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02:29 27.04.2018
Nervig für die Anwohner: Tag und Nacht fahren Lkws über das alte Pflaster in der Ortslage von Markee. Quelle: Tanja M. Marotzke
Nauen

Am Ende war es einstimmig. Nauens Stadtverordnete haben am Montag die Planung zum Gewerbegebiet „Markau Süd“ gestoppt. Sie hoben die Beschlüsse zur Änderung des Flächennutzungsplanes und zur Aufstellung eines Bebauungsplanes auf. Damit wurde eine Entscheidung vollzogen, die Bürgermeister Manuel Meger (LWN) vor wenigen Tagen bereits angekündigt hatte.

Meger erinnerte zuvor daran, dass die Stadtverordneten zwar dem Planverfahren ursprünglich zugestimmt hatten, aber nur unter einer Voraussetzung: Der Ortsteil Markee soll nicht mit wesentlich mehr Verkehr belastet werden beziehungsweise die Ortsdurchfahrt Markee soll baulich verbessert werden. Zu einer Lösung ist es letztlich nicht gekommen. Mehrere Abstimmungsrunden mit Planern, Vertretern des Landkreises, des Landesbetriebes Straßenwesen und der Landesregierung führten nicht zum Erfolg.

Firma Mosolf will Gewerbegebiet ausweiten

Wie berichtet, plant die Firma Mosolf eine Ausweiterung ihrer Gewerbeflächen in Etzin auf den benachbarten Bereich Neugarten/Röthehof, der auf Nauener Gemarkung liegt. Die Stadtgremien hatten dem zugestimmt, aber nur unter der Voraussetzung, dass eine Ortsumfahrung um Wernitz gebaut wird, die den zusätzlichen Verkehr aufnimmt und beide Ortslagen entlasten soll.

Der Landkreis gab danach eine Verkehrsuntersuchung in Auftrag. Die hatte unter anderem zum Ergebnis, dass die Verkehrsbelastung in Markee von jetzt knapp 2000 Fahrzeugen pro Tag auf rund 3000 steigen würde, wie es hieß.

5000 Fahrzeuge am Tag

Dann machte die Gemeinsame Landesplanung die Forderung auf, dass es die Umgehungsstraße nur dann gibt, wenn statt eines Gewerbegebietes von rund 68 Hektar auf Nauener Gebiet ein gewerblich-industrieller Vorsorgestandort von 162 Hektar entsteht. Zusammen mit den Ketziner Flächen wären es rund 350 Hektar. Damit würde die Verkehrsbelastung für Markee auf bis 5000 Fahrzeuge am Tag steigen. „Da haben wir gesagt: Das ist nicht machbar“, so Meger.

Die Suche nach einem Kompromiss führte am Ende ins Leere. So gab es den Vorschlag, eine Zufahrtsstraße auf einer neuen Trasse direkt zwischen Markee und Wernitz anzuordnen. Abgelehnt. Auch dass aus der Landesstraße 86 durch Markee eine Gemeindestraße wird und Nauen für die Wiederherstellung einen Zuschuss von etwa 1,5 Millionen Euro erhält.

Rund 7 Millionen Euro würde ein Ausbau kosten

Das lehnte die Stadt ab – auch weil die Anwohner bei einem richtigen Ausbau zur Kasse gebeten würden. Insgesamt würde ein Ausbau wohl 7 Millionen Euro kosten. Eine Summe, die der Landesbetrieb aber derzeit auch nicht aufbringen will und kann angesichts vieler maroder Landesstraßen in Brandenburg mit deutlich mehr Verkehrsbelastung.

Im Gespräch waren für Markee aber offenbar auch ein Durchfahrtsverbot für Lkw über 7,5 Tonnen und weitere Tempolimits. Doch weil die Verkehrszunahme vor allem bei Pkws und Kleintransporter zu erwarten sei, wäre Markee damit wenig geholfen, heißt es in der Beschlussbegründung. Auch müsste das Limit effektiv überwacht werden.

Letztlich ist Markees Ortsvorsteher Ralph Bluhm (LWN) froh über die Entscheidung der Stadtverordneten. „Es geht um den Schutz der Bürger“, sagte er.

Unverständnis beim Nachbarn Ketzin

Beim Nachbarn Ketzin/Havel stößt die Entscheidung von Nauen auf Unverständnis. „Es ist nicht meine Art, mich in Angelegenheiten anderer Kommunen einzumischen, aber ich bin mehr als enttäuscht“, sagte Bürgermeister Bernd Lück.

Er sieht eine Chance für die Region vertan. Mit einem Gewerbegebiet hätte man die Möglichkeit gehabt, eine Ortsumfahrung mit 90-prozentiger Förderung zu bekommen. Zudem sei der Bedarf an Gewerbeflächen im Osthavelland groß, das sehe man auch am GVZ Wustermark.

„Ich bedaure, dass Nauen nicht an die Zukunft denkt. Wir werden uns deshalb einen Plan B überlegen“, kündigt Lück an. So will er mit seinem Amtskollegen Holger Schreiber in Wustermark sprechen, um in dem Bereich eventuell an anderer Stelle ein Gewerbegebiet zu errichten – dann eben ohne die Nauener Flächen. „Ich denke, dass das gute Chancen hätte“, sagt Lück.

Keine zeitnahe Lösung für Wernitz

Holger Schreiber meint: „Wir sind enttäuscht, dass die Chance, zeitnah eine Lösung für Wernitz zu finden, vertan ist.“ Denn eigentlich habe man die Umgehungsstraße noch in dieser Förderperiode auf den Weg bringen wollen. Es sei viel Kraft und Mühe in das Projekt gesteckt worden. Nun soll es erst einmal ein Treffen mit dem Landrat geben, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Von Andreas Kaatz

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