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Nauen Borkenkäfer setzt dem Stadtwald stark zu
Lokales Havelland Nauen Borkenkäfer setzt dem Stadtwald stark zu
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10:53 08.03.2019
Der Borkenkäfer hat im Nauener Stadtwald große Schäden angerichtet, wie Thomas Meyer an einem Beispiel zeigt. Quelle: Andreas Kaatz
Nauen

Von einem sonnigen trockenen Frühling, wie ihn sich die meisten Menschen wünschen, hält Nauens Stadtförster Thomas Meyer gar nichts. Ganz im Gegenteil. „Wir brauchen Schmuddelwetter mit wechselhaften Temperaturen bis Mai“, ist sein Wunsch. Denn nur mit diesem Grippewetter für Insekten kann er den Borkenkäfer in den Griff bekommen.

Der breitet sich nämlich bei der momentanen Witterung aus wie er will. „Wegen der Trockenheit im vergangenen Jahr ist der Käfer auch dort aufgetaucht, wo wir sonst nie Probleme hatten. Es sind für ihn ideale Bedingungen“, sagt er. Lärchen und Fichten sind teils massiv befallen. „Letztes Jahr war der Todesstoß.“

Bäume geschwächt

Die Dürre im Vorjahr hat die Bäume stark geschwächt. Normalerweise können sie die Käfer mit Harzproduktion in Schach halten. Doch das klappte diesmal nicht, es fehlte einfach an Wasser. Auch in diesem Jahr ist es bisher viel zu wenig, was vom Himmel kam. Viele Bäume sterben deshalb einfach ab.

Doch das sind nicht die einzigen Sorgen, die Meyer im Stadtwald hat. Kiefern sind vom Pilz befallen und Eichen im Trockenstress. Darüber hinaus wird der Forst noch viele Jahre brauchen, um die Nachwirkungen von Sturm Xavier im Oktober 2017 vergessen zu machen.

Sturm nahm Entscheidung ab

Damals waren die Bäume reihenweise umgefallen. „Dabei ist die Holzernte von zwei bis drei Jahren vernichtet worden. Der Sturm hatte uns die Entscheidung abgenommen, ob wir fällen oder nicht“, so Meyer.

In der Vergangenheit kam er kaum hinterher, den Wald aufzuräumen. Noch immer gibt es viele Flächen, auf denen umgestürzte Bäume liegen – Birken, Lärchen oder Eichen. Ein verheerender Anblick. Derzeit läuft nach Anfang und Ende 2018 die dritte Aktion. Das wertvollere Holz kam zuerst an die Reihe, jetzt wird unter anderem Industrieholz aufgearbeitet.

Markt ist übersättigt

Alles auf einmal zu beräumen, hätte auch ohnehin wenig Sinn gemacht, denn der Förster bleibt schon jetzt auf seinem Holz sitzen. „Der Markt ist übersättigt“, sagt Meyer. „Das Hauptproblem ist ja, dass es überall in Deutschland so ist.“ Nur kleine Mengen wird er immer mal wieder los. Verträge mit holzverarbeitenden Betrieben lassen sich im ersten Halbjahr kaum noch abschließen.

Rund 60 große Lücken, die zum Teil jeweils mehrere Hektar umfassen, gibt es derzeit im Nauener Stadtwald. Auf mehr als 50 Hektar ist der Wald verschwunden. Thomas Meyer muss sich Gedanken machen, wie er damit künftig umgeht. Auf einem Teil lässt er einen Forstmulcher arbeiten – so wie auf einem zwei Hektar großen Areal, wo früher Kiefern und Birken standen, die Opfer von Sturm und Trockenheit geworden sind.

Mulcher zerkleinert alles

Dort sitzt gerade Lucas Ramm von der Firma Zeyn hinterm Steuer eines 360 PS starken Traktors, der sich lautstark seinen Weg bahnt. Die große Walze zerkleinert mit Wucht alles, was sich auf ihrem Weg befindet, ob Reisig, Stubben oder ganze Bäume. Zurück bleibt gute Erde.

„Der Boden wird dadurch geöffnet und Wasser sowie Samen können direkt hineingelangen“, erklärt der Förster. Vorher allerdings muss noch gepflügt werden. Meyer bittet den Forstarbeiter derweil, eine zehn Meter große Birke zwischendrin stehenzulassen. „Die kann auf der Fläche noch ein wenig Schatten spenden, sonst brennt im Sommer alles weg.“ An einer anderen Stelle, ein Stück weiter, wird Kronenmaterial aus dem Wald geholt, der Mulcher folgt bald.

Richtige Mischung

„Unser Ziel ist es, aus den Freiflächen wieder Wald zu machen, der darüber hinaus stabiler ist als der jetzige. Es wird aber Jahre dauern, die Flächen wieder neu zu bestücken“, sagt Thomas Meyer. Die richtige Mischung ist wichtig. Mehrere Baumarten statt nur einer oder zwei sollen gepflanzt werden. Es dürfe dabei auch keine ideologischen Denkverbote geben.

So sollte es möglich sein, beispielsweise Douglasien, die nicht aus der Gegend, sondern aus Nordamerika stammen, im Stadtwald zu etablieren. „Auf den Flächen, wo die Fichte wächst, kommen sie besser zurecht“, weiß der Förster.

Den Sommer nicht überlebt

Und noch ein Vorteil: Der Fichtenborkenkäfer lässt diese Bäume in Ruhe. Esskastanien hält Meyer ebenfalls für gut geeignet in Zeiten des Klimawandels. Doch die unlängst gepflanzten Jungbäume haben den Sommer nicht überlebt, sind einfach nicht angewachsen.

Nächste Woche will Meyer Nauens Stadtverordneten bei einem Rundgang zeigen, „was von ihrem Wald noch übrig ist“. Denn dass dieser weiterhin gute Gewinne abwirft, ist kaum denkbar. „Es wird eher ein Nullsummenspiel.“ Hinter allen Planungen stehe ein Fragezeichen. Das, was an Geld herein kommt, müsse sofort wieder investiert werden, um Flächen aufzuforsten.

Pflanzung steht bevor

So ist jetzt der Auftrag für die Pflanzung von rund 20 000 Bäumen raus. Douglasien, Lärchen oder auch Roteichen kommen bis Ende April in den vorbereiteten Boden. Auf der anderen Hälfte der gemulchten Fläche setzt der Förster indes auf Naturverjüngung.

Von Andreas Kaatz

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