn sich Günnel grundsätzlich in Groß Behnitz wohlfühlt, so hält er deshalb immer die Augen nach einem neuen Standort offen. Bisher konnte er aber noch nichts Geeignetes finden.

Es fehlt an Bewerbern

Ein anderes Problem begegnet ihm nicht nur als Chef, sondern auch als Prüfer für das Kfz-Handwerk. „Der Beruf des Kfz-Mechatronikers wird immer komplexer“, sagt er. Doch es fehle zunehmend an geeigneten Bewerbern. Die Leistungen reichten oft nicht aus. „Die Auszubildenden fallen deshalb reihenweise durch die Prüfung. Das Schwierige an dem Beruf ist nämlich die Fehlerdiagnose“, sagt er.

Günnel spricht sich darum dafür aus, dass separat der Beruf des Servicetechnikers ausgebildet wird mit Schwerpunkt auf mechanische Arbeiten. Zudem sollte wegen des notwendigen Spezialwissens auch wieder der Kfz-Elektriker eingeführt werden.

Vorerst wird es nicht schlechter

Robert Wüst denkt, dass die Auftragslage im Handwerk perspektivisch erst einmal nicht viel schlechter werden wird. Für die Betriebe gehe es darum, ihre Mitarbeiter zu halten und zu qualifizieren.

Während die Betriebe im Baugewerbe derzeit sehr zufrieden sind, treffe dies auf die Nahrungsmittelbranche weniger zu. Dies hänge auch damit zusammen, dass es dort schwieriger als für andere ist, an Fachkräfte zu kommen. Beispiele seien Fleischer und Bäcker.

Von Andreas Kaatz

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