Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Nauen Der Mercedes unter den Mähdreschern
Lokales Havelland Nauen Der Mercedes unter den Mähdreschern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:42 31.07.2015
Simon Knecht im Cockpit seines vollautomatischen Mähdreschers. Quelle: Philip Häfner
Neukammer

So entspannt wie in diesem Jahr war die Ernte bei der Agro-Farm Nauen in Neukammer noch nie. Simon Knecht sitzt im Cockpit seines Mähdrescher, neben ihm steht ein Fernseher, auf dem eine amerikanische Sitcom läuft. Der Mann aus Berge könnte jetzt auch ein Buch lesen oder ein Butterbrot essen, denn seine Maschine mit 500 PS unter der Haube erledigt ihre Arbeit von alleine.

Mähdrescher, die automatisch ernten

Zum ersten Mal setzt der landwirtschaftliche Betrieb in diesem Jahr drei dieser hochmodernen Mähdrescher ein, die automatisch ernten. „Das ist eine riesige Erleichterung für unsere Jungs“, sagt Betriebsleiter Dirk Peters, zugleich Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Die Landmaschine lenkt sich dank eines Sensors quasi von selbst, nur das Wenden müssen die Fahrer selbst übernehmen. Danach aber kann Simon Knecht die Hände vom Steuer nehmen und den Fuß vom Pedal und sich wieder seiner Fernsehsendung widmen.

Die Kabine des Mähdreschers ist gut ausgestattet, mit Stereoanlage, Kühlschrank und Klimaanlage, die das Cockpit auf frische 17 Grad herunterkühlt. Der Ledersitz ist luftgefedert, beheizbar und belüftbar. Es ist nicht die einzige Erleichterung für den Fahrer, mit der das Gerät aufwartet: Der Mähdrescher stellt sich dank ausgefeilter automatisch optimal auf die Erntebedingungen ein – und das durchgehend, praktisch im Sekundentakt. Wie ein selbstfahrender Rasenmäher, bloß viel größer. „Wenn man eine Schnitthöhe von acht Zentimetern eingibt, hält der Mähdrescher diese, selbst bei Bodenunebenheiten“, sagt Dirk Peters. „Das ist einfach irre“, findet er.

40 bis 45 Hektar am Tag

Den Fahrern bleibt eigentlich nur noch zu wenden und auf mögliche Hindernisse im Feld zu achten. „Wildschweine halten sich gerne im Raps auf“, erzählt Simon Knecht. 40 bis 45 Hektar schaffte er am Tag. Zurück bleibt ein Stoppelfeld aus knöchelhohen Rapsstängeln.

Der Wert einer Maschine liegt bei 350.000 Euro aufwärts. „Das ist der Mercedes unter den Mähdreschern“, sagt Dirk Peters. Er hat die Mähdrescher allerdings nur gemietet und nicht gekauft. Die Feldfahrzeuge sind eine kleine Attraktion; immer wieder bleiben Autofahrer am Straßenrand stehen, um den modernen Mähdreschern bei der Arbeit zuzuschauen. Nachts stehen die Drescher gut bewacht auf dem Betriebsgelände. Ein Diebstahl wäre fatal, gerade jetzt zur Erntezeit, sagt Peters: „Das sind Schlüsselmaschinen. Die kann man nicht von heute auf morgen ersetzen.“

Sein Betrieb ist nicht der einzige im Havelland, der auf moderne Landtechnik setzt. „Das ist ein Trend, der sich in den nächsten Jahren noch verstärken wird“, sagt Johannes Funke, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Im Havelländischen Luch setzen die Landwirte auf Maschinen mit Kettenantrieb, wie bei einem Panzer. „Das ist ideal für die feuchten Böden dort“, erklärt Johannes Funke. Die zunehmende Technisierung hat Folgen: „Das Expertentum nimmt deutlich zu“, sagt Funke. Es würden zwar weniger Arbeitskräfte gebraucht, dafür aber höher qualifizierte. Gut ausgebildete Fachkräfte, „denen man auch die Werte von einer halben Million Euro anvertrauen kann“, so Dirk Peters. Seine Angestellten wurden erst einmal für mehrere Tage geschult, ehe sie die neuen vollautomatischen Mähdrescher einsetzen konnten.

Kritik am Fahrverbot

Die Bauern kritisieren nach wie vor des Fahrverbot für landwirtschaftlichen Verkehr auf der B 5. „Mit dem derzeitigen Zustand sind nicht zufrieden“, so Johannes Funke vom Kreisbauernverbands. Dies bedeute, dass der Ernteverkehr verstärkt durch die Orte führt, zum Unmut der Anwohner.

Mit dem Landkreis laufen derzeit Gespräche. Spätestens zur Ernte 2016 soll eine Lösung gefunden sein.

Zurück in der Kabine. Simon Knecht hat das Ende des Felds erreicht und bringt sein tonnenschweres Gefährt neu auf Kurs. Drei Störche fliegen aufgeregt davon. Plötzlich piept es. Es ist ein Warnsignal, dass bereits 70 Prozent des Korntanks gefüllt sind. Gleichzeitig geht außen eine Lampe an, die den Fahrern der Kornlaster signalisiert, dass sie sich bereit halten sollen. Noch während der Fahrt wird der gedroschene Raps umgefüllt.

Ernte dauert bis Mitte August

Bis Mitte August wird die Ernte im Havelland noch dauern, je nach Wetter. Die ersten Betriebe hätten die Wintergerste bereits eingeholt, berichtet Kreisbauernchef Dirk Peters – mit erstaunlichen guten Ergebnissen, die jedoch regional unterschiedlich ausfallen. Im Paarener Raum sei die Ernte schlechter als auf der Nauener Platte oder im Westteil des Kreises. „Im Großen und Ganzen können wir aber zufrieden sein“, meint Peters. Beim Raps zeichne sich jedoch ab, dass der Ertrag in diesem Sommer rund 15 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre liegen wird. Gründe sind der geringe Niederschlag und der milde Winter. Dadurch hätten Schädlinge überlebt, die dem Getreide nun zusetzen, erklärt Dirk Peters.

Von Philip Häfner

Nauen Schönwalde: Geänderter Bebauungsplan verabschiedet - Pläne für Strandbad werden überdacht

Die Schönwalder Gemeindevertreter haben den nächsten Schritt zum Ausbau des Strandbads und der umliegenden Fußballplätze in der Siedlung auf den Weg gebracht. Der geänderte Bebauungsplan soll nach den Sommerferien öffentlich ausgelegt werden. Gegenüber dem ersten Entwurf hatten sich noch einige Änderungen ergeben.

27.07.2015
Nauen Erstes Treffen soll am 3. September stattfinden - Schönwalde plant Willkommensinitiave

Nach dem Vorbild der Falkenseer Bürgerinitiative soll sich bald auch in Schönwalde-Glien eine Initiative „Neue Nachbarn in Schönwalde“ gründen. Sie wolle eine Integration der Asylbewerber erreichen, die im November in Wohncontainer im Erlenbruch einziehen werden. Ein erstes Treffen ist für Anfang September geplant.

27.07.2015
Nauen Am 26. Juli ist Esperanto-Tag - Falkenseer Achim Meinel spricht Kunstsprache

Achim Meinel erinnert sich noch gut daran, wie er vor Jahren einmal mit einem japanischen Freund Essen war. Den ganzen Abend unterhielten sich die beiden angeregt, obwohl der Falkenseer kein einziges Wort Japanisch sprach und sein Gegenüber weder Deutsch noch Englisch. Aber beide beherrschten die Kunstsprache Esperanto.

24.07.2015