Apotheker stellt selbst Desinfektionsmittel her
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Premnitz Apotheker stellt selbst Desinfektionsmittel her
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18:00 26.03.2020
Apotheker Eckhard Galys beim Abfüllen des selbst hergestellten Desinfektionsmittels.
Apotheker Eckhard Galys beim Abfüllen des selbst hergestellten Desinfektionsmittels. Quelle: Bernd Geske
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Premnitz

„Der Bedarf an Desinfektionsmittel ist rasant gestiegen“, sagt Apotheker Eckhard Galys. Es ist Inhaber der Neustadt-Apotheke in Rathenow und betreibt in Premnitz die Fontane-Apotheke und die Apotheke im Gesundheitszentrum. Damit es wegen der Corona-Krise für ihn und sein Personal möglichst wenig Kontakte gibt, hält er sich seit einigen Tagen nur noch in der Apotheke im Gesundheitszentrum auf.

Produkte zum Desinfizieren gebe es für Flächen und für die Hände, erklärt er. Das könnten Tücher sein, Konzentrate oder Flüssigkeiten zum Sprühen. Die Nachfrage sei vor allem seit Beginn der vergangenen Woche gestiegen, berichtet Eckhard Galys. Das sei die Zeit gewesen, als es in Deutschland die ersten Corona-Fälle gab. Gefragt seien bei den Privatkunden vor allem kleinere Fläschchen.

Eckhard Galys ohne Maske. Quelle: Bernd Geske

Habe er früher in den normalen Zeiten in der Apotheke im Gesundheitszentrum vielleicht fünf Fläschchen Desinfektionsmittel pro Tag verkauft, teilt Eckhard Galys mit, so würden im gleichen Zeitraum jetzt rund 200 Fläschchen verkauft. Gingen früher in etwa zwei Packungen Desinfektionstücher in der Woche an die Kunden, seien es jetzt um die 30.

„Wir müssen darauf achten, dass wir die Bevölkerung versorgen“, sagt der Apotheker. Vor wenigen Tagen seien er und seine Berufskollegen aber durch die Amtsärztin gebeten worden, auch Desinfektionsmittel für die Ärzte bereit zu halten. Diese hätten nichts mehr. Früher hatten Ärzte ihre Desinfektionsmittel nicht über Apotheken bezogen.

In der Apotheke gibt es jetzt viel zu tun. Quelle: Bernd Geske

In den letzten Tagen habe er an zehn Rathenower Arztpraxen Desinfektionsmittel verkauft, berichtet Eckhard Galys. Die hätten nichts mehr gehabt, er habe sie alle versorgen können.

Was über den Großhandel oder von Herstellern derzeit an Desinfektionsmitteln zu bekommen ist, davon sind die Mengen sehr begrenzt. Darum hat Eckhard Galys begonnen, selbst Desinfektionsmittel herzustellen. Früher hatten das die Apotheken immer selbst machen dürfen, dann ist es ihnen untersagt worden.

Auf den richtigen Abstand ist zu achten. Quelle: Bernd Geske

Durch einen Erlass von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor etwa zwei Wochen angesichts der Corona-Krise ist es jetzt wieder möglich. Den Apothekern ist nahegelegt worden, sich nach zwei Anleitungen zu richten, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO kommen. Desinfektionsmittel können aus zwei Grundstoffen hergestellt werden. Der erste ist Alkohol, der ist aber derzeit vergriffen.

Der zweite Stoff heißt Isopropanol, davon hatte Eckhard Galys noch was im Lager. Dort hineingemischt werden muss ein Mittel, dass das Austrocknen der Hände verhindert und eine andere wichtige Zutat, deren Aufgabe dem Laien schwer zu erklären wäre. Nach dem Mischen von größeren Mengen sollte das Desinfektionsmittel idealerweise für den Verkauf in kleine Plastikfläschchen zu 100 Milliliter gefüllt werden. Die kann man gut zusammendrücken.

Auch OP-Masken werden jetzt viel gekauft. Quelle: Bernd Geske

Das hat zu Beginn prima geklappt, dann waren die kleinen Plastikfläschchen ausverkauft. Nun werden werden kleine Glasfläschchen verwendet. Das geht auch. Für Arztpraxen wird das Desinfektionsmittel in Literflaschen abgefüllt.

Auch Mundschutz ist in diesen Tagen sehr gefragt. Die Nachfrage nach den normalen OP-Masken ist stark gestiegen, teilt Eckhard Galys mit. Da nur wenige vom Großhandel kommen, werden die Masken aus ihren 50-Stück-Päckchen so abgezählt, dass jeder Kunde eine angemessen geringe Zahl bekommt. Leistungsfähigere Masken vom Typ FFP 2 und 3, die es noch seltener gibt, werden für die Arztpraxen gelassen.

Stark nachgefragt sind auch Schutzhandschuhe. Es gibt sie aus drei verschiedenen elastischen Kunststoffen. „In der vergangenen Woche sind sie sehr viel gekauft worden“, sagt Eckhard Galys. Er halte es aber für sinnvoller, sich die Hände zu desinfizieren oder gründlich zu waschen.

Von Bernd Geske