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Havelland Alte Flieger fein gemacht
Lokales Havelland Alte Flieger fein gemacht
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18:39 10.04.2015
Der Bielefelder Fluglehrer Matthias Meyers fliegt eineWoche lang eine amerikanische Cessna aus den 1950er-Jahren
Der Bielefelder Fluglehrer Matthias Meyers fliegt eineWoche lang eine amerikanische Cessna aus den 1950er-Jahren Quelle: Tanja M. Marotzke
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Der knallgelbe britische Flieger "Tiger Moth" aus den 1930er- Jahren ist schon von Weitem in der riesigen Halle auf dem Flugplatz Bienenfarm zu erkennen. Mit der Doppeldecker-Maschine wurde erst vor Kurzem auf dem Gelände ein Polizeiruf gedreht, der am 10.Mai ausgestrahlt wird. Seit Sonntag hat das Flugzeug, das dauerhaft hier steht, Gesellschaft von einigen historischen Oldtimern bekommen.

Schreck am Himmel

Große Aufregung am MIttwoch: Ein Sportflugzeug hatte in der Luft Probleme, das Bugfahrwerk ließ sich nicht ausfahren.

Denn in der Woche nach Ostern trifft sich hier der Paderborner Verein Quax, um sein großes Trainingslager zu veranstalten: "Ausmotten" nennt sich die Tradition, die nun zum siebten Mal hier stattfindet. Dann werden Maschinen aus den Kriegs- und Nachkriegszeiten nach der langen Winterpause wieder fit gemacht. Viele der etwa 14Flugzeuge wurden zwischen 1920 und 1960 erbaut. "Der Verein verlegt in dieser Woche seine komplette Flotte nach Selbelang, normalerweise hat er seine Werft in Paderborn", erklärt Jörg Schramma, Flugkapitän bei Air Berlin und Mitglied des Vereins. Auf dem Flugplatz Bienenfarm haben sie viel Platz, um Testflüge zu machen und die Techniken der verschiedenen Flieger auszuprobieren. Auch Nachwuchspiloten werden angelernt und die Vereinsmitglieder üben sowohl Kunstflüge als auch Szenarien, wie sie in brenzligen Situationen reagieren können. Um ungestört fliegen zu können, mietete der Verein den Flugraum über dem Platz."So kommen uns keine Flugzeuge in die Quere", sagt Schramma. Manche der Oldtimer sind so wartungsbedürftig, dass alle fünf Stunden deren Ventildeckel abgefettet werden muss, wie beispielsweise bei dem deutschen Flugzeug FW 44 Stieglitz. Es ist eines der letzten vier Exemplare in Deutschland und wurde von den Nazis als Trainingsflugzeug benutzt.

Dass es nicht einfach ist, historische Flugzeuge zu fliegen, weiß Matthias Meyers: Er gibt hier Flugstunden für eine silberne amerikanische Cessna 150 aus den 1950er-Jahren. "Die Maschine hat einen besonderen Sound und Geruch, sie vibriert und wackelt in der Luft auf einzigartige Weise", erzählt er. Schon drei Mal hat er in dieser Woche Flugstunden für diesen Flieger gegeben. Dabei fährt er Runden um den Platz, steigt auf 300 Meter in die Luft und fliegt einen rechteckigen Kasten um den Flugplatz. "Es ist ein fliegerisch anspruchsvolles Flugzeug", sagt der 31-jährige Bielefelder. "Man muss im Anflug die richtige Geschwindigkeit bekommen. Wer nicht gewohnt ist, seitwärts rauszuschauen, kann das Flugzeug schwierig steuern."

Für die Oldtimer ist der Flugplatz Bienenfarm besonders geeignet: "Für die alten Maschinen ist eine Grasbahn wichtig. Denn deren hinteres Sporenrad ist sehr sensibel, bei Asphalt kann es zum Ausbrechen oder Abschleifen kommen", erklärt der Geschäftsführer des Flugplatzes Manuel Meger. Für das Ostertreffen ließ er sogar zehn Wohnwagen auf den Platz stellen, denn einige Vereinsmitglieder wollen das Flair vergangener Flugtage die ganze Zeit um sich herum haben. Angefangen hatte hier alles mit einer Gruppe von etwa 15 Leuten an, inzwischen sind es fast 70 Piloten, die jedes Jahr hierher kommen. Es ist zu einem Treffen unter Freunden geworden, denn die Familien der Flieger kennen sich untereinander und auch viele Kinder sind mit dabei, erzählt Meger. "Alle sehen sich wieder, es macht Spaß und hat sich bewährt", fügt Jörg Schramma hinzu. Meger ist überzeugt: "Historische Flugzeuge sollen nicht im Museum stehen, sondern hoch in die Luft."

ZUSCHAUEN ERWÜNSCHT

  • Bis Samstagabend können alle Interessierten die alten Flieger in Bienenfarm beobachten und im Restaurant „Bienenkorb“ auf der Terrasse das Geschehen verfolgen.
  • Am Sonntag reisen die Piloten dann ab und fliegen mit ihren alten Maschinen wieder zurück nach Paderborn.
  • Am ersten Juliwochenende wird es ein weiteres Treffen geben, bei dem Liebhaber der amerikanischen Boing Stearman mit ihren Maschinen auf dem Flugplatz Bienenfarm zusammenkommen und Erfahrungen austauschen.

Von Melanie Höhn

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