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Havelland Neue Häuser in der Eisenbahnersiedlung geplant
Lokales Havelland Neue Häuser in der Eisenbahnersiedlung geplant
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18:18 06.04.2017
Die Ställe zwischen den Häusern dienten früher als Unterkünfte für Hühner und Kaninchen, heute stehen dort Räder und Rasenmäher. Quelle: Jens Wegener
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Elstal

Katja Schönitz, Anwohnerin am Karl-Liebknecht-Platz in Elstal, übergab Mittwochabend eine Mappe mit Unterschriften an Elstals Ortsvorsteher Matthias Kunze (SPD) mit klaren Worten: „Ich habe in nur zwei Stunden die Leute in der Eisenbahnersiedlung angesprochen, nur zwei wollten nicht unterschreiben. 138 haben es getan. Das zeigt doch, dass wir keine zusätzliche Bebauung hier haben wollen.“

In der überfüllten Bürgerbegegnungsstätte in Elstal beschäftigte sich der Ortsbeirat, unterstützt von Bürgermeister Holger Schreiber (parteilos) und einigen Wustermarker Gemeindevertretern, mit der von der Deutschen Wohnen AG geplanten Verdichtung der denkmalgeschützten Eisenbahnersiedlung. Am Ende einigten sich alle fünf Ortsbeiratsmitlieder auf die Formulierung: Nein zur weiteren Bebauung der Eisenbahnersiedlung. „Ein entsprechendes Schreiben werde an den Landrat und die Untere Denkmalbehörde gehen“, versprach der Ortsvorsteher.

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Obwohl in der Öffentlichkeit bisher kein Plan vorgestellt wurde, wo neue Häuser entstehen sollen, sind die Mieter aufgeschreckt, weil nicht nur die Gerüchteküche brodelt. Die Deutsche Wohnen hat als Eigentümer der Siedlung bereits einigen Anwohnern die hinter den Häusern liegenden Gärten gekündigt. „Die haben mit konkret erzählt, welche Parzellen demnächst bebaut werden sollen“, sagte Dieter Knopp, der in der Schulstraße wohnt und dort seinen Garten verlieren soll. Andere Elstaler hätten gehört, dass die historischen Ställe, die zwischen den sanierten Mehrfamilienhäusern stehen, zum Teil abgerissen werden sollen.

Wustermarks Bürgermeister Holger Schreiber bestätigte das Ansinnen der Deutschen Wohnen zur Verdichtung der Siedlung. „Wir haben im Hauptausschuss bereits über das Thema gesprochen, ohne alle Details zu kennen. Grundsätzlich lehnen wir den Abriss von Gärten oder gar der alten Ställe ab.“

Aber der Verwaltungschef musste einräumen, dass die Deutsche Wohnen auf Grundstücken, die direkt an der Straße liegen, beispielsweise gegenüber der Oberschule Elstal, wohl neu bauen könnte.“ Dort und an einigen anderen Stellen in der Siedlung sei laut Flächennutzungsplan der Gemeinde Wohnbebauung vorgesehen. Neue Häuser in zweiter Reihe, wo die Zufahrten über die Fläche abgerissener Ställe erfolgen sollen, würde die Gemeinde verhindern wollen, so Schreiber. Der Charakter der Eisenbahnersiedlung müsse erhalten werden.

Das sagt auch der Wustermarker Fraktionschef der Linken Tobias Bank. Wenn überhaupt neue Häuser nötig sind, „müssen die unter Einbeziehung der Gemeindevertretung, des Vereins Historia Elstal sowie der Unteren und Oberen Denkmalschutzbehörden geplant werden.“ Der Vorsitzende der Gemeindevertretung Wustermark Oliver Kreuels (CDU) kündigte an, im Bauausschuss darüber zu beraten, ob die Gemeinde Wustermark mit einem Bebauungsplan für die Eisenbahnersiedlung Einfluss auf die Vorhaben nehmen kann.

Die Deutsche Wohnen bestätigte gegenüber der MAZ, knapp 50 neuen Wohnungen zu planen. Die Verdichtung soll „behutsam und der hohen architektonischen Qualität der Siedlung entsprechend“, erfolgen, so Unternehmenssprecher Julian Pinnig. Von den zahlreichen Mietergärten sei nur einer von den Planungen betroffen. „Wir haben angeboten, einen gleichwertigen Garten in nur 20 Meter Entfernung neu anlegen zu lassen“, so Pinnig.

Von Jens Wegener