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Nauen Ein Uhrmacher entdeckt Kometen
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11:37 26.04.2019
Carl Wilhelm Bäker, auch Baecker geschrieben, aus Nauen Quelle: Helmut Augustiniak
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Nauen

„Bäker 200“ – so hätte der Titel des Vortrages vom 1. Vorsitzende der Nauener Heimatfreunde Wolfgang Johl auch lauten können. Am Donnerstagabend hat er ihn gehalten.

Kometen über Nauen

Welcher Nauener Bürger weiß, dass das Haus in der heutigen Goethestraße 55 von einem im 19. Jahrhundert in Fachkreisen sehr bekannten Nauener Bürger erbaut und bewohnt wurde? In seinem VortragKometen über Nauen“ entriss Wolfgang Johl diese Persönlichkeit dem Vergessen.

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Uhrmacher kam aus der Altmark

Von 1850 bis mindestens 1924 diente das Haus dem Uhrmachermeister Carl W. Baecker (auch manchmal Bäker geschrieben) als Wohn- und Geschäftshaus. Geboren wurde Baecker 1819 in Schinne in der Altmark. Er war der Sohn des Kossäten Johann Christoph Baecker und dessen Ehefrau Dorothea Sophia Baecker, geb. Schulze. Carl W. Baecker besuchte bis zu seinem 14. Lebensjahr die Schule in Schinne.

Sehr guter Schüler

Das von Johl beim Umzug des jetzigen Nauener historischen Archivs aus der Brandenburger Straße in den Richard-Hof aufgefundene Schulzeugnis, enthielt für den jungen Baecker zweimal die Note „gut“ und viermal die Note „sehr gut“ und eine ausgezeichnete Beurteilung durch seinen Lehrer.

Einfache Herkunft

Das war eine für einen Kossätensohn ungewöhnliche Situation. Baecker schien aber sein Leben selbst in die Hand genommen zu haben. Er brach aus dem für ihn programmierten Landarbeiterleben aus. Er versuchte sich danach als Musiker in Stendal, wandte sich dann aber dem filigranen Uhrmacherhandwerk zu.

Wanderschaft nach Paris und London

Während seiner Wanderschaft als Uhrmachergehilfe arbeitete er in London, Paris und in Berlin. Als Uhrmachermeister ließ er sich danach zuerst in Königsberg (Preußen) nieder und ab 1850 in Nauen.

Sein Uhrmachergeschäft entwickelte sich sehr gut. Er war dadurch in der Lage, sich in der Potsdamer Straße 110 (heute Goethestraße 55) ein mehrstöckiges Haus zu bauen, das heute noch existiert.

Kometen entdeckt

Neben seinem Broterwerb als Uhrmacher beschäftigte sich Bäcker auch mit der Astronomie. Hier erbrachte er neben der Herstellung von Taschenuhren für astronomische und geographische Ortsbestimmungen, durch die Entdeckung der Kometen 1861 I, 1863 III, 1863 V, 1863 VI, 1864 IV und 1867 III beachtliche wissenschaftliche Leistungen.

Würdigung für Amateurwissenschaftler

Wilhelm Förster, Direktor der Berliner Universitätssternwarte und Vater des bekannten Staudenzüchters Carl Förster in Potsdam-Bornim, würdigte in den Schriften der Deutschen Astronomischen Gesellschaft das Wirken Baeckers. Baecker war als Gründungsmitglied dieser Gesellschaft ein anerkannter Amateurwissenschaftler. Im Nachruf der Astronomischen Gesellschaft schrieb Wilhelm Förster: „Ein asthmatisches Leiden machte am 11. September 1882 dem Leben dieses schlichten und verdienstvollen wissenschaftlichen Mitarbeiters ein Ende.“

Rätselhaftes Foto

Die Forschungen zur Person Baeckers sind einem Zufall geschuldet. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Stadtverwaltung Nauen entdeckte bei einer Entrümplungsaktion der Stadtverwaltung das Bild eines unbekannten Mannes. Wie er den Zuhörern des Vortrages schilderte, weckte das seinen Forscherdrang. Er begann die Suche nach dieser Person und ihrer Geschichte. Er hatte damit Erfolg und ist heute froh, dass sich die Nauener Heimatfreunde an der Forschung beteiligen.

Der Sohn Baeckers Carl Friedrich Wilhelm (1859 bis 1924) führte das elterliche Uhrmachergeschäft weiter. Genau wie sein Vater hatte er aber neben diesem Handwerk auch weitere vor allem wissenschaftliche Interessen. Er wurde durch zahlreiche Vorträge mit sozialen, politischen und philosophischen Inhalten bekannt, die er meist am Nauener Gymnasium hielt.

Von Helmut Augustiniak