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Nennhausen Landarzt verzweifelt gesucht
Lokales Havelland Nennhausen Landarzt verzweifelt gesucht
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17:09 16.05.2019
Charles Schupet (Mitte) betreibt tageweise eine Allgemeinarztpraxis in Nennhausen. Sprechstunde ist immer am Donnerstag im Gemeindezentrum. Froh darüber sind Ilka Lenke (Amtsdirektorin, rechts) und Britta Knappe (Sozialstation). Quelle: Joachim Wilisch
Nennhausen

Einmal in der Woche packt Charles Schupet seinen Arztkoffer und nimmt alles mit, was man für einen Sprechtag so benötigt. Rezeptblock, Stethoskop, Spritzen, Verbandszeug. Sein Ziel ist das Gemeindezentrum Nennhausen. Seit Jahresbeginn hält er hier einmal in der Woche Sprechstunde, nachdem Karin Teige ihre Arztpraxis endgültig geschlossen hat.

Viele haben geholfen

Von 9 bis 11 Uhr jeden Donnerstag ist die Tagespraxis in den Räumen der Sozialstation Nennhausen offen. „Wir sind froh, dass sich ein Arzt bereit gefunden hat, hier eine Notversorgung zu sichern“, sagt die Nennhausener Amtsdirektorin Ilka Lenke. Bekräftigt wird das von Nennhausens Bürgermeisterin Brigitte Noel. „Viele Menschen haben einen Anteil daran, dass es hier zurzeit überhaupt medizinische Versorgung gibt“, sagt sie.

Umfassende Behandlung

Charles Schupet indes hat das Wartezimmer voll. „Heute Arztsprechstunde“ steht auf dem kleinen Schild am Gemeindezentrum. Drinnen sind Stühle, ein kleiner Tisch, Zeitschriften. Alles wie in einer richtigen Arztpraxis. Natürlich möchte Charles Schupet seine Patienten möglichst umfassend behandeln. „Darum arbeiten wir daran, die Ausstattung ständig zu verbessern.“

Nachfolger gesucht! Lange hat Karin Teige, Allgemeinmedizinerin in Stechow, sich um eine Praxisnachfolge bemüht. Quelle: Privat

Noch besser wird es, wenn der Arzt endgültig in die Räume der Diakonie einzieht, die neben der Sozialstation ebenfalls im Gemeindezentrum untergebracht ist. Demnächst zieht die Diakonie in ein anderes Haus, dann gibt es im Gemeindezentrum mehr Platz für Charles Schupet. „Die Räume der Diakonie richten wir dann noch her und später ist das für den Mediziner gut geeignet“, sagt Ilka Lenke.

Kleines Gesundheitszentrum

Wie das Gemeindezentrum im Grunde ein idealer Praxisstandort für einen Mediziner ist, meint Brigitte Noel. Denn neben dem Mediziner finden sich hier die Sozialstation mit Britta Knappe und die Apotheke. „Es ist alles an einem Platz, wir haben hier ein Mini-Gesundheitszentrum“, sagt Ilka Lenke.

Dann noch Hausbesuche

Wenn die Sprechstunde vorbei ist, dann ist Charles Schupet noch lange nicht fertig. Er steigt in sein Auto und beginnt mit den Hausbesuchen. Die hat er bereits im vergangenen Jahr übernommen. „Hier ist die Zahl der Patienten, die auf Hausbesuche angewiesen sind, besonders hoch“, sagt Schupet. Donnerstag ist Nennhausen-Tag für den Stendaler Mediziner und das ist eine Herausforderung.

Die Havelland Kliniken betreiben in machen Orten Gesundheitszentren mit niedergelassenen Ärzten – wie hier im Gesundheitszentrum Premnitz. Quelle: Bernd Geske

Denn natürlich ist die medizinische Versorgung mit einer Ein-Tages-Praxis in Nennhausen nicht optimal. Es gibt ein ähnliches Modell in Buschow. Die nächste Vollpraxis eines Mediziners ist in Stechow. Außerdem gibt es in Retzow eine Arztpraxis, die von den Havelland Kliniken betreut wird.

Viele Patienten

Britta Knappe weiß sehr gut, wie hilflos einige Patienten waren, als Karin Teige plötzlich nicht mehr vor Ort war. „Es ist schon ein Glück, dass wir jetzt wieder einen Mediziner hier haben und sei es nur für einen Tag.“ Mehrere hundert Patienten betreut Charles Schupet rund um Nennhausen. Nicht gerade wenig.

Blick in die Zukunft

Schupet glaubt. dass es mittelfristig wieder mehr Ärzte geben muss, die sich für eine Landarztpraxis entscheiden. Er selber hat gute Erfahrung mit Mediziner-Netzwerken gemacht. „Wir hatten auch in Stendal zeitweise eine relativ schlechte Versorgung. Das ist durch Mediziner-Netzwerke besser geworden.“ Es habe auch zur Folge gehabt, dass sich junge Allgemeinmediziner in Stendal niedergelassen haben.

In Nennhausen und Umgebung gäbe es für einen Allgemeinmediziner mit Vollpraxis genug zu tun. Quelle: Dirk Fröhlich

Bisher war die Suche nach einer Dauerlösung für Nennhausen erfolglos. „Wir arbeiten weiter daran“, sagt Ilka Lenke. Der Landkreis Havelland hat ebenfalls großes Interesse an Medizinern, die sich in den Landregionen niederlassen. Mit einem gesonderten Programm fördert der Kreis Ärzte, die sich hier niederlassen.

Der Nennhausen-Tag

Bis Nennhausen wieder eine Mediziner-Vollpraxis hat kommt Charles Schupet – kommenden Donnerstag ist wieder Nennhausen-Tag.

Von Joachim Wilisch

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