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Nauen Visionen für einen neuen Stadtteil
Lokales Havelland Nauen Visionen für einen neuen Stadtteil
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20:15 22.05.2019
Einer von fünf Entwürfen für das neue Bahnhofsquartier. Das Büro Machleidt sieht fünf Teilbereiche  vor.
Einer von fünf Entwürfen für das neue Bahnhofsquartier. Das Büro Machleidt sieht fünf Teilbereiche vor. Quelle: Büro Machleidt
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Nauen

Der Bereich nördlich des Nauener Bahnhofs gehört nicht unbedingt zu den schönsten Gegenden in der Stadt. Schmuck- und strukturlos präsentiert sich das Areal seit Jahren. Ein Mix aus Wohn- und Gewerbegebäuden – ohne System. Dass sich dies bald ändert, dafür soll jetzt eine Ideenwerkstatt sorgen. Am Mittwoch haben fünf Planungsbüros ihre Entwürfe für einen Masterplan einer Jury vorgestellt.

Vorgabe war, dass auf insgesamt 30 Hektar ein völlig neuer Stadtteil mit eigener Identität entsteht – klimafreundlich und wirtschaftlich nachhaltig. Vorhandene Bauten wie Wohnhäuser aber auch Gewerbe wie beispielsweise die Firma Pac Tech oder das Hotel Lavendelhof sollten berücksichtigt werden in der Planung. Öffentliche Plätze und kleine Parkanlagen sind ebenso erwünscht wie Vorschläge für die Mobilität. Und nicht zu vergessen die Nachhaltigkeit.

Fünf Planungsbüros

Am Start waren Planungsbüros, die zur „Championsleague“ der Branche gehören, wie Reinhard Schulz von der Firma KVL Projektmanagement sagte. Diese hatte die Ideenwerkstatt im Auftrag der Firma Glockenweiß organisiert. „Die Qualität der Konzepte ist anhand dessen, was wir jetzt schon sehen konnten, sehr hoch. Großartige Ergebnisse“, lobte Schulz zu Beginn.

Untersuchtes Plangebiet

Mehr als 30 Hektar umfasst das Gebiet, das die Planungsbüros im Rahmen der Ideenwerkstatt untersucht haben.

Im Norden wird es von der Ludwig-Jahn-Straße und im Süden von den Bahngleisen begrenzt, im Westen von Havelbus und im Osten vom Liebfrauengraben.

Initiator ist die Projektentwicklungsfirma Glockenweiß, die selbst ein Grundstück in dem betreffenden Gebiet erworben hat.

Die einzelnen Büros gingen teils recht unterschiedlich an die Aufgabe heran. So setzt etwa das Büro Adept auf ein kleinteiliges grünes Netz, das den Stadtteil in Ost-West-Richtung durchzieht. Reihenhäuser sind ebenso geplant wie Blöcke mit einem grünen Hof. Grundsätzlich sind vier Quartiere sowie eine Energiezone vorgesehen.

Klimaschutzsiedlung geplant

Das Büro Stöckert hingegen will die Aufgabe ganz besonders zukunftsorientiert lösen. Es legte das Konzept einer Klimaschutzsiedlung vor, in der künftig mehr als 1000 Menschen Platz finden. Durchzogen wird das klimaneutrale und recht homogene Quartier von Kiezstraßen, auf der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt unterwegs sind, das Parken jedoch verboten ist. Dazu dienen ausschließlich Quartiersgaragen an wenigen Stellen. Die Wohngebäude gleichen Einfamilienhäusern, enthalten aber mehrere Wohnungen.

Das Büro Machleidt hingegen sieht an der Bahnstrecke Gewerbebauten vor, die als Lärmschutz dienen können, sowie einen Bahnhofsvorplatz mit etwas Handel und Gastronomie. Das Quartier aus fünf Teilbereichen durchzieht ein Fuß- und Radwegenetz. Zudem ist ein Park vorgesehen – eingefasst von Wohnhäusern – ,und am Bredower Flügelgraben könnte eine Promenade entstehen. Weitere Konzepte wurden zudem von den Büros DeZwarteHond und Reicher Haase vorgestellt, die ebenfalls mit originellen Planungsideen aufwarten konnten.

Eigentümer einbeziehen

Werkstatt-Initiator Christopher Weiß ist es wichtig, dass die Eigentümer, die Grundstücke in dem Gebiet haben, in die Planungen mit einbezogen werden. „Wir haben mit fast allen gesprochen“, sagte er. Bei den Konzepten müssen man letztlich sehen, „was zu den Eigentümern passt“.

Eine von ihnen ist Elke Zakel, die das Hotel „Lavendelhof“ und den Eselhof betreibt. Sie hatte viel Lob für die gezeigten Konzepte übrig, aber auch Fragen. „Ich finde es gut, dass der Bereich nach so langer Zeit weiterentwickelt werden soll. Mir ist aber auch wichtig zu wissen, wie hoch die Kosten für die Grünflächen sind, die alle nutzen.“ Und wer kommt für die Pflege auf? Sie könnte sich einen Weg vom Bahnhof zum Hotel vorstellen und würde eine Verlegung des Eselhofes nicht grundsätzlich ablehnen.

Lob von der Stadt

Lob für die Ideenwerkstatt kam auch von Nauens Bauamtsleiter Bert Lehmann: „Das ist eine gelungene Sache. Es gab jede Menge Anregungen. Ich finde es gut, dass die alten Bäume und das Wasser vom Havelländischen Hauptkanal einbezogen werden.“ Er sitzt mit in der Jury, die am Donnerstag beraten wird. Wer gewonnen hat, soll in den Tagen danach verkündet werden.

Von Andreas Kaatz