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Premnitz Hunde treiben Rehe auf die Straße
Lokales Havelland Premnitz Hunde treiben Rehe auf die Straße
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15:19 15.11.2018
Eines der toten Rehe, die auf der B 102 angefahren worden sind. Quelle: Privat
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Premnitz

 Seit 1991 ist Johann Brem Jagdpächter im Jagdrevier Premnitz, teilt er mit, aber so schlimm wie jetzt sei es noch nie gewesen. Zehn Rehe sind in diesem Jahr bislang auf dem kurzen Straßenstück der B102 zwischen Premnitz und Mögelin durch Verkehrsunfälle zu Tode gekommen. Die Fläche, von der die Rehe kamen, ist bekannt als „Bützer Feld“. Glücklicherweise sind die Fahrzeugführer dabei bislang unverletzt geblieben und mit Blechschäden davon gekommen.

B 102, Mögelin in Richtung Premnitz. Zehn Rehe sind hier seit Jahresbeginn in Autos gelaufen. Quelle: Privat

Was den Jäger daran besonders ärgert ist, dass diese Unfälle wohl vermeidbar gewesen wären. Er hat die toten Tiere samt Fundort dokumentiert, die mutmaßlichen Abläufe rekonstruiert und dadurch festgestellt: Mit großer Wahrscheinlichkeit sind die Rehe aufgeschreckt worden und dann in Panik auf die Straße gelaufen. Als hauptverdächtige Verursacher hat Jäger Brem Hundehalter ausgemacht, die im Bereich des Bützer Feldes ihre vierbeinigen Freunde ohne Leine frei durch die Gegend streifen lassen.

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Er halte sich oft in der beschriebenen Gegend auf, so berichtet Johann Brem, und dann treffe er dort sehr häufig Hundehalter mit freilaufenden Hunden an. Nach Paragraf 23 des Bundesjagdgesetzes umfasst der Jagdschutz, für den der Jagdpächter zu sorgen hat, auch den Schutz des Wildes vor freilaufenden Hunden. In jedem Revier herrsche für Hundehalter Leinenzwang, erklärt der Jäger. Allerdings habe sich bei seinen Gesprächen gezeigt, dass die Hundehalter vom Jagdrecht wenig Ahnung hatten.

Jagdpächter Johann Brem hat jeden Fall dokumentiert. Quelle: Privat

Über das Bützer Feld muss man etwas Wichtiges wissen, um die Wildunfälle richtig einschätzen zu können. Wie der Jagdpächter erklärt, bietet sich die weithin sichtbare Erlenreihe mit dichtem Unterwuchs auf freiem Feld an für Rehe, sich mit ihren Kitzen niederzulassen. Nähert sich ein Hund, läuft das Muttertier davon, um diesen vom Kitz abzulenken. Die nächste beste Deckung würde das Reh am Postberg auf der anderen Straßenseite der B102 finden. Dort läuft es hin, wird vielleicht angefahren und kehrt nie wieder zum Kitz zurück, das in solchen Fällen ebenfalls dem Tod geweiht ist.

Ordnungsamt schreibt Hundehalter an

Das Ordnungsamt der Stadt Premnitz hat die Problemlage im September zum Anlass genommen, um einige Hundehalter anzuschreiben. Sie sind zum Teil namentlich bekannt und wohnen nicht selten in der Nähe des Bützer Feldes. Jörg Haidt vom Sachgebiet Ordnung teilt mit, dass Jagdpächter Johann Brem berechtigt ist, den Leinenzwang durchzusetzen. Das Nichtbeachten des Jagdgesetzes sei eine Ordnungswidrigkeit.

Zwar habe die Stadt nur eine Mitverantwortung, erklärt Jörg Haidt, weil allein die Wege auf dem Bützer Feld öffentlich sind. Die rechtliche Lage sei aber klar. Ordnungswidrigkeiten der geschilderten Art könnten mit einer Geldbuße bis 5000 Euro geahndet werden. Bei Kontakten nach Zustellung der Briefe hätten Hundehalter sich einsichtig gezeigt, hat die Stadt festgestellt. Das sei positiv zu registrieren, man werde die Lage aber weiter beobachten.

Von Bernd Geske