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Nauen Musikfestspiele starten in die 20. Saison
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14:51 16.02.2020
Marco Reiß spielte zur Eröffnung der Havelländischen Musikfestspiele 2020 im Schloss Kleßen. Quelle: Marlies Schnaibel
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Kleßen

Der Shootingstar der Havelländischen Musikfestspiele ist 89 Jahre alt. Georg Wasser spielte einen mitreißenden Querschnitt aus Jazzstandards. Mit freundlicher Gelassenheit nahm er Beifall und Blumen, Jubel und Trubel hin. Es war der furiose Abschluss eines Konzertes im Schloss Kleßen, mit dem die Havelländischen Musikfestspiele in ihre 20. Saison gestartet sind.

Auftakt im Gartensaal

Im eleganten Gartensaal des Schlosses war am Samstagnachmittag jeder Platz besetzt. Die Musikfestspiele hatten mit dem Programm Rückblick und Ausblick vereint. Madleen Fox, seit 2015 Geschäftsführerin der Havelländischen Musikfestspiele gGmbH, begrüßte die Gäste. Ihr Vater Frank Wasser hatte die Musikreihe 2001 ins Leben gerufen, das Auftaktkonzert fand damals im Rathaussaal von Falkensee statt. Wasser erinnerte an die Anfänge, als er mit der Vision einer solchen Musikreihe zum damaligen Landrat Burkhard Schröder ging und der sagte: „Ja, das machen wir.“

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Die 20. Saison der Havelländischen Musikfestspiele begann mit einem Konzert im Schloss Kleßen. Der Nachmittag schlug den Bogen von der Klassik bis zum Pop.

Der Landkreis ist einer der wichtigen Förderer der Musikfestspiele. Schröders Nachfolger Roger Lewandowski machte in einem kleinen Grußwort am Sonnabend auch deutlich, warum der Landkreis sich hier engagiert. Er lobte die Symbiose, in der sich hochkarätige Künstler und besondere Spielorte im Havelland vereinen.

Touristischer Effekt

„Das hat einen touristischen Effekt“, sagte Roger Lewandowski, nicht umsonst hatten die Havelländischen Musikfestspiele 2015 den Tourismuspreis des Landes bekommen. Er danke auch Familie Thiedig, die ihr Haus für Konzerte öffnet und damit dafür sorgt, dass die Zuhörer an „solchen Orten magische Momente erleben können“.

Mit Schubert und Schumann

Nach den erfrischend kurz gehaltenen offiziellen Worten ging es dann um die Musik. Dabei hatten die Veranstalter sich Gäste eingeladen, die der Musikreihe schon seit Jahren verbunden sind. Zum Auftakt begleitete der Pianist Frank Wasser den Sänger Christoph von Weitzel, der mit seiner wohltönenden Baritonstimme klassisches Liedgut des 19. Jahrhunderts darbot, als Schubert- und Schumannlieder die Salons bestimmten. Beim bekannten „Das Wandern ist des Müllers Lust“ hatte er sichtlichen Spaß an der Zeile „Vom Wasser haben wir’s gelernt“. Im Anschluss setzte sich Geiger Marco Reiß mit Liedern von de Falla und Piazzolla bestens in Szene.

Nach der Pause ein stilistischer Wechsel. Die beiden Pianisten Ulrike Mai und Lutz Gerlach schlugen gekonnt den Bogen von der Klassik zum Jazz und Pop. Dabei holten sie Musik von Debussy und Smetana ins Havelland. Geradezu lustvoll demontierte Lutz Gerlach Wagners Walkürenritt zu einer Hommage an die Frauenpower.

Begeisterter Klavierspieler

Zum Abschluss dann Georg Wasser, der nach dem Konzert viele Fragen zur Musik und zu seiner Familie beantworten musste. Er stammt aus einer Familie mit langer Musiktradition, sein Vater war Organist. Georg Wasser selbst war ein begeisterter Klavierspieler, hatte sich aber für den Beruf des Chemie-Ingenieurs entschieden. Er war gewissermaßen der erste Lehrer von Frank Wasser. Seinem Sohn hat er bei dessen Berufswahl nie im Wege gestanden mit etwaigen Mahnungen „Lerne besser einen anständigen Beruf“.

Und auch die Entwicklung der Havelländischen Musikfestspiele hat Georg Wasser unterstützt. Dabei war der Anfang nicht einfach, wie Frank Wasser gestand. „Da waren wir manchmal froh, wenn wir auf zwölf Zuhörer kamen“, erzählte er von den Anfängen vor zwanzig Jahren. Aber diese Zeiten sind längst vorbei. Die Musikfestspiele haben sich zu einer festen, qualitätvollen Konstante im Kulturleben der Region entwickelt.

Dank an Sponsoren und Partner

Dank des Engagements der Familie Wasser, aber auch dank Sponsoren und Partner, die ihre Häuser für die Konzerte öffnen. Rund 600 Konzerte gab es in den letzten Jahren, eines musste ausfallen.

Termine für Musikfreunde

Werke von Bach, Friedrich II., Mozart und Mendelssohn Bartholdy erklingen am 1. März im Schloss Reckahn, dann eröffnen die Havelländischen Musikfestspiele ihre Saison für Potsdam-Mittelmark. Das Havelland-Ensemble spielt.

Ein Kammerkonzert in der Besetzung Bratsche und Klavier findet am 22. März auf Schloss Ribbeck statt. Daniel Mögelin und Frank Wasser spielen Werke von Bach, Britten und Schostakowitsch.

Auf Schloss Nennhausen sind am 28. März Studenten der UdK Berlin zu hören. Sie geben ein Konzert für Klarinette, Violoncello und Klavier mit Werke von Schumann und Brahms.

„Beethoven im Havelland“ ist eine Konzertreihe 2020 überschrieben. Sie beginnt am 4. April auf Schloss Rogäsen mit dem italienischen Pianisten Roberto Issoglio.

Für dieses Jahr stehen 34 Konzerte im Spielplan. Die musikalischen Gäste des Eröffnungskonzertes sind dann auch noch mal zu hören – in Päwesin, Nennhausen und Jerichow. Und ein richtig großes Jubiläumskonzert „20 Jahre Havelländische Musikfestspiele“ wird es am 21. Juni im Schlossgarten von Schloss Ribbeck geben.

Von Marlies Schnaibel