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17:34 14.04.2014
Originale Ketziner Ziegelsteine mit seltenen Stempeln.
Originale Ketziner Ziegelsteine mit seltenen Stempeln. Quelle: Wolfgang Balzer
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Ketzin/Havel

Die Havelstädter haben ihre wasserreiche und touristisch interessante Umgebung eigentlich einem Lehrer zu verdanken. 1838 kam Adolf Kaselitz nach Ketzin/Havel. „Im Jahre 1850 muss er den Wert der Tonvorkommen in Ketzin entdeckt haben“, informierte Andreas Lauterberg, Mitglied im hiesigen Heimatverein, jüngst beim dritten Treffen der Freunde der Ziegeleigeschichte in der Mark Brandenburg. Der dann einsetzenden Ziegelproduktion verdankt die Stadt 84 künstliche Gewässer. Sie bilden heute eine romantische Wasserlandschaft mit mehreren Natur- und Landschaftsschutzgebieten und sind gut für den Tourismus. Dieser ist zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor Ketzins geworden.

Die Freunde der Ziegeleigeschichte kamen im Haus Brückenkopf zusammen, also in einer Umgebung direkt am Ziegeleikanal und der ehemaligen Ziegelei von Fritz Jöllenbeck. Von der steht an der Straße nach Zachow noch das Haus des Ziegeleimeisters. Die rund 30 Geschichtsinteressierten, unter ihnen Ziegelsammler, Archäologen und Heimatforscher erfuhren, welchen Boom besagter Adolf Kaselitz nach dem Erwerb von acht Morgen Land in Vorketzin und mit dem Bau der ersten Ziegelei um 1859 auslöste.

Kurze Zeit später baute Martin Mannheimer ganz in der Nähe eine zweite – und wie Andreas Lauterberg zu berichten wusste, gab es im Ergebnis dieser Ansiedlungen in Vorketzin für die Ziegeleiarbeiter zwei Fleischereien und eine Gastwirtschaft.

Nur 20 Jahre später, um 1880, produzierten im Ketziner Ziegeleibezirk bereits elf Ziegeleien mit 18 Ringöfen jährlich rund 100 Millionen Ziegel, die größtenteils nach Berlin geliefert wurden. Dementsprechend stieg auch die Einwohnerzahl von etwa 1000 im Jahre 1860 auf rund 3500 im Jahre 1890. Dazu kamen im Sommer 1500 Saisonarbeiter.

Den Höhepunkt erlebte die Ziegeleiproduktion in der Havelstadt um 1905. Die 17 Ziegeleien hatten eine Produktionskapazität von jährlich 145 Millionen Ziegel, erfuhren die Freunde der Ziegeleigeschichte.

Einige der Ziegeleibesitzer engagierten sich auch im sozialen Bereich. So gründete Martin Mannheimer in Ketzin eine Stiftung für mildtätige Zwecke und Friedrich Albrecht errichtete auf dem Ketziner Pfarrhof eine Kleinkinderschule, sozusagen ein Vorläufer der heute an gleicher Stelle ansässigen Kindertagesstätte. Ferner stiftete er 1898 für die Stadt ein Krankenhaus – heute ist es das Ärztehaus in der Potsdamer Straße.

Ein architektonisches Wahrzeichen in der Stadt, die heutige Villa Havelblick, hatte sich Ziegeleibe sitzer Müller im Jahre 1877 gebaut und Friedhofskapelle in Paretz gestiftet, berichtete Andreas Lauterberg. Nicht immer ging bei der Ziegelproduktion alles glatt, wie alte Fotos von 1928 belegen. Damals ließ Fritz Jöllenbeck die gegenüber der größten ehemaligen Tongrube Gelber Stich gelegene Grube abpumpen. Die Folge: Ein Dammbruch, die Straße verschwand und der Wasserspiegel sank schlagartig um 1,5 Meter. Ärgerlich war das auch für die Zachower Bauern. Es war Erntezeit und so mussten sie die Zuckerrüben mit ihren Pferdefuhrwerken über Tremmen in die Ketziner Zuckerfabrik (später Kraftfuttermischwerk und heute Agrarhandel Bohnhorst) transportieren, übrigens auch ein ehemaliger Ziegelei standort, der aber bereits vor 1900 aufgegeben wurde.

1905 begann der Rückgang der Ketziner Ziegeleiproduktion, die 1946 endgültig Geschichte wurde.

Von Wolfgang Balzer

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