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Nauen Traktoren samt Hänger quälen sich durch Nauen
Lokales Havelland Nauen Traktoren samt Hänger quälen sich durch Nauen
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18:24 01.07.2019
Viele Erntefahrzeuge fahren durch Nauen. Quelle: Jens Wegener
Havelland

Rund 3000 Tonnen Getreide werden Mitarbeiter des landwirtschaftlichern Betriebes Agro-Farm GmbH in diesem Erntesommer von den Feldern aus Neukammer nach Nauen zur Firma Barow in der Nähe der Total-Tankstelle fahren, um sie dort abzuladen. Das entspricht etwa 130 Touren mit Traktoren und Hängern, weiß Geschäftsführer Dirk Peters.

Noch ist die B 5 tabu

Der einfachste und schnellste Weg für die Trecker wäre der über die B 5-Umgehung Nauen. Doch den dürfen die landwirtschaftlichen Fahrzeuge nicht nehmen. Immer noch nicht, denn seit Jahren haben die Landwirte vergeblich versucht, eine Genehmigung dafür zu bekommen, dass der sogenannte Langsamverkehr auf der Bundesstraße fahren darf – zumindest in der Erntezeit. „Stand jetzt stehen die Signale immer noch auf rot. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum wir das nicht durchbekommen. In anderen Bundesländern geht das auch“, sagt Peters, der auch Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Havelland ist.

Mal abgesehen von der zeitlichen Ersparnis, wäre das „Ausgliedern“ der großen Erntefahrzeuge aus der Nauener Kernstadt auch für den Erhalt der Substanz der Kreisverkehre in der Stadt gut.

Das lange Gefährt hat im Kreisverkehr am Rathaus Nauen große Mühe. Quelle: Jens Wegener

Denn die langen und breiten Gefährte, meistens sind zwei Hänger an einen Traktor angekoppelt, überfahren oft die Bordsteine und Begrenzungen in den Kreisverkehren. Nach und nach entstehen Schäden.

Durch die Wohnsiedlung in Elstal

Ähnlich wie dem Betrieb in Neukammer ergeht es der Firma Tremmener Agrarprodukte GmbH. Deren Mitarbeiter haben eine noch weitere Strecke bis zu Abladeort des Getreides in Spandau zu absolvieren. Geschäftsführer Dietmar Steglich: „Wir fahren von Tremmen bis Elstal, dort durch den Demex-Park, am Bahnhof vorbei und dann durch die Wohnsiedlung ’Zum Hakenberg’. Von dort über den landwirtschaftlichen Weg bis Rohrbeck, von dort bis zur Tankstelle an der B 5. Ab da dürfen wir die B 5 bis Spandau benutzen, weil es keine Ausweichstraßen für unsere Fahrzeuge gibt.“ Rund 150 Fahrten machen die Tremmener pro Erntesaison.

So sieht es aus, wenn Erntetechnik durch die Elstaler Siedlung „Zum Hakenberg“ fährt. Quelle: Peter-Paul Weiler

„Wenn wir gleich in Wernitz auf die B 5 fahren könnten, sparen wir 15 Minuten pro Strecke ein. Und die Leute in Elstal und Rohrbeck wären nicht genervt von den Traktoren“, so Steglich.

Anträge liegen bei der Kreisverwaltung

Doch im Moment scheint keine kurzfristig Lösung in Sicht. Dabei bestand im April Hoffnung, wie Dirk Peters sagt: „Es gab eine Gespräch mit der Brandenburger Verkehrsministerin. Die hat klar gesagt, dass die Straßenbehörde des Landkreises die Sondergenehmigungen für landwirtschaftlicher Fahrzeuge erteilen darf. Daraufhin haben wir unsere Anträge auch an die Kreisverwaltung geschickt. Aber es tut sich nichts.“

Ohne Fahrgestellnummer geht es nicht

Der zuständige Kreisdezernent Henning Kellner bestätigt diese Aussagen, ist auch ein Befürworter der Sonderregelungen für Erntefahrzeuge. Aber: „Es gibt Vorschriften. Die Landwirte müssen die Ausnahmegenehmigungen konkret für einzelne Fahrzeuge beantragen, inklusive der Fahrgestellnummer. Oft sind aber Mähdrescher, Häcksler oder auch Traktoren Leihfahrzeuge, so dass sie im Vorfeld gar nicht die Fahrgestellnummer kennen können.“ Außerdem gebe es Unterschiedliche in der Beantragung: „Für Fahrzeuge bis 3 Meter ist der Kreis zuständig, bei einer Breite über 3 Meter das Land.“

Kommunen müssen Erklärung abgeben

Kellner kennt auch die Gefahren, denen speziell während der Erntezeit Radfahrer und Fußgänger in Städten wie Nauen ausgesetzt sind, wenn die großen Fahrzeuge unterwegs sind. Er glaubt noch an einer Erfolg im Sinne einiger Landwirte: „Der Antrag der Agro-Farm Neukammer liegt bei uns vor. Jetzt muss die Stadt Nauen als Straßenbaulastträger für die Kernstadt eine Erklärung an die Kreisverwaltung schicken, die sagt, dass es unzumutbar ist, mit den großen Fahrzeugen durch die Stadt zu fahren. Dann fordern wir vom Landesbetrieb Straßenwesen eine Stellungnahme zur Befahrbarkeit der landwirtschaftlichen Fahrzeuge auf der B 5. Danach könnte die Ausnahmegenehmigung für den Bereich Nauen erteilt werden.“ Für den Tremmener Betrieb stehen aus Sicht des Dezernenten die Chancen schlechter. Denn: „Dort gibt es nun mal den extra angelegten Weg für den landwirtschaftlichen Verkehr von Elstal nach Dallgow. In dem Abschnitt auf die B 5 zu kommen, wird schrierig“, so Henning Kellner.

Kreisbauernverbandsschef Dirk Peters hat jedenfalls angekündigt: „Die neue Fraktion Bauern, LWN und CDU wird im havelländischen Kreistag generell auf dieses Problem mit Nachdruck aufmerksam machen.“

Von Jens Wegener

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