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Premnitz Eine Friedensbotschaft für Europa
Lokales Havelland Premnitz Eine Friedensbotschaft für Europa
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15:24 01.02.2019
Ulrike und Stefan Behrens auf den Stufen ihrer Villa am See in Premnitz. Quelle: Christin Schmidt
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Premnitz

 Neben Berlin und Chemnitz wird die kleine Stadt Premnitz bald zu den Ausgangspunkten eines einzigartigen Projektes gehören, das den Gedanken des Friedens und der Solidarität nach Europa hinaus tragen soll. Zu verdanken ist das Ulrike und Stefan Behrens, den Inhabern des bekannten Kunsthauses am Premnitzer See. Sie haben begonnen, ihr Haus mehr und mehr zu einer Begegnungsstätte auszugestalten, wo die Menschen offen ihre Gedanken austauschen können. Zweifellos wird das bereits umfangreich geplante Europa-Projekt der bisherige Höhepunkt ihres Wirkens sein.

Es geht um den „Codex Morgner“, der in mehr als 250 Orten Europas aufgeführt werden soll. Der Auftakt wird am 17. April in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu Berlin stattfinden. Bewusst ist dafür der Mittwoch vor Gründonnerstag ausgewählt worden. Der „Codex Morgner“ soll in der Passionswoche, der Woche vor dem Osterfest, seine Uraufführung haben.

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80 Jahre nach Kriegsbeginn

„2019 ist es 80 Jahre her, dass der Zweite Weltkrieg Europa und weite Teile der Welt verwüstete und unermessliches Leid in die Menschheit trug“, erklärt Stefan Behrens. Verlust und Leid dürften nicht vergessen werden. Unrecht, Unheil und Verbrechen seien heute eine Warnung vor Nationalismus, Hass und Unmenschlichkeit. Die Veranstaltungen seien ein Sühnezeichen, ein Bitten um Vergebung und gleichzeitig eine Danksagung für die Aufnahme Deutschlands in Liebe und Verantwortung zurück in die europäische Völkergemeinschaft.

Initiiert haben das Projekt der in Chemnitz lebende Künstler Michael Morgner, der in Berlin wirkende Musiker und Komponist Wolfgang Seifen sowie Ulrike und Stefan Behrens in Premnitz. Ihre enge Verbindung mit Michael Morgner ist für Kenner der Gegebenheiten kein Geheimnis: Der Chemnitzer Künstler hat die 14 großen Installationen geschaffen, die im Park der Premnitzer Villa stehen.

Mehrere monumentale Stahlplastiken und weitere Installationen von Michael Morgner zieren den Park der Villa am See. Quelle: Bernd Geske

Michael Morgner stellt die 14 Werke zur Verfügung, Wolfgang Seifen hat dafür Musik komponiert und die Premnitzer Eheleute Behrens haben die Konzeption für die Veranstaltungsreihe erarbeitet. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche begleitet das Vorhaben und wird die erste Station dieses „Kreuzweges für Vergebung, Frieden und Verständigung durch Europa“ sein. Die 14 Stationen tragen Namen wie „Schwarze Kreuzigung“, „Ecce Homo – Suche durch das Wort“, „Reliquie Mensch mit Zeichen KZ“, „Großes Kreuzzeichen, Orientierung“ und „Befreiung“.

Michael Morgner knüpft an den Paradigmenwechsel des frühen Christentums an“, erklärt Stefan Behrens, „er geht den Weg weiter über das Ereignis der Kreuzigung, beginnt mit der größten individuellen Grausamkeit der Folterung und Tötung des einzelnen Menschen.“ Im Dialog zeige er den Massenmord aus unseliger Gesinnung und Verachtung, die schwärzeste, schuldigste, menschliche Tat – unvorstellbar in Größe, Barbarei und Unmenschlichkeit.

Aufführung in Coventry

Ein weiterer Ort der Aufführung wird die Kathedrale im mittelenglischen Coventry sein, von der nach dem Krieg die Versöhnung und die Idee der Nagelkirchen ausging. Folgen sollen Aufführungen in Polen, der Ukraine, Russland, Litauen, Lettland, Estland, der Slowakei, der Tschechei, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Britannien, Spanien, Italien und Israel. Mit den über 250 Nagelkreuzkirchen und anderen Orten werden Aufführungen vorbereitet. Eintritt ist frei.

Bei einer Aufführung werden die jeweils drei mal fünf Meter großen Werke in Originalgröße in festgelegter Reihenfolge als Standbilder auf eine fünf mal fünf Meter große Leinwand projiziert. Zu jeder Station spielt Wolfgang Seifen eine Orgelimprovisation. Eine Aufführung dauert rund 70 Minuten.

Aufführungen sind noch zu haben

Neben die eine große Leinwand werden 14 kleinere Leinwände gestellt, die eine Größe von 80 mal 120 Zentimetern haben. Auf jede wird eines der 14 Werke noch einmal extra projiziert, so dass der ganze „Codex“ hier noch einmal zu sehen ist. Kleine Texte werden als Zugangshilfe beigefügt.

Das gesamte Material kann leicht transportierbar zusammengelegt werden. Die Musik liegt auch auf einer CD vor und die Bereitstellung erfolgt kostenlos. Interessenten, die auch eine Aufführung haben wollen, können sich an Ulrike und Stefan Behrens wenden. Anlaufpunkt ist die Villa am See in Premnitz.

Von Bernd Geske