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Premnitz Gesundheitszentrum geht über zum MDZ
Lokales Havelland Premnitz Gesundheitszentrum geht über zum MDZ
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16:04 21.02.2019
Die Stadt Premnitz will ihr Gesundheitszentrum mit dem Medizinischen Dienstleistungszentrum Havelland (MDZ) verschmelzen. Quelle: Bernd Geske
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Premnitz

 Die Stadt Premnitz übergibt ihr Gesundheitszentrum dem Medizinischen Dienstleistungszentrum Havelland (MDZ), das ein Unternehmen der Havelland-Kliniken-Unternehmensgruppe ist. Sie gibt es damit aber weder weg noch auf.

In der gegenwärtig laufenden Sitzungsrunde haben die Premnitzer Stadtverordneten zwei Beschlussvorlagen, die eine Verschmelzung des Gesundheitszentrums auf das MDZ betreffen. Schon im Dezember hatten Jörg Grigoleit, Geschäftsführer der Havelland-Kliniken, und Katja Schultz, Geschäftsführerin des Gesundheitszentrums, im Premnitzer Hauptausschuss das Vorhaben vorgestellt. Nach einer somit längeren Bedenkzeit sollen nun die entsprechenden Beschlüsse gefasst werden.

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Einstimmig in zwei Ausschüssen

Im Ausschuss für Wirtschaft und Stadtentwicklung und auch im Ausschuss für Soziales und Finanzen sind die beiden Vorlagen einstimmig befürwortet worden. Es ist davon auszugehen, dass sie auch im Hauptausschuss und in der Stadtverordnetenversammlung eine Mehrheit bekommen.

„Die Verschmelzung unseres Gesundheitszentrums ist der absolut richtige Weg“, hat die Premnitzer Kämmerin Sabine Braatz im Sozialausschuss gesagt.

Sabine Braatz. Quelle: Bernd Geske

Die Verwaltung sehe diese Entscheidung als zukunftsweisend an. Das Gesundheitszentrum sei ein relativ kleines Unternehmen, erklärte sie. Nach dem Umzug an den Standort im Stadtzentrum habe es im Jahr 2017 ein negatives Ergebnis von 145000 Euro gehabt. Nach der Hochrechnung für 2018 sei eine schwarze Null zu erwarten. In der gegenwärtigen Situation seien aber die Rahmenbedingungen für das Gesundheitszentrum ausgeschöpft. Auf Dauer könne das kleine Unternehmen die wirtschaftliche Last nicht allein tragen. Die Verschmelzung auf das MDZ sei eine wichtige Voraussetzung, um die medizinische Versorgung in der Region dauerhaft aufrecht zu erhalten.

Am jetzigen Gesundheitszentrum hat die Stadt Premnitz einen Anteil von zehn Prozent und das MDZ von 90 Prozent. Wenn die Einrichtung auf das MDZ verschmolzen wird, werden die Anteile der Stadt in MDZ-Anteile umgerechnet, was dann 2,3 Prozent ergeben würde. Vorgeschlagen ist, dass die Stadt für 27 000 Euro von den Havelland-Kliniken weitere 2,7 Prozent des MDZ erwirbt, um dann insgesamt fünf Prozent zu halten.

Die Stadt will fünf Prozent

Wie Sabine Braatz erklärt hat, sichern die fünf Prozent der Stadt wichtige Mitspracherechte bei künftigen Entscheidungen über das MDZ und den Standort Premnitz. Bei Umwandlungen, Auflösungen, Anteilsverkäufen und einem (nicht geplanten) Wegfall des Standortes seien immer einstimmige Entscheidungen erforderlich.

Das MDZ plant, in Wustermark ein Seniorenpflegezentrum und ein Gesundheits- und Familienzentrum zu bauen. Es ist vorgesehen, dass die Gemeinde ebenfalls einen Anteil von fünf Prozent bekommt. Weitere Kommunen, die MDZ-Standorte haben oder bekommen, sollen ebenfalls mit fünf Prozent aufgenommen werden.

Derzeit 21 Beschäftigte

Das Gesundheitszentrum Premnitz hat derzeit 21 Beschäftigte, im MDZ sind es knapp 200. Für das Gesundheitszentrum ist ein Wert von 230 000 Euro ermittelt worden, für das MDZ sind es 769 000 Euro. Rein rechtlich ist es möglich, die Verschmelzung rückwirkend zum 1. Januar 2019 vorzunehmen. Sie müsste spätestens im Juli des Jahres beurkundet werden.

Neben einer deutlichen Aufweitung der gegenwärtig noch sehr engen finanziellen Jacke für das Gesundheitszentrum zielt die Verschmelzung auch auf eine Verbesserung der Gehaltstruktur. Zugesagt ist, das Einkommensniveau der Beschäftigten des Gesundheitszentrums um zwölf Prozent in drei Schritten bis 2021 dem MDZ anzugleichen. Das trage zur Motivation der Beschäftigten bei, sagte Sabine Braatz. Außerdem könne man mit dem erhöhten Einkommen bei Stellenausschreibungen besser um neue Fachkräfte werben.

Viele Jahre rote Zahlen

Über viele Jahre hinweg hatte das Gesundheitszentrum nach der Wende mehr oder weniger tief rote Zahlen geschrieben. Die Stadt, die lange dessen 100-prozentiger Gesellschafter war, musste dessen Zahlungsfähigkeit immer wieder mit höheren Zuschüssen aufrecht erhalten.

Die Defizite kamen zu großen Teil von der alt angestammten Immobilie an der Friedrich-Engels-Straße 6, dessen Hauptgebäude 1972 als Poliklinik des Chemiefaserwerks eröffnet worden war. Zum Ende Juni 2017 waren das Gesundheitszentrum und alle Mieter dort ausgezogen. Die Stadt hat bereits alle Weichen gestellt, damit das alte Gesundheitszentrum noch in diesem Jahr abgerissen werden kann.

Von Bernd Geske