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Premnitz Genitalverstümmelung: Kenianerin will Kinder schützen
Lokales Havelland Premnitz Genitalverstümmelung: Kenianerin will Kinder schützen
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08:52 07.01.2020
Martha Waithaka aus Kenia (r.) arbeitet ehrenamtlich für die Menschenrechtsorganisation Terre de Femme und klärt über FGM auf. Quelle: Martin Funck
Premnitz

Martha Waithaka ist Brandenburgs einzige Change Agent, eine ehrenamtliche Multiplikatorin, die im Rahmen des EU-Projekts „Let’s Change“ über weibliche Genitalverstümmelung (international als Female Genital Mutilation bekannt – kurz FGM) aufklärt.

Die 29-Jährige wurde in Kenia geboren, kam 2015 nach Deutschland und lebt mit ihrem dreijährigen Sohn in Premnitz. Von hier aus engagiert sie sich seit gut einem Jahr öffentlich für ein Thema, zum dem viele lieber schweigen. Sie tut es, um betroffenen Frauen zu helfen und Mädchen zu schützen.

„Die meisten denken, dass nur in Afrika Mädchen beschnitten werden, dabei wird Genitalverstümmelung in vielen Ländern praktiziert, weltweit sind Frauen betroffen“, betont die gelernte IT Administratorin.

EU-Programm „Let’s Change“

Sie hilft im Übergangswohnheim in Premnitz als freiwillige Übersetzerin aus, unterstützt Frauenprojekte und ist zudem seit 2018 ehrenamtlich für die Menschenrechtsorganisation Terre de Femme tätig, die mit weiteren Organisationen „Let’s Change“ ins Leben gerufen hat.

Als Change Agent ist sMartha Waithaka unter anderem auf lokaler Ebene aktiv, um in direkten Gesprächen über FGM und die damit einhergehenden Folgen aufzuklären.

Ein halbes Jahr lang hat sie sich für dieses Ehrenamt ausbilden lassen und ist nun ständig unterwegs – in Kitas, Schulen, aber auch in Asylunterkünften. Warum sie das tut?

Martha Waithaka ist mit dem Thema aufgewachsen

„Weil auch in Deutschland immer mehr Migranten leben, die versuchen, ihre Kultur zu bewahren und dazu gehört oftmals leider auch die Verstümmelung von Frauen“, sagt die 29-Jährige. Sie ist mit dem Thema aufgewachsen, kennt viele Frauen, die unter den psychischen und physischen Folgen dieses Eingriffs leiden.

„Ich selbst bin nicht betroffen und wurde davor beschützt, das Thema beschäftigt mich aber seit meiner Kindheit. Jetzt möchte ich betroffenen Frauen helfen. Viele wissen zum Beispiel gar nicht, dass die Ursache für ihre Schmerzen FGM ist“, so Waithaka.

FMG – 200 Millionen Frauen weltweit betroffen

Weibliche Genitalverstümmelung (international kurz: FGM) ist ein zerstörerischer Eingriff.

Dabei werden die weiblichen Geschlechtsteile teilweise oder ganz entfernt oder verletzt, um die sexuelle Lust der Frau zu verhindern.

Die Verstümmelung findet meist vor der Pubertät statt, häufig zwischen vier und acht Jahren, inzwischen auch bei Säuglingen.

FGM kommt vor allem in Afrika vor, aber auch im Nahen Osten, in Südostasien und unter Einwanderern in Europa, den USA, Kanada, Australien und in Neuseeland.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sind mindestens 200 Millionen Frauen weltweit betroffen.

Mehr zum Projekt Let’s change auf: www.frauenrechte.de

Beschneidungen werden oft mit der Religion begründet. Auch die Kultur spielt eine wichtige Rolle. „Viele Frauen haben zum Beispiel Angst, dass sie nicht verheiratet und von der Gesellschaft ausgeschlossen werden, wenn sie nicht beschnitten sind“, so Waithaka.

Es geht darum, Kinder zu schützen

Sie sieht ihre Aufgabe aber nicht darin, den Frauen zu sagen, dass das, was sie getan haben und was ihnen angetan wurde, falsch ist. „Uns geht es darum, die Kinder zu schützen und Betroffenen Hilfe anzubieten. Sie sollen wissen, dass sie mit den psychischen und physischen Problemen nicht allein sind“, sagt Martha Waithaka.

Sie bietet gezielte Hilfe an, bringt zu Gesprächen Informationsbroschüren mit und warnt vor den Folgen: „Nicht wenige überleben diese Prozedur nicht“, so die junge Frau.

In den letzten Wochen und Monaten hat sie vor allem im Westhavelland Kindergärten und Horte besucht und mit Erziehern gesprochen, um das Bewusstsein für das Thema zu wecken und zu sensibilisieren.

Noch viel Unwissenheit

„Viele wussten gar nichts darüber und waren geschockt. Umso wichtiger ist es, dass wir ihnen erklären, welche Anzeichen es gibt und was zu tun ist, wenn ein Mädchen plötzlich erzählt, dass es für einige Tage oder Wochen in die Heimat verreisen soll“, berichtet Martha Waithaka.

Sie hat inzwischen auch viele Gespräche mit Betroffenen geführt und festgestellt, dass es einen großen Bedarf an Einzelgesprächen gibt. Sie will künftig auch Gynäkologen einbeziehen und sie mit entsprechendem Infomaterial versorgen.

Wer mehr über das Thema wissen möchte, ruft Martha Waithaka unter: 0176 735 798 65.an

Von Christin Schmidt

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