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Nauen Für den „Grünen Baum“ ist es fünf vor zwölf
Lokales Havelland Nauen Für den „Grünen Baum“ ist es fünf vor zwölf
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20:18 01.07.2019
Ortsvorsteher Ralph Bluhm und Käthe Zeidler mit dem alten Schild, das über der Eingangstür hing. Dafür wird jetzt noch ein würdiger Platz gesucht. Alle beide hoffen, dass sich ein Retter für die frühere Gaststätte findet, bevor sie endgültig zusammen bricht. Quelle: Andreas Kaatz
Markee

Es wirkte wie ein Hilfeschrei, die ehemalige Gaststätte „Grüner Baum“ schien auf sich und ihr Schicksal aufmerksam machen zu wollen. „Wir kamen Karfreitag gerade vom Gottesdienst aus der Kirche, als es plötzlich knallte“, erinnert sich Ralph Bluhm an den bewussten Nachmittag. Schnell wurde klar: An der Ruine mitten im Ort musste etwas geschehen sein. Der Verdacht bestätigte sich: Das Dach war teilweise eingestürzt und hatte den Giebel mitgerissen.

Nicht nur dem Ortsvorsteher tut es in der Seele leid, was aus dem einstigen Dorfmittelpunkt geworden ist. Seit kurz nach der Wende steht das Haus leer und verfällt jetzt immer mehr. „Ich hoffe, dass der ’Grüne Baum’ irgendwann wieder eine wichtige Stätte in Markee wird“, sagt er. Das Dorf beziehungsweise die Stadt Nauen kann da aber nichts machen, das Gebäude befindet sich in Privateigentum.

Viele Erinnerungen

Auch Käthe Zeidler hofft, dass das Haus noch zu retten ist. Die Markeerin verbindet viele persönliche Erinnerungen mit dem Haus – seit ihrer Kindheit. „Wenn es um die Gaststätte geht, dann bin ich Feuer und Flamme“, schwärmt sie. Sie steht immer noch in Verbindung mit der heute in der Schweiz lebenden Eigentümerin, kennt sie noch von damals.

Die Freundin kam jedes Jahr in den Ferien zu ihrem Großvater zu Besuch. Der war der Chef vom „Grünen Baum“, Herrmann Schrobsdorff. „Ein Wirt, wie er im Buche steht“, meint Käthe Zeidler rückblickend. Selbst Klavier spielen konnte er. Da ihre Tante in der Gaststätte arbeitete, war sie als Kind viel da, machte dort ihre Schularbeiten. „Ich bin da groß geworden.“

Der Konsum übernahm das Lokal

Im Jahre 1957 sei der Gastwirt gestorben, erinnert sich Käthe Zeidler. Ihre Tante und eine weitere Angestellte hätten dann erst einmal den Betrieb aufrecht erhalten, bevor der Konsum die Gaststätte übernahm und die beiden Frauen anstellte. „Noch zu DDR-Zeiten führte dann meine Schwester die Gaststätte weiter“, berichtet die ehemalige Lehrerin. Dies sei bis zur Wende so gegangen.

Zuletzt habe jemand die Gaststätte gepachtet, um dort unter anderem Spielautomaten aufzustellen, sagt sie. Doch schon kurz nach der Wende war Schluss. „Der Grund waren die ungenügenden hygienischen Bedingungen. Es fand sich niemand, der das in Ordnung brachte“, weiß Käthe Zeidler zu berichten. So hätte die Küche modernisiert werden müssen.

Ordentlich was los

Weil sie bei Veranstaltungen neben ihrer eigentlichen Arbeit immer mal ausgeholfen hat, weiß sie, dass in der Gaststätte immer ordentlich etwas los war. „Ja, in der DDR gab es auch schöne Feste. So wurden Hochzeiten und Jugendweihen dort gefeiert. Und ganz Markee ging zum Maitanz in den Grünen Baum.“

Natürlich passierte auch zum Frauentag eine Menge im Saal, der 80 bis 100 Leute fasste. „Da haben sich die Männer ordentlich in Schale geworfen und die Frauen mit Kaffee und Kuchen bedient“, sagt sie schmunzelnd. Stimmung herrschte dort auch jedes Mal am 7. Oktober oder wenn die Fußballer Weihnachten feierten. „Da hatte jede Frau ein neues Kleid an, und als Preise bei der Tombola gab es beispielsweise eine Wurst, ein Kaffeeservice oder eine Gans.“

Dreharbeiten für Polizeiruf

Nachdem man die Gaststätte 1992 geschlossen hatte, wurde sie anschließend nur noch ein einziges Mal geöffnet – nämlich als die Filmleute Einzug hielten und dort Szenen für den Polizeiruf „Alte Freunde“ drehten. Aus Markee wurde kurzerhand Bandelwitz, wo ein Mord geschehen war. Außerdem verschwand der Engel aus der Markeer Kirche, und im „Grünen Baum“ herrschte noch einmal richtig Kneipenstimmung.

Dass dort wieder Leben einzieht – in welcher Form auch immer –, wünscht sich auch Käthe Zeidler. Und sie weiß, dass es ihrer Freundin genauso geht. „Es wäre mein größter Wunsch, dass es wieder ordentlich gemacht wird.“ So ruft Ortsvorsteher Ralph Bluhm dazu auf, sich Gedanken zu machen. „Ideen sind gern gesehen für diesen Ort mit so viel Geschichte. Wir suchen eine neue Nutzung – von einer Kulturscheune bis hin zum Kindergarten“, sagt er.

Von Andreas Kaatz

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