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Nauen Nächster Agrarbetrieb schafft die Milchkühe ab
Lokales Havelland Nauen Nächster Agrarbetrieb schafft die Milchkühe ab
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20:15 29.03.2019
Eine der letzten Mahlzeiten für die Kühe auf dem Tietzower Hof. Die Einstellung der Milchproduktion fällt Karin Beuster nicht leicht. Quelle: Andreas Kaatz
Tietzow

Die Kunden der Milchtankstelle im Havelpark in Dallgow-Döberitz gehörten zu den ersten, die davon per Zettelaushang erfuhren: Die Luch Agrar GmbH Tietzow stellt in Kürze die Milchproduktion komplett ein. Aus ökonomischen und personellen Gründen, wie es heißt. Damit gibt ein weiterer Milchviehbetrieb im Havelland auf. Am 29. März wurde die Milchtankstelle in dem Einkaufszentrum das letzte Mal befüllt.

Karin Beuster sieht keine andere Möglichkeit mehr, als die Milchkühe abzuschaffen. Es tut ihr in der Seele weh, doch die Hoffnung auf auskömmliche Milchpreise erfüllte sich nicht. Zu lange hat der Betrieb von den finanziellen Reserven gelebt. „Irgendwann ist Schluss, denn es geht auch an die Gesundheit“, sagt die Geschäftsführerin. Wichtige Investitionen blieben über Jahre auf der Strecke.

Kein Geld für Investitionen

„Wir müssten die Entwässerung auf dem Hof machen sowie die Fassaden an den Ställen erneuern. Und auf einem alten Stall ist ein neues Dach nötig“, sagt sie. Doch für all das ist kein Geld da. Der Milchpreis liegt seit der Wende im Schnitt bei 30 bis 32 Cent pro Liter. In der Milchkrise Mitte der 2010er-Jahre war er noch weit geringer. Letztlich viel zu wenig. Um die Vollkosten zu decken, sind mindestens 40 Cent nötig. So müssen auch die Gewinne aus anderen Betriebszweigen herangezogen werden, um die finanziellen Löcher zu stopfen.

Als sich dann 2018 auch noch personelle Probleme anbahnten, fällte Karin Beuster im September die schwere Entscheidung. Von den rund 200 Milchkühen sind bereits 140 als Zucht- und Nutzvieh verkauft, darunter eine Kuh, die es schon auf 100 000 Liter Milch gebracht hat. Weitere 28 Tiere werden am heutigen Samstag abgeholt, die restlichen am Montag. Somit ist die Milchtankstelle am Hof am Dienstag das letzte Mal geöffnet.

Ökologischer Landbau

Doch die gute Nachricht lautet: Es geht weiter bei der Agrar GmbH. „Wir haben zum 1. Januar auf ökologischen Landbau umgestellt“, sagt Karin Beuster. Künftig liegt der Schwerpunkt auf der Haltung von Fleischrindern, die ab Anfang 2021 als Biorinder verkauft werden sollen. Einen Teil der Arbeiten wie Düngung oder die Futterernte richtet der Betrieb ohnehin schon seit Längerem nach den Mondphasen aus.

Die ersten Rinder für den ökologischen Landbau. Quelle: Andreas Kaatz

„Mit dem Ökolandbau fühle ich mich besser“, sagt Karin Beuster. Trotzdem fällt ihr das Ende der Milchproduktion nicht leicht. „Wir hatten eine gute Milchleistung. Es tut mir selber leid, aber es geht irgendwann nicht mehr. Auch die Kündigungen von Mitarbeitern fällt schwer.“ Statt sieben Voll- und zwei Teilzeitkräfte werden es künftig nur noch vier Vollzeitkräfte sein.

Von der Politik enttäuscht

Was den Milchpreis betrifft, ist die Geschäftsführerin insbesondere von der Politik enttäuscht. „Von dort erfolgt keine Unterstützung. Betriebe können keine Kredite aufnehmen, wenn sie keine Sicherheit haben. Wir wollen auch keine Fördermittel aus Steuergeldern, sondern einfach einen fairen Preis.“

Ihrer Ansicht könnte dazu eine Milchmengensteuerung beitragen, so dass bei einem drohenden fallenden Preis die Milchmenge eingefroren oder abgesenkt und im umgekehrten Fall wieder angehoben werden. „Das ist aber offenbar politisch nicht gewollt.“ Die einzigen Nutznießer der jetzigen Situation seien die Molkereien mit ihrer Marktmacht. Dass sich an diesem System in absehbarer Zeit etwas ändert, glaubt sie inzwischen nicht mehr.

Zu wenig Geld aus Direktvermarktung

Mit der Direktvermarktung über die Milchtankstellen in Tietzow, Werder/Havel und Dallgow wollte Karin Beuster wenigstens etwas gegensteuern. Doch das klappte nicht. Im Schnitt hätten pro Tag und Standort 80 Liter verkauft werden müssen. Das gelang aber nicht, auch nicht im Havelpark. „Der Verbraucher ist nicht bereit, den Preis zu bezahlen“, bedauert sie. So wurden in Dallgow zum Schluss nur 60 bis 65 Liter am Tag verkauft.

Kreisbauernverband besorgt

Mit Sorge betrachtet auch Johannes Funke, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, die Entwicklung. „Die Schließung der Milcherzeugung in einem weiteren Betrieb ist für alle Bauern der Region ein erneuter Tiefschlag. 2015 hatten wir im Havelland noch 39 melkende Betriebe, aktuell dürften es weniger als 30 sein. Die Entscheidung in Tietzow zeigt, das selbst gestandene Profis dem Druck aus niedrigen Milchpreisen, steigenden Lohn- und Pachtkosten und weiter wachsenden Umweltauflagen kaum mehr Stand halten." Im Verband stünden die Themen „Milch“ und „mögliche Alternativen“ ganz oben auf der Agenda.

Von Andreas Kaatz

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