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Nauen Kirche Groß Behnitz: Wo berühmte Gebeine ruhen
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Kirche Groß Behnitz: wo berühmte Gebeine ruhen

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21:34 07.01.2021
Die Kirche von Groß Behnitz soll 2021 wieder ein lebendiger Ort mit Gottesdiensten, Festen, Konzerten und Veranstaltungen werden – falls Corona endlich gebannt ist.
Die Kirche von Groß Behnitz soll 2021 wieder ein lebendiger Ort mit Gottesdiensten, Festen, Konzerten und Veranstaltungen werden – falls Corona endlich gebannt ist.
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Groß Behnitz

Wenn die Gläubigen aus Groß Behnitz einen Wunsch für 2021 frei hätten, würden sie sich wünschen, dass die Sanierung ihrer alten Dorfkirche weiter auf den Weg gebracht wird. Und wie es derzeit aussieht, wird der Wunsch wohl in Erfüllung gehen: „Der Plan ist, Anfang 2021 weitere Fördermittel für die Kirchen-Sanierung zu beantragen“, sagt Pfarrer Ulrich Baller. „Der Kirchenkreis und die Landeskirche haben das Projekt bereits befürwortet.“

Geplant ist, den mit Feuchtigkeit belasteten Außen- und Innenputz vom Kirchenschiff abzuschlagen und zu erneuern. „Auch die Umfassungsmauer des Borsig-Mausoleums inklusive der beiden Torbögen soll saniert werden“, sagt der Pfarrer, genau wie die vom Holzwurm geplagten Mahagoni-Kirchenbänke.

Ein Teil des sanierten Mausoleums an der Kirche von Groß Behnitz – mit dem dahinterliegenden Friedhof und der neuen Urnengemeinschaftsanlage. Quelle: Jeannette Hix

Laut eines aktualisierten Gutachtens des Ingenieurbüros für Baustatik und Sanierungsplanung (IBS) aus Hoppegarten würde diese Sanierung rund 500.000 Euro kosten. Rund 75 Prozent der Summe könnten dabei aus EU-Töpfen kommen – den Rest würden der Kirchenkreis Nauen-Rathenow, die Landeskirche, der Denkmalschutz und die Kirchengemeinde drauflegen, so Pfarrer Ulrich Baller.

Bereits 2003 war mit einer 55.000-Euro-Spende von Manfred von Borsig die erste Sanierung der Mauereinfassung des denkmalgeschützten Borsig-Mausoleums begonnen worden. Allerdings musste aufgrund verschiedener Ursachen erheblich nachgebessert werden. Vor zwei Jahren starteten erneut die Bauarbeiten.

Hell und freundlich ist es im Kirchenschiff – der feuchte Putz innen und außen soll mit Hilfe von Fördermitteln erneuert werden. Geplant ist auch, die edlen Mahagoni-Bänke zu sanieren. Quelle: Jeannette Hix

Schon viele Umbauten wurden im Laufe der Jahrhunderte an der Kirche in der Behnitzer Dorfstraße 44 vorgenommen. Unter ihren Mauern sollen die Gebeine von Patronatsfamilien wie von Rhetz, von Gersdorff und von Itzenplitz liegen. Die Familie von Albert Borsig, der 1866 das Rittergut rund um die Kirche erworben hatte, ist an der Kirchenmauer begraben. Auf dem angrenzenden Friedhof finden auch heute noch Groß Behnitzer ihre letzte Ruhe.

Auf dem gepflegten Friedhof ist noch Platz für die letzte Ruhe. Quelle: Jeannette Hix

Die Dorfkirche im Herzen von Groß Behnitz geht wohl auf einen spätmittelalterlichen Vorgängerbau im 12. Jahrhundert zurück, den man um 1555 instandgesetzt hatte. Um 1373 soll Groß Behnitz erstmals als „Magna Bentz“ erwähnt worden sein. 1000 Taler ließ um 1709 Catherine Elisabeth von Rhetz springen, damit der Kirchturm gebaut werden konnte. Am 5. Juni 1709 wurde der Grundstein dafür gelegt.

Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts bekam die Kirche dann ihre Korbbogenfenster und eine neue Putzfassade. 1824 ließ Patron Peter Alexander Graf von Itzenplitz den Turm erneuern. Auch ein neuer Altar, eine Empore, Orgel und Kanzel wurden aufgestellt. „Ihr heutiges Aussehen bekam die Kirche dann 1922/23, als Patronatsherr Ernst von Borsig sie umbauen ließ“, sagt Rita Jung (65), Vorsitzende vom Heimatverein Groß Behnitz. „Nur die Grundmauern blieben damals stehen.“

Auch Führungen werden in und um die Kirche angeboten. Quelle: Jeannette Hix

So wurde der Eingang von der Nord- auf die Westseite verlegt. Die Sakristei bekam einen Eingang von außen und eine Wendeltreppe führte zur Kanzel. Das Harmonium verlegte man auf die Empore. „Spielen kann man darauf derzeit leider nicht – es ist kaputt. Zu den Gottesdiensten alle zwei Wochen wird dann die kleine Orgel vor dem Altar bespielt“, sagt Rita Jung.

Vor dem Umbau durch die Borsigs sei die Kirche auch viel kleiner gewesen, ist zu erfahren. „Den Altarraum ließen die Borsigs erst anbauen. Vorher endete an dieser Stelle die Kirche“, sagt die Vorsitzende des Heimatvereins.

Die Borsigs bauten die Behnitzer Kirche um

Die Borsigs verpassten der Kirche im Rahmen des Umbaus praktisch eine neobarocke Hülle. Am 3. September 1923 wurde Einweihung gefeiert. Noch im selben Jahr bekam die Kirche ihren Stromanschluss. Damals erhielt auch der Glockenturm die glockenförmige Haube mit schlanker Pyramidenspitze, und am Übergang zwischen Kirchenschiff und Chor wurde ein Rundbau mit Spitzkuppeldach angebaut – genau gegenüber der Patronatsloge.

„1982 hat man den Knauf des Kirchturmes erneut abgenommen und das Kirchendach mit Kupfer eingedeckt. Auch die Wetterfahne wurde damals neu aus Kupfer gefertigt“, sagt Rita Jung. Einen goldenen Mantel bekam der Stern auf der Turmspitze.

Kunstvoll ist die Orgel verziert. Sie müsste dringend saniert werden. Quelle: Jeannette Hix

Eingefleischte Groß Behnitzer werden sich vielleicht noch erinnern, dass 1985 das Gemeindehaus eingeweiht wurde. Dank des 2016 gegründeten Fördervereins der Kirche mit seinen 13 Mitgliedern gibt es jetzt dort einen barrierefreien Zugang.

1987 bekam die Kirche wieder einen neuen Putzmantel. Wie man heute weiß, hatte man damals zu DDR-Zeiten wohl ein falsches Mischungsverhältnis, so dass der Putz für Feuchtigkeit anfällig ist.

Von einst drei Bronzeglocken blieb nur die kleinste mit einem Durchmesser von 67 Zentimetern bis 1942 erhalten. Eine Glocke wurde 1834 umgegossen und die andere wurde 1917 zu „Kanonenfutter“.

2021 sollen auch wieder Konzerte starten

Heute rufen zwei – einst von den Borsigs gestiftete – Stahlgussglocken alle zwei Wochen sonntags um 9 beziehungsweise um 10.30 Uhr zum Gottesdienst mit Pfarrer Baller. Dass der festliche Weihnachtsgottesdienst aufgrund von Corona ausfallen musste, bedauern die Groß Behnitzer.

Die etwa 150 Mitglieder der Kirchengemeinde hoffen nun, dass 2021 wieder traditionelle Veranstaltungen wie das Erntedankfest stattfinden dürfen. Auch die Kirchentreffen, Seniorennachmittage und die gemütlichen Zusammenkünfte, zum Beispiel anlässlich von Geburtstagen, vermisse man. Man hoffe auch, dass der feierliche Gottesdienst zu Ostern stattfinden darf.

Im Eingangsbereich der jahrhundertealten Kirche von Groß Behnitz. Quelle: Jeannette Hix

Trotz der Corona-Pandemie sehe man 2021 positiv entgegen. „Wir haben bereits für Veranstaltungen wie ,Musikschulen öffnen Kirchen’ im Mai Vorgespräche geführt“, sagt Angela Raband (60), Vorstand vom Förderverein Kirche Groß Behnitz und Mitglied im Gemeindekirchenrat. Auch an der Landpartie wolle man wieder teilnehmen und am Tag des offenen Denkmals sowieso. Auch einen ökumenischen Chor wolle man nach Groß Behnitz holen. Die Kontakte seien schon geknüpft.

Gibt es bald einen Pilgerweg von Ribbeck nach Groß Behnitz?

Und wenn der geplante Pilgerweg von Ribbeck nach Groß Behnitz samt fünf Sehenswürdigkeiten an der sechs Kilometer langen Strecke irgendwann errichtet ist, finden bestimmt noch mehr Menschen den Weg in die Kirche von Groß Behnitz.

Von Jeannette Hix