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Havelland Anheimelnde Paretzer Dorfweihnacht
Lokales Havelland Anheimelnde Paretzer Dorfweihnacht
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19:35 21.12.2014
Quelle: Tanja M. Marotzke
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Paretz

Das gibt es wohl nur zur Paretzer Dorfweihnacht. Ausnahmsweise kam der Weihnachtsmann (Luise Hipp, 15) galoppierend, und das gleich auf zwei Pferden. Stehend! Ungarische Post nennt sich das attraktive Schaubild, welches der Reiterhof Luisenhof als Überraschung für die Dorfweihnacht ebenso vorbereitet hatte wie die Weihnachtsquadrille. Acht Reiterinnen zeigten in ihren Engelskostümen auf Haflingern und Warmblütern schön anzusehende Schaubilder. Indessen singt in der als Weihnachtsmarkt gestalteten Scheune bereits der Kinderchor der Ketziner Europaschule fröhliche Weihnachtslieder.

Vom Stand des Dorflädchens Vietznitz mit den selbstgemachten Konfitüren im Angebot zum benachbarten Stand der Stiftung Paretz vorzudringen, besser gesagt durchzudrängeln, ist bereits eine Stunde nach Beginn der traditionellen Dorfweihnacht am Sonntag schwierig. Hier durften die Kinder ihre Lebkuchenherzen selbst mit Zuckerguss und allerlei Süßigkeiten dekorieren und Maria (8) konnte es nach dem Kinderschminken kaum erwarten, ihr neues Gesicht als Zebra den Eltern vorzuführen. Weiter ging es zu Leo Couvet.

Die Paretzer Dorfweihnacht wurde am 4. Advent gefeiert - mit Krippenspiel vor dem Schloss. Die Scheune wurde zum gemütlichen Weihnachtsmarkt und in der Reithalle wurde die Luisenhof-Quadrille gezeigt. Zudem bewies der Chor "Die Havelklänge" sein Können und für die Kleinen gab es ein buntes Kinderprogramm.

Mit kräftigen, gekonnten Hammerschlägen schmiedete er auf dem Schmiedehof hinter der Scheune die den Pferden abgenommenen Glücksbringer zu eisernen Herzen. „Nur einmal im Jahr und nur hier in Paretz mache ich das“, erzählte er. Ansonsten sei er das ganze Jahr als Hufschmied unterwegs. Es ist diese gemütliche, unverwechselbare Atmosphäre mit alljährlich immer wieder neuen Überraschungen, die auch am vierten Advent wieder etwa 2000 Besucher in das kleine Dorf zur Dorfweihnacht zog. Es sind die Ketziner selbst, wie das Paretzer Liebhabertheater mit dem Kuchenbüfett, der Paretzer Imker Manfred Schnell oder die Arbeitsgruppe künstlerische Textilgestaltung, die neben anderen ihre Dorfweihnacht selbst gestalten. Und auch Anbieter aus der Region kommen immer wieder gern in und um die Weihnachtsscheune. So auch Manfred Sauerbaum vom Nauener Angelteich im Winkel mit vielerlei frisch Geräuchertem. „Ich komme jedes Jahr, auch jetzt kurz vor Weihnachten“, erzählte er. Auch wenn in diesen Tagen Hochsaison ist und an die 300 – 400 Karpfen für den Festtagstisch geordert werden. Schlange stehen hieß es nebenan.

Heiße Straußenbockwurst aber auch Geräuchertes von diesem exotischen Vogel machten offensichtlich Appetit. Landwirt Gerhard Drogosch aus Beelitz bot erstmals „alles vom Strauß“ und konnte sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. Dieter Feldt aus Brandenburg biss dagegen in der Scheune immer mal von seinem Stück Kuchen ab. Seit Jahren ist er Stammgast bei der Dorfweihnacht. „Seit 60 Jahren flechte ich, in der dritten Generation und werde wohl der letzte in meinem Beruf sein“, erzählte er mit etwas Bedauern. Gut 3,5 Stunden biege er Rute um Rute für einen Wirtschaftskorb. Einen solchen erwarb gerade Marie Luise Schemp aus Berlin. „So ein Original bekommt man doch sonst nicht“, so ihr Kommentar.

Kunstgewerbliche Geschenke erwerben, sich kulinarisch verwöhnen lassen und weihnachtliche Klänge nicht nur vom Band hören, aber auch Freunde und Bekannte treffen, das macht wohl die unverwechselbare Atmosphäre der Paretzer Dorfweihnacht aus.

Es ist dunkel geworden, vor dem Schloss singen die Ketziner Kids „Alle Jahre wieder…“. Der Höhepunkt der Dorfweihnacht, das Krippenspiel, hat begonnen. Josef (Vincent) und Maria (Martha) auf dem Esel Wastl suchen eine Herberge. Begleitet von Hirten und Engeln und mehreren hundert Zuschauern ziehen sie durch Bethlehem-Paretz, werden aber immer wieder abgewiesen. Während auf dem Storchenhof schon wärmende Feuer brennen, stoppt der Zug. Auf der festlich dekorierten Veranda singt der Chor Ketziner Havelklänge Besinnliches zur Weihnacht. Josef und Maria haben hier endlich eine Bleibe gefunden und betten ihr gerade erst geborenes Kind (Merle Zeise, knapp fünf Monate alt) in der Krippe auf Stroh. Die Engel stehen dabei. Der Stern von Bethlehem leuchtet symbolisch in die Welt hinaus und kündet von Jesu Geburt. Mit „Stille Nacht, heilige Nacht…“ mit den Ketziner Havelklängen und von allen gesungen, klingt ein besinnlicher Nachmittag langsam aus.

Von Wolfgang Balzer

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