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Nauen Mann erpresst Mitbewohnerin mit Nacktfotos: „Musste sie für ihren Fehler bestrafen“
Lokales Havelland Nauen Mann erpresst Mitbewohnerin mit Nacktfotos: „Musste sie für ihren Fehler bestrafen“
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12:24 26.10.2019
Ein 30-Jähriger musste sich vor dem Nauener Amtsgericht verantworten. Quelle: dpa
Nauen

Wegen Erpressung und dem Vorwurf der versuchten Erpressung musste sich ein Mann in dieser Woche vor dem Nauener Amtsgericht verantworten.

Hussein A. soll eine befreundete 46-jährige Mitbewohnerin erpresst haben, weil diese zuvor Nacktbilder an verschiedene Männer verschickte. Diese entdeckte der Angeklagte vermutlich, als er Rima A. dabei half, ein technisches Problem auf ihrem Handy zu lösen. „Danach fingen die Erpressungen an. Ich hatte Angst, denn in meiner Religion ist das schlimm“, berichtete das Opfer.

„Musste sich für ihren Fehler bestrafen“

„Sie war wie eine Mutter für mich und ich sah mich als ihren Sohn. Ich musste sie für ihren Fehler bestrafen“, sagte der Angeklagte vor dem Amtsgericht aus. Pikante Fotos an einen Security-Mann und zwei junge Bewohner der Unterkunft zu verschicken gehöre sich nicht, betonte der 30-jährige Angeklagte, der zumindest die versuchte Erpressung einräumte. Er sprach außerdem davon, dass seine damalige Bekannte Verhältnisse mit mehreren Männern einging.

„Er ist stark traumatisiert nach Deutschland gekommen und für ihn war sein Handeln in diesem Moment, geht man von einer Kultur aus, wohl das einzig Logische. Selbst, wenn es völlig falsch war“, sagte eine Betreuerin des 30-jährigen ehemaligen Bewohners einer Flüchtlingsunterkunft, die sich in der Schönwalder Initiative „Neue Nachbarn“ engagiert.

Rima A. sollte 1000 Euro deponieren

„Mit der ersten Erpressung hatte ich nichts zu tun, die Fotos hatten viele Leute in der Unterkunft. Es hätte jeder sein können“, bestritt Hussein A. Dass alle Sim-Karten, von denen der Erpresser seine Forderungen an Rima A. stellte, bei einer späteren Durchsuchung in seinem Kleiderschrank aufgefunden worden waren, könne er sich nicht erklären. Zudem waren auf einem bei ihm sichergestellten Smartphone alle Bilder, die der Erpresser der 46-Jährigen geschickt hatte.

1000 Euro sollte Rima A. im Frühjahr 2016 auf der Bank einer Bushaltestelle in unmittelbarer Nähe zur Unterkunft im Schönwalder Erlenbruch deponieren. Im Gegenzug erhielt sie eine Speicherkarte mit den pikanten Aufnahmen von sich.

„Als ich die Fotos durchging, fiel mir auf, dass zumindest eines nur von meinem eigenen Handy stammen konnte. Das hatte ich niemandem geschickt“, so die Geschädigte. Sie habe mit der Geschichte abschließen wollen, hatte Angst, dass der Erpresser die Aufnahmen an ihre Familie in Syrien weiterleitete, womit er ihr gedroht habe.

„Ich vertraute ihm zu diesem Zeitpunkt“

Nach der Übergabe des Geldes zerstörte sie die Speicherkarte. „Schon damals hatte ich den Verdacht, dass der Angeklagte etwas damit zu tun hat. Nur er hätte dieses eine Foto von mir haben können, da er als einziger mein Handy in der Hand hatte“, sagte Rima A.

Nach einer weiteren Drohung wechselte die 47-Jährige ihre Handynummer, die sie nur ihrer Familie und dem Angeklagten mitteilte. „Ich konnte es nicht sicher beweisen und ich vertraute ihm zu diesem Zeitpunkt. Er ging bei uns ein und aus und war ein Vertrauter“, so die Geschädigte.

Als Rima A. eine Aufforderung unter der neuen Nummer erreichte, abermals 1000 Euro für zu zahlen, wandte sich die verzweifelte Frau an die Polizei. „Ich hatte nur 300 Euro und wollte dem endlich ein Ende setzen“, sagte sie. Sie fotografierte die Geldscheine und gab sie dem Angeklagten, der sich bereit erklärte, die Übergabe zu übernehmen. Das Geld sollte in einem Waldstück in Schönwalde-Siedlung deponiert werden, das der Angeklagte an diesem Abend im Juli 2016 aber nie erreichte.

„Einige Kollegen waren dort postiert. Nicht ein Mensch näherte sich dem Übergabeort“, erinnerte sich ein Polizeibeamter, der damals mit den Ermittlungen betraut worden war. „Trotzdem erzählte er mir, dass er von einem Mann angegriffen wurde, der dann mit dem Geld abgehauen sei“, sagte die Geschädigte. Auch die 300 Euro wurden einige Tage später während der Durchsuchung seines Zimmers beim Angeklagten gefunden.

Geldstrafe für Hussein A.

„Hinter seinem Vorgehen steckt eine hohe kriminelle Energie. Er nutzte die Zwangslage eines anderen Flüchtlings aus“, schlussfolgerte der Staatsanwalt.

Hussein A., der heute in Berlin lebt und einer regelmäßigen Arbeit nachgeht, wurde für beide Taten verurteilt. Als Strafe muss der 30-Jährige 160 Tagessätze à 45 Euro zahlen.

Von Laura Sander

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