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Premnitz Barkas, Pebe und Kadarka: Das DDR-Museum verschlägt die Sprache
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14:57 22.07.2018
Museumschef Manfred Hüsges vor seinen Lieblingen Trabant und Barkas. Quelle: Tobias Wagner
Döberitz

Mensch, damit habe ich auch gespielt!“ ist wohl der meist genannte Satz im DDR-Museum im Premnitzer Ortsteil Döberitz. Wenn der Besucher beim erstmaligen Betreten der Ausstellung überhaupt Worte findet.

Denn die auf etwa 1000 Quadratmeter verteilten rund 60 000 Ausstellungsstücke machen erst einmal das – sprachlos. Schier unerschöpflich scheint der Vorrat an bekannten und unbekannten Stücken. Von der Thälmann-Büste über Puppe Petra und Plattenspieler Domo bis hin zum Trabant ist hier scheinbar alles aus dem DDR-Alltag zu finden. Und noch vieles mehr.

„2005 habe ich in meiner Sammlung gestanden und mich gefragt, was ich mit dem ganzen Kram anfangen soll“, erinnert sich Manfred Hüsges. Der Leiter des Museums wohnte zu diesem Zeitpunkt noch in Mönchengladbach. Bei seiner ersten Fahrt in den Osten der Republik im Jahr 1993 verliebte er sich sofort in Trabant und Barkas. Und begann zu sammeln.

Insgesamt etwa 60 Trabbis und 24 Pkw vom Typ Barkas befinden sich in Hüsges Besitz. Irgendwann hatte er kein Platz mehr und fing an, kleinere Dinge aus dem Arbeiter- und Bauernstaat zu sammeln. Der Beginn einer Sammlung, die ihresgleichen sucht.

Etwa 10 000 Gegenstände hat Hüsges im Laufe der Jahre mit Hilfe von eBay und Trödelmärkten zusammentragen können. Ganz sicher sei er sich jedoch nicht, „es könnten auch 13 000 Stück sein“. Zu Spitzenzeiten erhielt er täglich bis zu zehn Pakete per Post, gefüllt mit dem, was später in der Ausstellung landen sollte.

Das Museum in Döberitz zeigt eine unfassbare Fülle an Exponaten aus dem Alltagsleben der DDR –Über 600000 Stücke lassen nicht nur Erwachsenenherzen höher schlagen.

Am 1. Mai 2014 eröffnete Hüsges das Museum. Über 80 Objekte hatte er sich vorher angeschaut und sich schlussendlich für das über 20 Jahre leerstehende Gaststättengebäude entschieden. Mehr als drei Jahre lang hat der gelernte Gas-,Wasser- und Heizungsinstallateur das Haus eigenhändig saniert. Insgesamt 32 Mal füllte er einen Lkw bis unters Dach und fuhr jeweils 504 Kilometer von Mönchengladbach nach Döberitz, um seiner Sammlung ein neues Zuhause zu geben. Ein unglaublicher Kraftakt, der sich gelohnt hat.

„Ich bin wunschlos glücklich“, sagt Hüsges, der seine Wohnung direkt über dem Museum bezogen hat. „Denn ich würde meine Sammlung nie allein lassen.“ Unschätzbar scheint der finanzielle Gesamtwert der Stücke. „Von dem ganzen Geld hätte ich mir mehrere Ferraris kaufen und mit denen mehrmals ums Eck fahren können“, so Hüsges, der immer einen passenden Spruch parat zu haben scheint. „Nach zwei Wochen wäre das jedoch langweilig geworden“. Er stellt seine Errungenschaften lieber aus und kommt „mit den Leuten ins Quatschen“.

Doch auch der emotionale Wert der Stücke ist unermesslich. Denn für den Besucher, der vor der Wende aufwuchs, ist das Museum nicht nur eine kulturgeschichtliche Ausstellung, sondern es ermöglicht eine Reise in die eigene Kindheit. Die Masse an ausgestelltem Spielzeug lässt sich schwer erfassen. Und erfreut dadurch auch moderne Kinderherzen.

Gezeigt werden unter anderem Baukästen von Fröbel, Pewesti und Mentor, Cowboy- und Indianerfiguren, Brettspielsammlungen, Puppen, ferngesteuerte Autos, und Pebesteine, dem DDR-Pendant zum Lego. In einem Nebenraum errichtete Hüsges gar ein weltweit einzigartiges Pebeland. Über acht Jahre baute er an NVA-Kaserne, Konsum, Rathaus und weiteren Gebäuden aus den bunten Plastiksteinen. Besonders bemerkenswert ist hier der Nachbau der Göltzschtalbrücke im sächsischen Vogtlandkreis. Diese ist die größte Ziegelsteinbrücke der Welt und überspannt zweigleisig auf der Bahnstrecke Leipzig-Hof das Tal der Göltzsch.

Auch die kleinen NVA-Soldaten aus Plastik wecken Erinnerungen an so manchen Sandkasten, der vor 40 Jahren durch Kinderhand gegen das kapitalistische Ausland verteidigt wurde. Diese Soldaten sind jedoch eine Ausnahme. Hüsges stellt sich entschieden gegen Waffen und möchte lediglich Stücke im Museum präsentieren, die positive Erinnerungen wach werden lassen. Aus diesem Grund sind auch keine Gegenstände der Staatssicherheit ausgestellt.

Auch einen komplett nachgebauten Konsum gibt es. Hier sind die Regale gefüllt mit allem, was das sozialistische Konsumentenherz höher schlagen ließ. Rouladennadeln, Rondokaffee, Berggoldkakao, Waschmittel, Rosenthaler Kadarka und Asco Cola warten nur darauf, in den Einkaufskorb gepackt zu werden. Welcher natürlich stilecht am Eingang zum Laden für den Kunden bereit steht.

Ins Auge fällt sofort der teilweise tatsächlich fabrikneue Zustand der Stücke. „Wenn irgendetwas bei mir verstaubt oder verdreckt angekommen ist, habe ich es selber geputzt“, sagt Hüsges. Ein Lieblingsstück besitzt er nicht. „Alles, was ich in meiner Sammlung habe, ist mir schwer ans Herz gewachsen“, sagt Hüsges. „Allerdings suche ich schon seit Ewigkeiten das Stereogerät HKL 88 in weiß – das wäre ein Traum!“.

Die zwei passenden kugelförmigen Boxen besitzt er schon. Für Manfred Hüsges wäre damit eine der beeindruckendsten privaten Sammlungen zum Alltagsleben der DDR komplett.

Adresse und Öffnungszeiten

Das DDR-Museum befindet sich gegenüber dem Norma-Discounter im Bammerweg 5 im Premnitzer Ortsteil Döberitz, direkt an der B 102.

Geöffnet ist es vom 1. Mai bis zum 31. Oktober jeweils mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Der Eintritt für Erwachsene beträgt 5 Euro, für Kinder und Jugendliche (4 –7 Jahre) 3 Euro.

Das Museum ist barrierefrei.

Weitere Infos unter www.ddr-museum-döberitz.de oder bei Facebook.

Von Tobias Wagner

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