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Nauen Rathenower Hebammen sind überlastet – Hilfe aus Nauen bekommen sie nicht
Lokales Havelland Nauen Rathenower Hebammen sind überlastet – Hilfe aus Nauen bekommen sie nicht
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19:33 09.08.2019
Quelle: epd-NDS-Bremen
Rathenow/Nauen

Während in der Geburtsstation der Havelland-Klinik in Nauen derzeit nur angemeldete Kaiserschnitte angenommen werden, kommen deutlich mehr Babys am Standort der Havelland-Kliniken in Rathenow auf die Welt. Denn die Nauener Geburtenstation ist nach wie vor offiziell geschlossen.

Noch Schlimmer

In den vergangenen Tagen kam die Befürchtung auf, dass dies so bleiben könnte. Schlimmer noch. Der Vizepräsident des Landtages, Dieter Dombrowski, der auch dem Kreistag angehört, schließt in einem Brief an Landrat Roger Lewandowski und Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger nicht aus, dass sogar beide Geburtenstationen geschlossen werden.

Der Kreis soll handeln

Hintergrund ist, dass Geburtenstationen für die Havelland-Kliniken nicht rentabel betrieben werden. Ronald Seeger reagierte bereits am Donnerstag: „Ich bin einigermaßen bestürzt, wenn ich davon höre.“ Er selber oder andere Mitarbeiter der Stadtverwaltung seien in Sachen Krankenhaus aber in keinem Gremium vertreten, das sich mit solchen brisanten Fragen befasst. „Das ist Sache des Kreistages, die Kliniken gehören ja dem Kreis“, so Seeger.

Bürgermeister Ronald Seeger fordert, den Klinik-Standort mit Geburtsstation zu erhalten. Quelle: Uwe Hoffmann wort+bild

Allerdings hofft der Bürgermeister, dass die westhavelländischen Kreistagsabgeordneten, die zum Teil auch in den Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen mitarbeiten, im Kreistag nun die notwendigen Fragen dazu formulieren.

Nicht alle wissen es

„Es ist irgendwas im Busch“, sagt ein Mitglied des Kreistages. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Stefan Schneider, hat von Schließungs- oder Umstrukturierungsplänen keine Kenntnis. Dasselbe gilt für Mitglieder der bündnisgrünen Kreistagsfraktion. Michael Koch, der die CDU im Kreistag führt, hat allerdings Kenntnis von dem Brief, den Dieter Dombrowski geschrieben hat.

Schnelle Antwort

Bei der Kreisverwaltung beeilten sich die Sprecher des Landrates – der ist zurzeit im Urlaub – schnell erste Antworten zu finden. Der Brief wurde umgehend an den Geschäftsführer der Havelland-Kliniken, Jörg Grigoleit, weitergegeben. Kreissprecherin Vanessa Mehwitz ließ am Freitag wissen: „Wie aus der Stellungnahme der Havelland Kliniken zu dem Brief zu entnehmen ist, gibt es keine Pläne für die dauerhafte Schließung eines oder beider Kreißsaalstandorte.“

Blick in den Kreißsaal der Klinik Nauen. Er ist vorübergehend still gelegt. Quelle: Andreas Kaatz

An der Wiedereröffnung des vorübergehend geschlossenen Kreißsaals in Nauen wird zurzeit gearbeitet, erklärte Vanessa Mehwitz weiter. Eine umfassende Antwort werde Landrat Roger Lewandowski geben, wenn er aus dem Urlaub zurück ist.

Nicht flexibel

In Nauen haben zuletzt die Hebammen gefehlt, deshalb konnte der Kreißsaal nicht offen bleiben. Frauen, die nun vermehrt auf das Rathenower Krankenhaus ausweichen, finden hier zwar einen offenen Kreißsaal, treffen aber auf vollkommen überlastete Hebammen. Wenn es aber in Nauen noch Hebammen gebe, weshalb werden diese dann nicht flexibel in Rathenow mit eingesetzt, um für Entlastung zu sorgen?

Weitere Fragen

Noch etwas bewegt Dieter Dombrowski. Um den Nauener Kreißsaal wieder ans Netz zu bringen, werden Hebammen ausgebildet. In deren Arbeitsverträge steht, dass sie ausschließlich in Nauen beschäftigt werden. „Das hat mit der Flexibilität, die man inzwischen erwartet, nichts zu tun“, so der Landtagsvizepräsident.

Dieter Dombrowski fragtin Sachen Krankenhaus nach. Quelle: Markus Kniebeler

Auf keinen Fall dürfen Geburtenstationen in Nauen und/oder Rathenow zur Disposition gestellt werden. Wenn der Landkreis Havelland Lebensqualität bieten wolle, dann gehöre das dazu. Und falls notwendig, dann müsse die Landkreisführung, an der Spitze Roger Lewandowski, darüber nachdenken, wie man den Kliniken helfen kann.

Ein Vergleich

Dombrowski vergleicht es mit den jüngsten Entscheidungen des Kreistages zum Öffentlichen Personennahverkehr. „Das war mutig und richtig, warum sollte man das nicht auch mit der Krankenhausversorgung machen?“

Von Joachim Wilisch

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