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Premnitz Anwohner beunruhigt: Darum führte die Havel so wenig Wasser
Lokales Havelland Premnitz Anwohner beunruhigt: Darum führte die Havel so wenig Wasser
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14:35 18.06.2018
Im Mögeliner Kahnhafen haben wegen des niedrigen Wasserstandes der Havel die Kähne zum Teil auf dem Trockenen gelegen.
Im Mögeliner Kahnhafen haben wegen des niedrigen Wasserstandes der Havel die Kähne zum Teil auf dem Trockenen gelegen. Quelle: Jens Grosdew
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Rathenow

Bei Anwohnern und anderen Interessierten hat es für Unruhe gesorgt, dass der Pegel der Havel Ende vergangener Woche in nur drei Tagen um mehr als 35 Zentimeter gefallen ist. In den sozialen Netzwerken ist das intensiv diskutiert worden. Vor allem wurde über die Frage nachgedacht, wie ein solcher Wasserschwund entstehen kann.

„Wir haben geraten, was der Grund gewesen sein könnte“, sagt der Mögeliner Jens Grosdew. Weil der Wasserstand in so kurzer Zeit so erheblich fiel, sei ein Fehler im System vermutet worden.

Durchfluss mit zehn Kubikmetern pro Sekunde sehr gering

„Wir haben Sommer“, lautet der erste Satz, mit dem Joachim Karp, Leiter des Außenbezirks Rathenow beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA), die Lage zu erklären beginnt. Es sei wenig Wasser die Havel hinab geflossen, teilt er mit. Die Durchfluss habe zeitweise unter zehn Kubikmetern pro Sekunde gelegen. Das sei sehr gering. Für die Verhältnisse am Fluss sei es aber „ganz normal“.

Weil der Pegel dann aber so stark gesunken sei, sagt Joachim Karp, habe man mit den Kollegen entschieden, von der seenartigen Verbreiterung der Havel oberhalb der Stadt Brandenburg mehr Wasser als zuvor herunter zu lassen.

Pegel zwischenzeitlich um 30 Zentimeter erhöht

Dadurch erhöhte sich die Durchflussmenge bis zum Sonnabend auf bis zu 25 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, wodurch der Pegel der Havel wieder um gut 30 Zentimeter stieg. Allerdings deutet sich der Trend an, dass die Wassermenge in der Havel schon wieder abnimmt.

Einen Fehler im System, wie manche Beobachter vermutet haben, bestätigt Joachim Karp nicht. Die alten Wehre seien nicht mehr so dicht, wie sein sollten, sagt er. Vor allem das alte Schützenwehr an den Hinteren Archen in Rathenow lasse mehr Wasser durchfließen, als es wünschenswert sei. Als weiteren Grund nennt er auch die Verdunstung, die sei an den seit langer Zeit anhaltend heißen Tagen enorm.

Nur noch ganz wenig Wasser aus der Spree

Ganz entscheidend sei aber, dass von der Spree nicht mehr so viel Wasser wie früher in die Havel fließt. Der Grund hierfür ist bekannt: Das Wasser der Spree wird verwendet, um die Seen zu füllen, die aus den ehemaligen Tagebauen in der Lausitz geschaffen worden sind.

Die seit Ende April fast völlig ausbleibenden Niederschläge sind für Joachim Karp kein Grund, den man für das fehlende Wasser in der Havel heran ziehen kann. Es müsste schon sehr lange und viel regnen, sagt er, damit der Pegel der Havel dadurch spürbar steige. Eine Katastrophe seien die jetzigen Verhältnisse nicht. Das WSA werde aber versuchen, dass der Wasserstand in der Havel nicht noch einmal so stark wie in der vergangenen Woche sinkt.

Von Bernd Geske