Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Pflege muss wieder cool werden
Lokales Havelland Pflege muss wieder cool werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:16 18.04.2018
Dass Altenpflege Spaß macht, zeigte Simone Thiedecke (l.) Bundesfamilienministerin Franziska Giffey bei einer praktischen Übung.
Dass Altenpflege Spaß macht, zeigte Simone Thiedecke (l.) Bundesfamilienministerin Franziska Giffey bei einer praktischen Übung. Quelle: Danilo Hafer
Anzeige
Spandau

Auf ihre Mittagspause verzichteten die Auszubildenden der Berufsfachschule für Altenpflege des Evangelischen Johannes-stifts in Spandau am Mittwoch gerne. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) besuchte die Einrichtung, um sich einen Eindruck von den Bedingungen in der Ausbildung von Pflegekräften zu verschaffen und mit den Auszubildenden ins Gespräch zu kommen.

Azubis beklagen Zeitdruck und schlechte Bezahlung

Vor allem der hohe Zeitruck und die im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen schlechte Bezahlung wurden von den Schülern bemängelt. „Wir haben auch für einen sehr großen Verbandswechsel nur zehn Minuten Zeit, das ist meist gar nicht zu schaffen. Wenn wir länger brauchen, ist das unsere private Zeit, die wir nicht bezahlt bekommen“, so eine der Schülerinnen. Gleichzeitig wünschen sich viele mehr Anerkennung, unabhängig von der Bezahlung. Zudem sollte der Beruf auch für Jugendliche attraktiver gemacht werden.

Schulgeld soll abgeschafft werden

Zumindest für den letzten Punkt hat Familienministerin Franziska Giffey bereits konkrete Pläne. So soll das Schulgeld abgeschafft und eine vernünftige Ausbildungsvergütung eingeführt werden. „Denn niemand soll sich die Frage stellen müssen: Kann ich es mir leisten, Pflegefachmann zu werden?“, so die Ministerin. Es soll wieder cool sein, Pflegekraft zu sein.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey nutzte die Gelegenheit, um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen. Quelle: Danilo Hafer

Dass der Beruf trotz aller negativen Aspekte auch Spaß macht, wurde Franziska Giffey in einer praktischen Übung im Schulungsraum noch einmal verdeutlicht. Gemeinsam mit der Auszubildenden Simone Thiedecke führte sie an einer Puppe einen Verbandswechsel durch. Simone Thiedecke arbeitet bereits seit 13 Jahren in einer Einrichtung für Schwerstpflege in Rathenow. „Mit 48 Jahren habe ich mich dann dafür entschieden, noch mal eine Ausbildung zu machen“, erzählte sie. Die Teilzeitausbildung zur examinierten Pflegekraft dauert vier Jahre und ist berufsbegleitend. Einen anderen Beruf kann sich Simone Thiedecke gar nicht mehr vorstellen. „Ich mache diese Arbeit wirklich gerne und rede auch immer mit meinen Patienten, die im Wachkoma liegen, obwohl ich nicht weiß, ob sie mich hören“, so Thiedecke. Sie hoffe nun, dass sich mit der neuen Ministerin die Bedingungen in der Pflege verbessern.

Viele Schüler arbeiten schon seit Jahren in der Pflege

So wie Simone Thiedecke arbeiten viele Schüler der Berufsfachschule bereits seit vielen Jahren in der Pflege. „Einige entscheiden sich nach 14 Jahren im Beruf noch einmal dazu, Examinierter Altenpfleger zu lernen, um mehr Verantwortung übernehmen zu können“, erklärte Schulbereichsleiterin Anna Schlicht. Sie wünsche sich für die Zukunft vor allem strukturierte Rahmenbedingungen für die Ausbildung in Praxis und Theorie. „Die Schüler sollten während ihrer Ausbildung nicht dazu herhalten, die Fachkräftelücke zu füllen, sondern wirklich als Schüler, die etwas lernen wollen, behandelt werden“, so die Schulbereichsleiterin.

Pflegeausbildung soll einheitlich werden

Um die Reform der Pflegeberufe ging es auch in einem nicht öffentlichen Gespräch zwischen Franziska Giffey mit Vertretern der Einrichtung und des Deutschen Evangelischen Verbands für Altenarbeit und Pflege. Durch das Pflegeberufegesetz werden die Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und der Krankenpflege sowie der Kinderkrankenpflege zu einer neuen Pflegeausbildung zusammengeführt, mit einem einheitlichen Berufsabschluss als „Pflegefachmann“ oder „Pflegefachfrau“.

Von Danilo Hafer

Havelland Nicht mehr in diesem Jahr - Kreisumlage sinkt ab dem Jahr 2019
17.04.2018
Havelland Mehr Geld für Städte und Gemeinden - Auch SPD will die Kreisumlage schnell absenken
17.04.2018
19.04.2018