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Havelland Neue Ausstellung auf der Zitadelle
Lokales Havelland Neue Ausstellung auf der Zitadelle
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21:04 23.04.2018
Die Atelierskulptur von Hartmut Böhm. Quelle: Hans-Peter Theurich
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Spandau

Frischer Wind auf der Zitadelle: In der Alten Kaserne zeigt das Zentrum für Aktuelle Kunst (ZAK) seine erste Ausstellung: „Hartmut Böhm – Auslegungen“. Es ist dies auch ein Geschenk an den Künstler, der seinen 80. Geburtstag feierte. Die Präsentation wird begleitet von einem Projektraum mit Modellen und Zeichnungen des Bildhauers Klaus Noculak. In der Lounge sind Porträts des Fotografen Jürgen Baumann zu sehen.

Hartmut Böhm ist Maler, Objekt- und Konzeptkünstler. Für die Schau im ersten Obergeschoss des ZAK entwickelte er eine Inszenierung seiner vielfältigen Werke auf nicht weniger als 600 Quadratmetern. Gezeigt werden Malerei, Objekte und Installationen aus 50 Jahren.

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Ikone der holländischen Künstlergruppe de Stijl

Mit der farbenfrohen Assemblage aus Alltagsgegenständen mit dem Titel „Rietveld“ dockt der Kurator Ralf Hartmann an das kollektive Gedächtnis an. Umgeben von gelochten Lüftungsblechen, rotschwarzen Farbflächen und Schwämmen klebt ein Foto von Gerrit Rietvelds berühmtem Rot-Blau-Stuhl, seinerseits bestehend aus farbigen Flächen. Das Möbelstück gilt als Ikone der holländischen Künstlergruppe de Stijl. Hartmut Böhm verweist mit dem Werk auf seine künstlerischen Wegbereiter.

So eingestimmt, sieht sich der Besucher minimalistischen Tafeln glänzend cremefarbener Fliesen gegenüber mit dem Titel „4x4 Raster“. Puristisch wie die Kunst, so einfach sind auch die Titel. Das gilt ebenso für das Ölgemälde „Integrierte Felder (Rasterfeld)“ aus dem Jahr 1961. Bunte Würfel und Streifen in verwirrender Anordnung von größter mathematischer Exaktheit zeigen eine große Tiefe und besondere Poesie.

Kunst-am-Bau-Projekte zu sehen

In den großen Räumen der Alten Kaserne liegen metallene Doppel-T-Träger auf dem Boden. Drei Installationen mit dem Titel „Gegenüberstellung“ aus den Jahren 1997/98 hat Hartmut Böhm für die strenge Architektur des militärischen Gebäudes adaptiert.

Bildhauer Klaus Noculak gestaltete zahlreiche Kunst-am-Bau-Projekte in ganz Deutschland. Ein weißes Modell von 2002 zeigt eine Säule mit dem Umriss der Bundesrepublik nach der Wiedervereinigung. Ein Beispiel für seine Licht-Objekte ist eine geplante Ergänzung der Gedächtniskirchen-Ruine am Berliner Breitscheidplatz. In der Dunkelheit sollte man die Turmspitze aus Licht sehen können. Leider ist das spektakuläre Projekt von 1977 nie ausgeführt worden.

Spandaus künstlerischer Weg ins 21. Jahrhundert

In der Lounge präsentiert Fotograf Jürgen Baumann Porträts seiner Künstlerkollegen aus dem alten West-Berlin. Romy Haag ist dabei ebenso vertreten wie der Maler Rainer Fetting und die Regisseurin Miriam Goldschmidt.

Die Idee zum neuen Kunstzentrum mit der schneidigen Abkürzung „ZAK“ hatte der Kulturamtschef Ralf Hartmann. Er leitet das frühere Kunstamt seit einigen Monaten und sorgt dafür, dass Spandau künstlerisch im 21. Jahrhundert ankommt.

Von Judith Meisner